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18 Mai 2021

Nachhaltig leben – Vom passiven Wissen zum aktiven Handeln.

Heute geht es längst nicht mehr nur darum, Bewusstsein und Aufmerksamkeit für das Thema «Umweltfreundlichkeit» zu schaffen. Ein gewaltiger Unterschied besteht zwischen dem blossen Bewusstsein und dem tatsächlich umweltbewussten Handeln. 

Um den Wechsel von passivem Wissen zu aktivem Handeln zuwege zu bringen, muss sich die Denkweise der Menschheit um 180 Grad drehen: «Nachhaltigkeit sollte nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung wahrgenommen werden. Oft setzen viele ein nachhaltigeres Leben mit einer reduzierten Lebensqualität gleich. Das muss gar nicht sein. Wer sich nachhaltige Ziele setzt, wird schnell merken, dass umweltbewusstes Handeln gar nicht so kompliziert und spassbefreit ist – oft ist es auch noch sehr günstig», erklärt Anina Gepp, Nachhaltigkeitsbloggerin und Bestseller Autorin von «Iss dich Grün». 

Ist Zero Waste die Antwort auf alle Probleme? 

Gar keinen Müll mehr zu produzieren, scheint für viele zu extrem und unrealistisch. Orte wie Kamikatsu, welche durch ihr Zero-Waste-System zur müllfreien Stadt wurden, stempelt man als Ausnahmefälle ab. «Wir sind viel motivierter, nachhaltiger zu leben, wenn das gesetzte Ziel auch erreichbar zu sein scheint», erläutert Gepp. Schlussendlich ist eine hundertprozentige Abfallvermeidung nicht das oberste Ziel. «Es geht darum, sich überhaupt auf den Weg der Nachhaltigkeit zu machen», beteuert die Nachhaltigkeitsexpertin. 

Aktives Handeln – was kann man wirklich tun? 

In der Schweiz wird fleissig recycelt. Laut dem Bundesamt für Umwelt landeten 2019 etwa 94 Prozent Altglas und 81 Prozent PET in den dafür vorgesehenen Sammelstellen. Doch Recycling allein kann auf Dauer nicht alle Umweltprobleme lösen, es ist nämlich Teil des Problems. Bei dem permanent wachsenden Konsum kann der Verbrauch der Ressourcen nicht absolut verringert werden. «Der grosse Nachteil beim Recycling von Plastik ist, dass bei der Aufbereitung von altem Plastik auch wieder Energie aufgewendet wird, wobei man logischerweise wiederum CO2 ausstösst. Das führt dazu, dass der Ressourceneinsatz und die Transportwege einen so grossen ökologischen Fussabdruck hinterlassen, dass der Konsum von Recyclingprodukten einen deutlich negativeren Einfluss auf die Umwelt hat, als dass ihn die positive Recyclingbilanz ausgleichen könnte. Hinzu kommt, dass Produkte aus Plastik nie zu 100 Prozent aus Recyclingplastik bestehen, sondern immer einen Anteil von neuem Plastik beinhalten. Bei der Verarbeitung werden die Kunststoffe aufwendig getrennt und anschliessend oft über weite Wege transportiert», erklärt Gepp. 

Es braucht mehr Sammelstellen – auch für schwer recycelbares Plastik

Wer versucht, Plastik zu recyceln, der nicht leicht recycelbar ist, wie beispielsweise Plastik mit angetackertem Papier oder Metall, stösst auf Hindernisse. «Man kann zwar Getränkekartons wie Tetra Paks ordnungsgemäss entsorgen, das aber nur schwierig. Es gibt leider zu wenige Sammelstellen.» In der Tat existiert in der Stadt Zürich momentan nur eine einzige Sammelstelle für Tetra Pak: Beim Spar im Zollfreilager. «Zurzeit wird aber die Idee diskutiert, dass im Kaufpreis jeder Tetra-Pak-Verpackung ein paar Rappen enthalten sein sollen, um das Recycling-System mitzufinanzieren. Das wird bei PET auch so gelöst», führt die Nachhaltigkeitsbloggerin aus.

Upcycling – Aus alt mach neu! 

Am nachhaltigsten wäre es natürlich, den Plastikstrom direkt an der Quelle zu reduzieren. Durch Upcycling wird der Umwelt Gutes getan. «Beim Upcycling werden ausrangierte Produkte zu neuen Produkten umgearbeitet oder gar zu einem vollkommen neuen Produkt aufgewertet. Praktisch dabei ist, dass keine neuen Rohstoffe kostenintensiv verarbeitet werden müssen. Ich hebe beispielsweise schöne Flaschen aus Glas auf und benutze sie als Blumenvase. Oder ich entferne Etiketten von Gurkengläsern und mache darin selbst gemachte Marmelade ein», erzählt die Nachhaltigkeits-bloggerin mit Freude. 

Schluss mit der Wegwerfmentalität 

Auch in der Modewelt muss Nachhaltigkeit zum Grundkonzept werden. Das heutige Konsumverhalten ist gefährlich unstillbar. Ständig kauft man sich neue Kleidung, welche kurz getragen wird und schnell keine Freude mehr bereitet. Und schon macht man sich wieder auf die Suche nach etwas Neuem. Dies ist der Inbegriff von Fast Fashion – Kleidung, die billig hergestellt und verkauft wird, sodass die Menschen öfter und mehr konsumieren. Diese «Wegwerfeinstellung» muss jetzt aufhören. Dabei steht eine tiefere Bindung zwischen der Kundschaft und den jeweiligen Kleidungsstücken im Zentrum. Bei interessanten Upcycling-Marken oder ökofreundlichen Kleidungsmarken wird jedes Stück zu etwas Besonderem, weil bewusst produziert wird. Wenn Kleidungsstücke ästhetisch ansprechend sind und gleichzeitig auch noch zum Allgemeinwohl unseres Planeten beitragen, sieht man sie auch durch völlig andere Augen und behandelt sie dementsprechend auch komplett anders. Auch Anina Gepp betont: «Buy less, choose well, make it last – das, was wir bereits haben, sollten wir so lange wie möglich tragen. Und alles, was wir neu kaufen, sollte möglichst von einem Label sein, welches fair und nachhaltig herstellt.»

Umweltfreundliche Ernährung und nachhaltiger Einkauf 

Ein anderer Lebensbereich, in dem Nachhaltigkeit eine grosse Rolle spielt, ist die Ernährung: «Mit unserer Ernährungsweise können wir unseren persönlichen Fussabdruck sehr stark beeinflussen. Wichtig ist auch, weniger Esswaren wegzuwerfen. Neben dem zu hohen Fleisch- und Milchkonsum ist Food Waste ein riesiges Problem», erklärt die Nachhaltigkeitsexpertin. «Ein grosser Schritt, den wir alle jeden Tag tun können, ist zu entscheiden, was bei uns auf dem Teller landet. Sprich: Indem wir weniger Fleisch- und Milchprodukte konsumieren und auf Regionalität und Saisonalität achten. Damit ist schon sehr viel getan.» Aber auch der Einkaufsort kann infrage gestellt werden. Beispielsweise gilt der Einkauf auf dem Wochenmarkt als besonders umweltfreundlich. «Direkt bei der Bäuerin oder dem Bauer einzukaufen ist ein tolles Erlebnis und schafft einen ganz anderen Bezug zu Lebensmitteln. Wer keinen Markt in der Umgebung hat, kann sich auch ein Abo für eine Bio-Kiste lösen. So bekommt man wöchentlich frisches saisonales Gemüse geliefert», erklärt Gepp. 

Text Evgenia Kostoglacis 

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