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11 April 2021

Vernetzte Infrastruktur erleichtert das autonome Leben zu Hause.

Mit dem technologischen Fortschritt gibt es zunehmend Möglichkeiten, die eigenen vier Wände komfortabler zu gestalten. Das Smart Home beinhaltet aber keineswegs nur Spielereien, sondern auch Hilfsmittel, die ein eigenständiges Leben ermöglichen.

Die Digitalisierung ist das grosse Thema in der Wirtschaft und dem Arbeitsleben. Im Vergleich dazu erhält das digitalisierte Privatleben noch wenig Aufmerksamkeit. Handys, Computer und etwaige andere elektronische Hilfsmittel sind schon längst im Alltag vieler Menschen angekommen und kaum noch wegzudenken. Nichtsdestotrotz bleibt der Eindruck in der Gesellschaft bestehen, dass die Smart-Home-Technologien eher Spielereien darstellen anstelle von veritablen Chancen zur Verbesserung der Lebensumstände. Insbesondere für ältere Personen und Menschen mit Behinderung können Smart-Home-Technologien ein längeres und eigenständiges Leben im eigenen Zuhause ermöglichen. 

Wieso smart?

Ein Smart Home zu haben, bedeutet mehr, als nur die Wohnung mit elektronischen Geräten zu füllen. Prof. Dr. Patric Eberle, Forschungsgruppenleiter Active Assisted Living am iHomeLab der Hochschule Luzern, beschreibt ein Smart Home folgendermassen: «Es besteht im Wesentlichen aus einem System von intelligenten Geräten, die miteinander kommunizieren.» Die Vernetzung der verschiedenen Geräte geschieht aber nicht nur zum Spass, sondern hat zwei übergeordnete Ziele. Zum einen soll dadurch der Energieverbrauch eines Wohnraums reduziert werden. Zum anderen steht die Bewohnerschaft im Mittelpunkt, die von einer Erhöhung des Komforts, der Sicherheit und der Lebensqualität profitieren kann. Beispielsweise kann ein Smart Home so aussehen, dass verschiedene Geräte in einem Haushalt durch eine einheitliche Bedienung wie eine App steuerbar sind – von der Beleuchtung über die Waschmaschine bis hin zur Heizung.

Individualität und Autonomie

Die Fokussierung auf verbesserte Lebensumstände der Endnutzenden beinhaltet ebenfalls, dass individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden. So können die Systeme den Wünschen entsprechend angepasst und konfiguriert werden. Zudem wird darauf geachtet, dass die Smart-Home-Lösungen einfach gestaltet sind und auch von wenig technikaffinen Personen bedient werden können.

Insbesondere im Hinblick auf ältere Personen und Menschen mit Behinderung ist es wichtig, dass die Handhabung der Technologien intuitiv oder automatisch vonstatten geht. Für diese Zielgruppen und deren Familie, Freund*innen sowie für pflegende Institutionen wurden über die letzten Jahre neue unterstützende Systeme erarbeitet. «Das sind Lösungen mit Notruffunktion und/oder Möglichkeiten bei kritischen Zuständen wie Stürze eine automatische Alarmmeldung auszusenden», führt Eberle aus. Technologien wie diese ermöglichen älteren Personen und Menschen mit Behinderung zu Hause ein eigenständiges Leben über längere Zeit. 

Die Coronapandemie hat die Vorteile von Smart-Home-Lösungen nochmals hervorgehoben, wie Eberle erklärt: «Während der aktuellen Pandemie sind besonders Systeme zur Reduzierung der sozialen Isolation gefragt.» Um der Einsamkeit entgegenzuwirken, gibt es Geräte, die kaum digitale Kenntnisse voraussetzen, um mittels Sprachsteuerung ein Videogespräch zu beginnen.  

Keine Nachteile?

Verständlicherweise hegen viele Menschen noch Skepsis gegenüber derartigen Technologien. Die Gründe für die Bedenken sind genauso vielfältig wie die möglichen Lösungen selbst. Einige zweifeln die Zuverlässigkeit der Systeme an, während andere vielleicht darum besorgt sind, dass ihr technisches Verständnis für eine reibungslose Anwendung nicht ausreicht. Darüber hinaus ist der Datenschutz ein bedeutendes Thema. Kaum jemand möchte, dass persönliche Informationen öffentlich im Internet ersichtlich sind. Eberle bestätigt, dass eine gewisse Skepsis nicht zu übersehen ist: «Die Bedenken sind auf jeden Fall vorhanden und es ist wichtig, die Menschen über dieses Thema aufzuklären.» 

In einer digitalisierten Welt besteht die Gefahr, unabsichtlich eine gläserne Person zu werden. Aus diesem Grund kommt der Aufklärung eine bedeutende Rolle zu. Eberle empfiehlt, sich bei Herstellern, Alliances und Hochschulen oder Universitäten verlässlich zu informieren, um ein grundlegendes Verständnis für das Thema zu entwickeln. Auf diese Weise könne man besser abschätzen, welche öffentlichen Datenspuren unser Verhalten in der digitalen Welt hinterlässt. Mittlerweile findet man auch in vielen Städten Beratungsstellen für Wohnungseinrichtungen für ältere Personen und Menschen mit Behinderung. 

Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Im Allgemeinen lässt sich in der Schweiz noch Zurückhaltung bei der Integration von neuen Technologien feststellen, auch in der Bauindustrie. Das ist insofern nachvollziehbar, als dass vieles noch neu ist. Dennoch wäre die Integration sowohl bei Neu- als auch Altbauten einfach. Dadurch, dass ein Smart Home grossen potentiellen Mehrwert für die Bewohnerschaft bietet, fördern Hochschulen und Institutionen den Zugang zu neusten Technologien sowie deren Verbreitung und Akzeptanz. Eberle ist sich sicher: «Aufgrund des demographischen Wandels wird die Sicherheit zu Hause in Zukunft an Bedeutung zunehmen.» Die Evolution der Technologien hält noch einiges an Fortschritten bereit: Smart-Home-Systeme seien zukünftig auch lernfähig und erlauben eine steigende Anpassung an die Bedürfnisse der Menschen. Deren Vorteile werden immer mehr Menschen bewusst. «Für Smart-Home-Systeme zeichnet sich in der Zukunft insgesamt ein sehr grosses Potenzial ab», versichert Eberle.

Text Kevin Meier 

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