13.8 C
Zürich
18 Mai 2021

Energiegewinnung: Quo vadis?.

Schöne neue Energiezukunft: Wenn der politische Wille vorhanden wäre, könnte man in ganz Europa die fossilen Kraftwerke innert zweier Jahre abschalten.

In naher Zukunft werden sich bei der Energiegewinnung die verschiedensten Systeme etablieren. Während Privathaushalte am ehesten mit dezentralen Photovoltaik-Systemen versorgt werden, reicht diese Stromquelle im öffentlichen und industriellen Bereich nicht aus. Zudem liegen die am stärksten industrialisierten Regionen der Erde in den nicht so sonnigen Gebieten. Dann kommt fast nur noch die Concentrating Solar Power (CSP) in Frage. Dabei gibt es CSP-Anlagen, die zu 99 Prozent aus recyclierbarem Material bestehen und bei der Stilllegung nichts als Beton und Stahl zurücklassen. Ausserdem können diese CSP-Anlagen vor Ort von lokalen Unternehmen gebaut werden, was neue Arbeitsplätze schafft. Die meisten CSP-Anlagen arbeiten allerdings bei Temperaturen bis 500 Grad Celsius: Je höher die Temperatur, desto effizienter die Stromproduktion. Dementsprechend gibt es bereits Anbieter auf dem Markt, die Betriebstemperaturen bis zu 1000 Grad und mehr erreichen. So gesehen kann der Bereich fossile Brennstoffe für die Gewinnung thermischer Energie für Heizungen und industrielle Anwendungen durch CSP-Anlagen vollständig lokal abgedeckt werden. Flüssige Brennstoffe wie Diesel, Benzin und Flugbenzin (Kerosin) können mittels der Gewinnung von CO2 aus der Luft oder anderen Quellen (Hochöfen für die Stahlgewinnung etc.) gewonnen werden und sind preislich schon in naher Zukunft konkurrenzfähig. Für die Gewinnung von Wasserstoff als Substitut für fossile Energieträger sowie für Methangas (Erdgasersatz) gilt das Gleiche. Kurz: Für all diese Prozesse wird in erster Linie thermische Energie verwendet und diese wird gemäss Fachleuten am effizientesten und billigstem mit CSP gewonnen. Darum wird CSP schon bald einen Grossteil der benötigten Energie zur Verfügung stellen.

Die Schweiz muss umdenken

Leider setzt die Schweiz in erster Linie auf Wasserkraft, wobei die Fauna und Flora einheimischer Bäche und Flüsse sowie der Bergtäler aufs Spiel gesetzt wird. Die Photovoltaik (PV) wird zu wenig gefördert, die Windkraft ist wegen der unzähligen Einsprachen praktisch tot und CSP inexistent. Die Produktion von Compogas ist nicht wirklich klimaneutral. So gesehen wird auch in der Schweiz ein Umdenken stattfinden müssen. Für manchen Experten wäre es intelligenter, kosten- und ressourcensparender, Strom dezentral zu produzieren durch PV, Wärme zentral zu produzieren und via Fernwärmenetze zu verteilen. Viele Kritiker monieren seit Jahren, dass man mit alternativen Energien (Wind, Sonne, Wasser) niemals den Energiebedarf bei einem Atom-Ausstieg decken kann. Doch Fehlanzeige: Innert zwei Jahren kann die gesamte Menge Strom, die heute durch fossile und atomare Kraftwerke in Europa verbraucht wird (ca. 2.8 Mrd. kwh), durch alternative Energien (CSP) abgedeckt werden. Die Kosten dafür sind bekannt. Sowohl die Lobbyisten verschiedener Interessegruppen als auch die Unwissenheit vieler Politiker versperren aber den Weg in eine CO2-freie Zukunft.

Intelligentere Energieproduktion

Insbesondere in der Dritten Welt steht der Klimaschutz längst nicht überall an oberster Stelle. So sehnen sich viele Länder nach dem Wohlstand westlicher Vorbilder. Solche Nationen könnte man gemäss Fachleuten zum Umdenken bewegen, indem man die Energieproduktion in diese Länder verlagert und dort gleichzeitig eine Infrastruktur in Form von Bewässerung zur Verfügung stellt. Wenn man die Sahel-Zone wieder begrünt, werden die Menschen auch dortbleiben und sich eine Zukunft und Wohlstand aufbauen können. Solange die industrialisierte Welt in erster Linie daran denkt, wie sie den eigenen Wohlstand auf Kosten der dritten Welt vergrössern kann, werden sich die Flüchtlingsströme nicht verlangsamen, die Radikalisierung gewisser Kreise nicht abnehmen und der Hunger nicht enden. So gesehen könnte eine sinnvolle und intelligente Produktion von Energie die Weichen für die Lösung vieler Probleme stellen.

Innovative Technologien fördern

Im geopolitischen Umfeld sind interessanterweise jene Länder, die heute das Öl fördern, bei der Anwendung von CSP und PV führend. Dies kann dazu führen, dass in Europa inskünftig die gleichen Abhängigkeiten bestehen wie heute: China und Indien sowie der gesamte mittlere Osten gehen mit einem sehr hohen Tempo Richtung CO2-Neutralität und Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen während sich Europa – etwas salopp formuliert – damit beschäftigt, jeden einzelnen Kritiker zu überzeugen. Europa benötigte ein langfristig ausgelegtes Konzept. Es bräuchte den Willen, heute Geld zu investieren, um langfristig unabhängig zu werden und Baugesetze zu erlassen, die innovative Konzepte zulassen. Zudem sollten sich die europäischen Länder überlegen, ob die Förderung innovativer Technologien nicht deutlich sinnvoller wäre, als weiter in die Erforschung von Atomkraft und die Speicherung von CO2 aus Kohlekraftwerken zu investieren. Auch die Speichermöglichkeiten im Bereich der elektrischen Energie werden immer besser. Dies zum einen durch effizientere Batterien, zum anderen durch die Nutzung anderer Energieforen wie etwa kinetischer Energie in Form von Stauseen, Druckaufbau oder Lastentürmen. Mittels natürlicher Materialien wie Steine oder Asche lässt sich thermische Energie über Monate hinweg speichern – zweifellos eine grosse Chance für die Energie-Zukunft!

Text SMA

Lesen Sie mehr.

Zucker, Mehl – und Industrie 4.0

In der Lebensmittelindustrie müssen Produktion und Verpackung höchsten Ansprüchen genügen. Kommt es zu Fehlern oder Unterbrüchen, hat dies nebst finanziellen Einbussen auch «Foodwaste» zur Folge. An einem konkreten Beispiel zeigt die Noser Engineering AG auf, wie durch den zielgerichteten Einsatz von Technologie solche Mängel nicht nur behoben werden – sondern die Produktion auch gleich für die Zukunft fit gemacht wird.

Zurück zu den Wurzeln mit Urban Gardening

Ob Blumenbeet oder Apfelbaum: Der Anbau von eigenen Pflanzen zu Hause braucht Platz. Für Stadtbewohner ist der fehlende Garten seit dem neusten Trend aber kein Hindernis mehr. Durch Urban Gardening finden immer mehr Pflanzen ihren Weg in Wohnungen, auf Balkone oder auf Dächer.

Dorit Djelid: «Ist ein Patient unsicher, kann er auch die Meinung eines zweiten Arztes einholen»

Das Schweizer Gesundheitswesen steht im internationalen Vergleich ganz weit oben. Trotz guten Dienstleistungen ist die eigene Abklärung über Behandlungs- möglichkeiten an Schweizer Spitälern essenziell. Das Interview mit Dorit Djelid, Direktorin a.i. vom Verband «H+ Die Spitäler der Schweiz» enthüllt Vorgehensweisen, wichtige Aspekte und Möglichkeiten, welche das Gesundheitswesen heute und morgen für uns bereithält.

Moderne Logistik als Voraussetzung für die Industrie 4.0

Die Digitalisierung beeinflusst alle Wirtschaftszweige – bei der Logistik ist das nicht anders. Das Automatisierungspotenzial ist gross, bringt allerdings für die Unternehmen in dieser Branche sowohl Chancen wie auch Herausforderungen mit sich.

Archiv.

Mut zur Farbe in der Wohnungseinrichtung

Wir kleiden uns bunt, fahren ein Auto in unserem Lieblingsrot und umgeben uns gerne mit fröhlichen Farben – doch beim Wohnen verlassen...