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Zürich
25 Januar 2021

Die neuen Weltstädte.

Treffen statt abschotten: Die Städte von morgen werden sich den Menschen und ihren Bedürfnissen anpassen müssen.

Fing die Misere der Städte mit den Autos oder mit den Fußgängerzonen an? Darüber lässt sich momentan trefflich streiten. Denn während in vielen Städten Radler*innen für fahrradfreundlichere Cities und weniger Autoverkehr werben, beschreibt Ulrich Brinkmann in seinem Buch »Achtung vor dem Blumenkübel« anhand von westdeutschen Postkarten aus vier Jahrzehnten die radikale Trennung von Vehikeln und Flaneuren. Diese Trennung endete in alptraumhaften Beton-Abfalleimer-Gitterbank-Arrangements und begünstigte das Verweilen und Leben oftmals eben nicht.

Die Innenstädte stehen vor riesigen Herausforderungen. Das Konsum-, Arbeits- und Freizeitverhalten ändert sich. Das »One-Stop-Shopping« bedroht die Fachgeschäfte, das mobile Arbeiten die verglasten Bürosilos. Gleichzeitig wird die Grundidee des Treffens anderer Menschen die Städte weiter am Leben halten. Mit Utopie-Cafés, Think-Tank-Theatern oder Tinder-Gärten könnte man Diversität live erfahrbar machen. Jede City eine Weltstadt!

Die Stadtverwaltungen werden selbst in die Planungen und Neustrukturierungen eingreifen müssen, um Metropolen als Lebens- und Arbeitsorte neu zu manifestieren. Nachhaltige Bauweisen, digitale Strukturen, Offenheit für die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten jedes einzelnen Menschen – so wie sich die Arbeit verändert, müssen auch die Städte als Menschen-Orte flexibler werden. 

Jede City eine Weltstadt!

Neue Möglichkeiten, innerer Reichtum

Die »Forderung nach inklusiveren Städten« erneuerte unlängst Steven Meyer in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er zeigte auf, wie ältere Frauen jahrzehntelang systematisch benachteiligt wurden, wenn sie in den »Männer- und Auto-Städten« unterwegs waren und durch dunkle Tunnel und Betonungetüme eilen mussten. 

Warum wurden multimediale Kommunikationszentren, Gemeinschaftsanlagen und Parks, aber auch Friedhöfe und Pflegeheime nicht schon längst mitten in der Stadt verankert? Wieso stehen Schrebergärten nur an Zuggleisen und zwischen Autobahnen? Die neue Stadt wird die Lust am Miteinander wecken müssen und dabei auch den Gegensatz zwischen Glaspalast und Zuhause, online und live, reich und arm auflösen müssen. 

Vielleicht geht es bei der konkreten Um- und Neugestaltung gar nicht so sehr um ein unendliches Sammeln von Ideen und Anforderungen, sondern vielmehr um ein Gefühl. Etwas Poesie, die Experimentierlust und Glück freisetzt. Der berühmte Parisfotograf Robert Doisneau hatte es beim Fotografieren weniger mit Blumenkübeln denn mit Menschen, Blicken und Stimmungen. Und so schrieb er einmal: »Die Städter tragen einen Reichtum in sich, von dem sie nichts ahnen.« Der Wunsch, diesen Reichtum zu erfahren, wird die Städte retten.

Text Rüdiger Schmidt-Sodingen 

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