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19 Januar 2021

Lebenslang lernen und mental fit bleiben.

Nicht nur in der Schule lohnt es sich zu lernen, denn das menschliche Gehirn profitiert davon, wenn Neues aufgenommen und verarbeitet wird. Zusammen mit weiteren Faktoren kann man so die mentale Fitness früh fördern und gesünder altern.

Der Mensch lernt während seines gesamten Lebens, sei es bewusst oder unterbewusst. Und das ist gut so: Wenn das Gehirn aktiv bleibt, lernt man nicht nur Neues dazu, sondern hält sich auch geistig fit.

Das Alter hinterlässt seine Spuren

Im hohen Alter kann es vorkommen, dass man mit dem eigenen Gedächtnis zu kämpfen hat oder das gewisse Dinge nicht mehr so einfach zu verstehen sind. Ein Faktor hierfür stellt die riesige Menge an Informationen dar, welche der Mensch bis ins hohe Alter angesammelt hat. Sich an etwas Bestimmtes genau zu erinnern ist schwierig, wenn man sich in riesigen Datenmengen des Gehirns zurechtfinden muss.

Auch können sogenannte Neuronenverluste ein Grund dafür sein, weshalb man mit dem eigenen Gedächtnis Mühe bekommt: «Ab dem 60. Lebensjahr verliert das Gehirn alle fünf Jahre ein Prozent aller Nerven- und Gliazellen im Gehirn. Folglich laufen Lern- und Gedächtnisprozesse langsamer ab – das Gehirn lernt somit weniger schnell und die Präzision des Gedächtnisses verschlechtert sich», erklärt Prof. Dr. Martin Korte, Forscher für zelluläre Biologie. Dazu kommt, dass der Mensch im Alter tendenziell längere Reaktionszeiten hat und die sensorische Verarbeitung weniger präzise funktioniert.

Durch den eigenen Lebensstil kann man den Neuronenverlust im Gehirn einschränken.

Martin Korte
Lernen, um das Gehirn zu unterstützen

Das Gehirn ist diesem altersbedingten Wandel aber nicht hilflos ausgeliefert. Lernprozesse beeinflussen demnach die Neuronen, welche für die Hirnleistung zentral sind: «Ein Teil des Gehirns, genauer gesagt der Hippocampus, sorgt mit der Neubildung von Neuronen dafür, dass ein Teil des Verlustes ausgeglichen wird. Und genau dieser Wiederherstellungsprozess kann man durch den eigenen Lebensstil fördern und somit den Neuronenverlust einschränken», betont Martin Korte.

Einerseits verstärkt das Lernen die Kontaktstellen der Neuronen – die Synapsen – oder bildet sogar komplett neue Verbindungen. Das neuronale Netzwerk des Gehirns wird so dichter und kann folglich mehr abspeichern. «Die am Lernprozess beteiligten Neuronen werden darüber hinaus über einen speziellen Typ der Gliazellen schneller miteinander verbunden. Die Datenübertragungsrate ist erhöht und wir erinnern uns nicht nur zuverlässiger, sondern auch schneller», ergänzt der Fachexperte.

Darstellung von Neuronen

Andererseits erhöht ein Lernprozess die Anzahl neu entstandener Neuronen, welche anschliessend erfolgreicher in das Gedächtnisnetzwerk des Hippocampus eingebaut werden können. Dieser spielt eine zentrale Rolle für das Langzeitgedächtnis. Zudem wirken die im Hippocampus neu entstandenen Neuronen einem Abbau an einer anderen Stelle des Gehirns entgegen. «Es hat sich gezeigt, dass Gehirne, die viel gelernt haben, auch im Alter noch lernwillig sind. Sie altern langsamer und haben sogar ein geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken», fasst Martin Korte zusammen.

Das Gehirn isst mit

Nebst dem Lernen kann auch die Ernährung einen Einfluss auf die mentale Fitness haben. Sie als treibenden Faktor zu bezeichnen, ist jedoch etwas übertrieben: «Für die konkrete mentale Fitness ist es nur entscheidend, dass man nicht dehydriert und unterzuckert ist», stellt Martin Korte klar. «Kluge Ernährungstipps lassen Gehirne möglicherweise langsamer Altern, aber machen nicht schlauer. Nur das Lernen und trainieren der Aufmerksamkeit erhöhen die konkrete mentale Fitness nachweisbar», so der Gehirnforscher weiter.

Starkes Übergewicht und viele Kohlenhydrate im Essen wirken sich langfristig negativ auf das Gehirn aus.

Martin Korte

Das heisst aber nicht, dass man sich keine Gedanken über die eigene Ernährung für die machen sollte, wenn es darum geht, mental fit zu bleiben: «Langfristig gesehen hat die Ernährung einen Einfluss auf die kognitiven Muskeln des Gehirns, welche letztlich den Abbau der Nervenzellen befeuern können. Dabei haben starkes Übergewicht und ein stetig hoher Kohlenhydratanteil im Essen auf die Dauer negative Einflüsse», erklärt Martin Korte. Eine ideale Ernährungsart gibt es nicht, aber man weiss, dass Vitamine wie B12, B6 sowie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren die Gehirnleistungen langfristig unterstützen. Eine Ernährung mit viel Gemüse und Obst, mehr Fisch anstelle von Fleisch und wenig Alkohol ist für ein gesundes Gehirn dementsprechend empfehlenswert.

Mentale Fitness kennt keine Altersgrenzen

Indem man den eigenen Lebensstil anpasst, kann man etwas für die mentale Fitness tun. Regelmässige körperliche Aktivität fördert beispielsweise die Durchblutung des Gehirns und verbessert wie beim Lernen die Neubildung von Neuronen im Hippocampus. Zudem ist es zentral, ausreichend zu schlafen: Im Schlaf werden nämlich Abbauprodukte aus dem Gehirn transportiert und die tagsüber beanspruchten Synapsen regenerieren sich.

Für Martin Korte ist es nie zu früh, sich um die eigene mentale Fitness zu kümmern: «Es ist genau wie bei der Rente: Je früher man einzahlt, desto höher der Ertrag.» Die natürlichen Alterungsprozesse im Gehirn machen es schwerer, im Alter Gewohnheiten zu brechen und Neues kennenzulernen. Jedoch helfen diese Dinge, im Alter geistig fit zu bleiben. Umso besser ist es also, sich in jungen Jahren anzugewöhnen, Neues zu lernen, auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten und körperlich aktiv zu bleiben – langfristige Investitionen für ein gesundes Altern.

Mentale Fitness im Alltag

  • Die Treppe statt den Lift nehmen

  • Kurze Strecken zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegen

  • Die Aufmerksamkeit in Alltagssituationen trainieren (Einkaufsliste erst am Schluss konsultieren, die Ampeln auf dem Weg zur Arbeit zählen)

  • Wenn möglich, mittags den Kopf lüften und spazieren gehen, sich kurz hinlegen oder meditieren

  • Leidenschaftlichen Hobbys nachgehen, in welche man sich vertiefen und abschalten kann. Denn etwas rein aus Spass zu tun und nicht aus einem funktionalistischen Grund, ist erfüllend und hilft, dem chronischen Stress entgegenzuwirken.

Text: Dominic Meier

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