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10 April 2021

Was tun bei Inkontinenz? Hilfe suchen!.

Harn- und Stuhlinkontinenz, also die fehlende Fähigkeit, den Blasen- und/oder Darminhalt sicher zu speichern, ist auch noch heute ein Tabuthema, über das die Betroffenen oft selbst mit ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt nicht reden. Dabei wissen wir inzwischen, dass jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens von Kontinenzstörungen betroffen ist.  Das würde für die Region Basel eine Gruppe von fast 50 000 Personen bedeuten. Es besteht also grosser Handlungsbedarf.

Inkontinenz kann viele verschiedene Ursachen haben. Alle Geschlechter sind betroffen, Häufigkeit und Schweregrad der Probleme nehmen mit dem Alter zu. Aber auch Jugendliche und junge Erwachsene können bereits betroffen sein, oft durch eine mangelnde Ausreifung der Blasenkontrolle.

Menschen mit Inkontinenz brauchen Hilfe

Inkontinenz geht nicht selten mit erheblichen psychosozialen und auch finanziellen Problemen einher. Die Betroffenen neigen dazu, sich zurückzuziehen. Diesen Menschen eine Anlaufstelle und kompetente Hilfe anzubieten, haben sich nicht nur medizinische Gesellschaften zur Aufgabe gemacht, sondern auch viele Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, die sich vor Ort für die Betroffenen engagieren.

Inkontinenz geht nicht selten mit erheblichen psychosozialen und auch finanziellen Problemen einher.

Jeder kann im Laufe seines Lebens betroffen sein. Art und Ausprägung von Inkontinenz sind vielfältig. So kann eine Schliessmuskelschwäche vorliegen mit unwillkürlichem Urinverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder schwerem Heben (Belastungsinkontinenz). Liegt eine Störung der Harnblase selbst vor, können Betroffene oft die Toilette nicht mehr erreichen, wenn der plötzliche Harndrang einsetzt (Dranginkontinenz). Nicht selten liegt auch eine Mischung von beidem vor. Bei Frauen spielt zudem eine Senkung des Beckenbodens oft eine bedeutende Rolle. Auch Erkrankungen der Nerven, des Darmes und anderer innerer Organe, Unfälle, Operationen oder Bestrahlungen können zu quälenden Kontinenzproblemen führen. Gerade diese Krankheitsbilder betreffen oft mehrere medizinische Gebiete, sodass hier eine Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen besonders sinnvoll ist. 

Arzt
Kontinenzzentren für umfassende Betreuung

Deshalb haben sich in den letzten Jahren zunehmend Expertinnen und Experten in Kontinenzzentren zusammengeschlossen, um eine umfassende Diagnostik und Behandlung unter einem Dach anzubieten. Die Patientinnen und Patienten können dann von mehreren Fachärzten untersucht werden, um gemeinschaftlich eine Behandlungsstrategie festzulegen oder – falls erforderlich – eine weiterführende Diagnostik zu veranlassen. 

Moderne Behandlungsmethoden ermöglichen in den meisten Fällen eine Heilung oder zumindest eine deutliche Besserung der Beschwerden. Das Behandlungsspektrum umfasst eine breite Palette: von krankengymnastischen Massnahmen über minimal-invasive Operationen bis zum Einsatz eines künstlichen Schliessmuskels und implantierbarer Blasen- und Darmschrittmacher. Eine fortwährende Betreuung und Nachsorge spielt dabei eine besonders grosse Rolle.

Ralf Anding
PD Dr. Ralf Anding
Kaderarzt Urologie, Universitätsspital Basel
Herr Dr. Anding, warum möchten Sie mit dem Thema Inkontinenz gewissermassen aus einer Grauzone heraus an die Öffentlichkeit treten? 

Wir wissen aus mehreren grossen Untersuchungen, dass eine Behandlung der von Inkontinenz betroffenen Patientinnen und Patienten nur in ungefähr einem Viertel der Fälle in geeigneten Institutionen erfolgt. Drei Viertel der Menschen werden unzureichend versorgt. Wegen der grossen Zahl der Personen, die von Inkontinenz betroffen sind, insbesondere Frauen, besteht ein grosser Behandlungsbedarf. Es ist deshalb gerechtfertigt, an die Öffentlichkeit zu gehen und auf kompetente Hilfe hinzuweisen – für Patientinnen, die sonst vielleicht Scheu haben. Für die Betroffenen bedeutet Inkontinenz auch Isolation. Wir müssen das Tabu durchbrechen, denn es gibt keinen rationalen Grund, sich mit seinem Problem zu verstecken. Für uns ist Inkontinenz eine alltägliche, behandelbare Erkrankung.

Können Sie die Zahl der Betroffenen einschätzen? 

Wir gehen davon aus, dass fast jede zweite Frau über 50 Jahren von einer Form von Inkontinenz betroffen ist. Bei den unter 50-Jährigen sind es etwa 27 Prozent, bei den über 80-Jährigen sind sogar 75 Prozent betroffen. Bei leichten Inkontinenzformen kann schon ein gezieltes Beckenboden-Training helfen. Gerade bei den schwereren Formen müssen wir aber davon ausgehen, dass es eine hohe Dunkelziffer an Menschen gibt, die noch ohne ausreichende Behandlung sind.

Viele Betroffene – vor allem Frauen – wagen sich kaum mehr auf die Strasse, weil sie inkontinent sind. Welche Möglichkeiten bietet sich diesen Betroffenen? 

Ja, viele Betroffene meiden dann zunehmend öffentliche Veranstaltungen und Einkaufsgänge, auch weil sie ungeeignete Einlagen verwenden, was dann mit einer gewissen Geruchsbelästigung verbunden ist. Es ist daher immer das erste Ziel der Behandlung, den Urinverlust zu vermeiden.

Das Problem muss zunächst gezielt abgeklärt werden, dazu sollten die Betroffenen eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Bei der Drang-Inkontinenz kommt in erster Linie eine medikamentöse Behandlung in Frage. Bei der Belastungs-Inkontinenz gibt es schonende Operationsverfahren, die dieses Problem wirksam und auf Dauer beheben können. Wenn komplexe Störungen vorliegen, sind eventuell auch umfangreichere Untersuchungen und eine Zusammenarbeit von mehreren Abteilungen notwendig um zum bestmöglichen Ziel zu kommen.

Wohin wenden sich Ratssuchende, Betroffene und Angehörige?

Zunächst sollten sich die Betroffenen an ihren Hausarzt, beziehungsweise Urologen oder Gynäkologen wenden. Diese sind die ersten Ansprechpartner und nehmen die weitere Therapieplanung vor. In der Klinik haben wir spezielle Sprechstunden eingerichtet, um die Weiterbehandlung zu übernehmen, Operationen vorzubereiten und die Betreuung komplizierter Fälle zu gewährleisten. 

Was machen die Betroffenen, die möglicherweise aus einer inneren Scheu heraus nicht direkt zum Arzt gehen wollen? Wo finden die Rat und Hilfe? 

Es gibt seit fast 20 Jahren die Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche, wo man sich über das Internet umfangreich informieren kann. Auch die Deutsche Kontinenz Gesellschaft bietet ein grosses Informationsangebot. Hier sind auch viele Beratungsstellen und Kontinenzzentren benannt, die ein überprüftes Fachwissen und geeignete Behandlungsmethoden anbieten. Auch hier in der Urologischen Klinik im Universitätsspital Basel fungieren wir als anerkannte Beratungsstelle.

Wie sind Sie ans Universitätsspital Basel gekommen und was planen sie in der Zukunft? 

In den letzten 20 Jahren habe ich drei Kontinenzzentren in Spitälern in Deutschland aufgebaut, zuletzt am Universitätsklinikum in Bonn. Dort wurde besonderes Gewicht auf die Neuro-Urologie gelegt, also die Versorgung von Patienten mit neurologischen Grunderkrankungen. Genau ein solcher Schwerpunkt soll hier am Universitätsspital Basel ausgebaut werden. So hat die Zusammenarbeit begonnen. Die positive Resonanz, die ich hier erfahren habe, bestätigt mir, dass weiterer Bedarf besteht, Beratung anzubieten und Therapieangebote zu machen. Sobald die Einschränkungen um die Coronapandemie dies zulassen, werden wir im nächsten Jahr sicherlich auch öffentliche Veranstaltungen dazu anbieten. 

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Hilfe im Internet:

Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche – www.inkontinex.ch

Deutsche Kontinenz Gesellschaft – www.kontinenz-gesellschaft.de

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