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14 Juli 2020

Tinnitus – wenn es in den Ohren pfeift.

Die Umgebung um einen herum ist völlig ruhig und dennoch hat man ein Pfeifen im Ohr: Tinnitusbetroffene kennen die Situation nur zu gut. Wie entsteht Tinnitus und was kann man dagegen tun? «Fokus» weiss mehr.

Da ist es wieder, dieses Pfeifen im Ohr. Auch wenn man sich die Ohren zuhält, kann man ihm nicht entrinnen. Was für Nichtbetroffene nur schwer nachvollziehbar ist, stellt für Menschen mit dem Tinnitussymptom bittere Realität dar. Irene Verdegaal, Geschäftsleiterin der Non-Profit-Organisation pro audito schweiz, der Selbsthilfeorganisation von und für Schwerhörige und Hörbehinderte, erläutert: «Bei einem Tinnitus handelt es sich um ein Ohrgeräusch, das keiner äusseren Schallquelle zugeordnet werden kann.» Man höre ständig eine Art Pfeifen. «Viele Menschen denken zuerst, dass dieses Pfeifen von einem Gerät kommt, bis sie dann merken, dass das Pfeifen nicht einem Aussengeräusch zugeordnet werden kann.»

Tinnitus ist keine Krankheit

«Tinnitus gilt als ein Symptom und nicht als Krankheit. Verschiedene Erkrankungen können zum Symptom Tinnitus führen, wie etwa ein Hörsturz, Altersschwerhörigkeit oder Entzündungen des Ohrs», so Verdegaal. Zwar gibt es in der Schweiz kein offizielles Register, welches die Anzahl Tinnitusbetroffener erfasst. Dennoch lassen sich Zahlen dazu schätzen. «Nach gängiger Schätzung sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung längerfristig von einem Tinnitus betroffen», weiss Irene Verdegaal. Was nach wenig klingt, betrifft in Wirklichkeit mehr Menschen als angenommen. Konkret entspricht dieser Wert hierzulande rund 1,26 Millionen Menschen. Weiterhin weiss man, dass generell mehr Männer als Frauen betroffen sind.

Ein erheblicher Anteil der Tinnitusbetroffenen leidet unter Depressionen. Eine Studie spricht von einem Drittel.

Irene Verdegaal

Ursachen für Tinnitus

Wie bereits angetönt, kann Tinnitus auf mehreren Ursachen fussen. «Am häufigsten beschrieben werden zudem folgende Erkrankungen und Ursachen, die zu Tinnitus führen können: Mittel- oder Innenohrerkrankungen, Knalltrauma, starker Lärm (kurzzeitig wie Konzert), Hörsturz, Stress und emotional anspruchsvolle Momente, Bluthochdruck», fasst Irene Verdegaal zusammen. Dennoch seien die Ursachen von Tinnitus nicht abschliessend erforscht. «Man geht davon aus, dass er als Folge eines Hörverlusts entsteht», so Verdegaal weiter. Die Entstehung des Hörverlustes sei häufig schleichend und bliebe zunächst unbemerkt. Bei vielen Betroffenen trete Tinnitus plötzlich auf.  

Das Gehirn gleicht aus

Tinnitus kann auch als Reparaturversuch des Gehirns gesehen werden, verrät Verdegaal. «Werden Haarzellen im Innenohr geschädigt, zum Beispiel durch eine Ohrenentzündung oder Lärm, kommen in der Hörrinde des Gehirns für bestimmte Frequenzen keine Signale mehr an. Das Gehirn versucht die fehlenden Frequenzen auszugleichen und erzeugt ein chronisches Ohrgeräusch.»

Wie die Psyche unter Tinnitus leidet

Das permanente Pfeifen im Ohr schlägt auch auf die psychische Verfassung. «Ein erheblicher Anteil der Tinnitusbetroffenen leidet unter Depressionen», berichtet Irene Verdegaal, «eine Studie spricht von einem Drittel.» Auch in ihrer Hörberatung werden die Beraterinnen und Berater immer wieder aufs Neue mit den Folgen von Tinnitus konfrontiert. Irene Verdegaal erzählt: «Eine unserer Hörberaterinnen hatte vor ein paar Jahren einen jungen Mann am Telefon, bei dem sich nach einem Konzertbesuch ein unerträglicher Tinnitus entwickelt hat, der auch nach einem Monat nicht leiser geworden ist. Diese ständige Kettensäge im Kopf treibe ihn in den Wahnsinn». Dennoch gibt es auch Zahlen, die hoffen lassen. «Laut der Schweizerischen Tinnitus-Liga fühlen sich 6 – 20 Prozent vom Tinnitus nicht gestört», berichtet Verdegaal.

Erkennen von Tinnitus

Nimmt man über längere Zeit ein Pfeifen im Ohr wahr, welches nicht mehr verschwindet, kann dies auf Tinnitus hindeuten. «Es empfiehlt sich, frühzeitig zum Arzt zu gehen», legt Irene Verdegaal nahe. Eine finale Diagnose könne nur ein diplomierter Arzt stellen. Er wird dann untersuchen, ob das Symptom akuter oder chronischer Natur ist. «Bei einem akuten Tinnitus, also die ersten drei Monate, wird in der Regel eine medikamentöse Therapie verschrieben», erläutert Irene Verdegaal. Diese Therapie zeige eine Wirksamkeit von 70 Prozent. Dauert das Hörgeräusch länger als drei Monate, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Dessen Therapierbarkeit ist laut Verdegaal aber umstritten. «Es hat sich aber gezeigt, dass verschiedene Behandlungsmethoden wie etwa Hörgeräte, Entspannungstechniken oder kognitive Verhaltenstherapie das Leiden lindern können. Soweit muss es aber gar nicht erst kommen, denn Tinnitus kann man auch vorbeugen. Irene Verdegaals effektivster Tipp ist folgender: «Schutz vor übermässigem und langedauerndem Lärm! Es empfiehlt sich zudem, einen Gehörschutz zu tragen, sobald es laut ist.» 

Text Lars Gabriel Meier

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