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KI muss Komplexität reduzieren – nicht neue schaffen

22.10.2026
von SMA

Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck. Ihr wirtschaftlicher Nutzen zeigt sich dort, wo sie komplexe IT-Infrastrukturen vereinfacht, Betriebsabläufe optimiert und Unternehmen hilft, effizienter zu wachsen. Warum dabei nicht die Technologie, sondern das richtige Betriebsmodell entscheidend ist, erläutert Jens Walter, Vice President B2B bei TP-Link Deutschland.

Jens Walter, Vice President B2B

Herr Walter, stellt sich heute eigentlich noch die Frage, ob Unternehmen Künstliche Intelligenz brauchen? 

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Unternehmen Künstliche Intelligenz einsetzen sollten, sondern wo sie einen konkreten Mehrwert schafft. KI ist kein Selbstzweck. Gerade in der IT-Infrastruktur kann sie helfen, komplexe Betriebsabläufe zu vereinfachen, Störungen früher zu erkennen und Ressourcen effizienter einzusetzen.

Warum?

Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, immer komplexere Geschäftsprozesse und IT-Infrastrukturen zu beherrschen. Globale Lieferketten, verteilte Standorte und flexible Arbeitsmodelle erhöhen die Anforderungen an Vernetzung, Verfügbarkeit und insbesondere an die IT-Sicherheit. Gleichzeitig dürfen Kosten und Ressourcenbedarf nicht im gleichen Maße wachsen wie die Komplexität.

Die Herausforderung besteht darin, diese Komplexität beherrschbar zu machen, ohne dass Kosten und Personalbedarf entsprechend steigen. Ob Unternehmen ihre IT selbst betreiben oder Dienstleister einbinden, ist eine Frage des Betriebsmodells. KI kann dabei unterstützen, Transparenz zu schaffen, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und Abläufe zu vereinfachen – vorausgesetzt, der Nutzen ist nachvollziehbar.

Es geht also um Mehrwert. In welchen Bereichen können denn Unternehmen diesen Mehrwert generieren?

Vor allem im laufenden IT-Betrieb. Unternehmen brauchen eine zuverlässige, sichere und wirtschaftliche Infrastruktur. KI kann helfen, auch komplexe IT-Umgebungen besser zu überblicken, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und mögliche Störungen zu identifizieren, bevor sie den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen.

IT-Verantwortliche können dadurch gezielter reagieren und ihre Ressourcen dort einsetzen, wo sie gebraucht werden. Der Mehrwert zeigt sich in einem einfacheren Betrieb, höherer Verfügbarkeit und geringeren Aufwänden – nicht allein darin, dass KI zum Einsatz kommt.

Viele Unternehmen wollen derzeit unbedingt auf den KI-Zug aufspringen, um irgendwie dabei zu sein. Das ist also der falsche Ansatz?

Absolut. KI einzusetzen, nur um technologisch auf dem neuesten Stand zu sein, ist keine Strategie. Zunächst muss klar sein, welches Problem gelöst werden soll und welcher Nutzen zu erwarten ist. Schließlich verursacht auch KI Kosten – etwa für Integration, Einführung und Betrieb.

Unternehmen sollten deshalb konkrete Anwendungsfälle definieren: Welche Prozesse lassen sich verbessern? Wo können Ressourcen effizienter eingesetzt oder Risiken reduziert werden? Erst dann lässt sich beurteilen, welche KI-Funktionen sinnvoll sind und wie sie sich in vorhandene Systeme einfügen. Nicht die Technologie sollte den Bedarf bestimmen, sondern der Bedarf den Technologieeinsatz.

Was sollte denn für einen Mittelständler im Mittelpunkt stehen? Was sollte bei der Anschaffung das Ziel sein?

Für mittelständische Unternehmen muss Technologie vor allem den Betrieb vereinfachen und wirtschaftlich sinnvoll sein. Das gilt besonders, wenn Standorte, Geräte und Anwendungen hinzukommen. Als Netzwerkhersteller sehen wir bei TP-Link großes Potenzial in zentralem Management und intelligenter Automatisierung, um die Komplexität im laufenden Betrieb zu verringern.

KI sollte keine zusätzliche Ebene sein, die neue Abhängigkeiten und mehr Aufwand schafft. Sie muss sich sinnvoll in bestehende Abläufe einfügen – etwa bei der Verwaltung von Netzwerkkomponenten, der Überwachung vernetzter Anwendungen oder der frühzeitigen Erkennung von Auffälligkeiten. Entscheidend ist eine Infrastruktur, die sicher, leistungsfähig und einfach zu betreiben bleibt.

Dabei ersetzt KI nicht pauschal die Erfahrung von IT-Fachkräften. Sie kann Routineaufgaben erleichtern und Entscheidungen unterstützen. Der Maßstab ist, ob Unternehmen mit ihren vorhandenen Ressourcen mehr erreichen.

Hat die Integration von KI in die Infrastruktur des Unternehmens auch Vorteile für dessen IT-Team?

Kleine und mittlere Unternehmen verfügen häufig nur über begrenzte IT-Ressourcen oder haben gar keine eigenen IT-Teams. Gerade bei Unternehmen mit mehreren Standorten wird das zur Herausforderung: Mit jedem zusätzlichen Standort steigen die Anforderungen an Betrieb, Sicherheit und Support. Gleichzeitig macht der Fachkräftemangel den Aufbau zusätzlicher IT-Kapazitäten zunehmend schwierig und kostspielig.

Zentrale Managementplattformen und standardisierte Betriebsmodelle helfen, diese Anforderungen zu bewältigen. Unternehmen können ihre Infrastruktur selbst betreiben oder Aufgaben ganz oder teilweise an Managed Service Provider übertragen. So lässt sich Wachstum unterstützen, ohne dass Kosten und Personalbedarf im gleichen Maße steigen müssen.

Wenn jetzt ein Unternehmen kommt und sagt, wir bräuchten Unterstützung – wie gehen Sie dann vor?

Wir beginnen grundsätzlich nicht mit Produktkatalogen oder Stücklisten, sondern mit dem Geschäftsmodell und den konkreten Anforderungen des Kunden. Entscheidend ist zunächst, welche Ziele das Unternehmen verfolgt, welche Prozesse unterstützt werden müssen und wie die IT-Infrastruktur dazu beitragen kann.

Dabei betrachten wir die gesamte Betriebsumgebung: Geht es um die Vernetzung mehrerer Standorte, um Campus-Netzwerke oder um Produktionsumgebungen mit vernetzten IoT-Systemen? Welche Anforderungen bestehen hinsichtlich Verfügbarkeit, Sicherheit und Skalierbarkeit? Und welche personellen und technischen Ressourcen stehen für den laufenden Betrieb zur Verfügung?

Auf dieser Basis erarbeiten wir gemeinsam mit dem Kunden und unseren Partnern ein passendes Infrastruktur- und Betriebsmodell. Erst dann wählen wir die Technologien und gegebenenfalls KI-Funktionen aus, die einen nachvollziehbaren Nutzen bieten. Es geht nicht darum, möglichst viel Technik einzusetzen, sondern den Geschäftsbetrieb zuverlässig, wirtschaftlich und skalierbar zu unterstützen.

Kann ein Unternehmen berechnen, ob sich die Investition finanziell lohnt?

Ja, und Unternehmen sollten das systematisch tun. Entscheidend sind messbare Effekte: Wie verändern sich Betriebskosten, Verfügbarkeit und Personalaufwand? Werden Störungen früher erkannt und Ausfallzeiten reduziert? Solche Kennzahlen zeigen, ob sich der Einsatz wirtschaftlich lohnt.

Gerade bei kritischen IT-Infrastrukturen können Ausfälle erhebliche Kosten verursachen und Geschäftsprozesse beeinträchtigen. Wenn KI hilft, Risiken früher zu erkennen und Störungen zu vermeiden oder schneller zu beheben, kann daraus ein klarer wirtschaftlicher Nutzen entstehen.

Hinzu kommt die Skalierbarkeit: Neue Standorte und Anforderungen sollten nicht automatisch einen proportional höheren Betriebsaufwand auslösen. Zentrale Steuerung und intelligente Automatisierung können dazu beitragen. Der Wert von KI liegt also nicht in der Technologie selbst, sondern in einem effizienteren und zuverlässigeren Betrieb.

Ein Fazit zum Schluss?

Entscheidend wird nicht sein, wie viel KI Unternehmen einsetzen, sondern was sie damit erreichen. In der IT-Infrastruktur geht es zunehmend weg von der isolierten Verwaltung einzelner Technologien, hin zu integrierten und skalierbaren Betriebsmodellen. Diese müssen Komplexität reduzieren, Sicherheit und Verfügbarkeit verbessern und wirtschaftliches Wachstum ermöglichen. Am Ende zählt nicht die Technologie an sich, sondern der Nutzen, den sie im täglichen Betrieb schafft.

Weitere Informationen unter: omadanetworks.com/de

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