Die Zeit des Ausprobierens und der Zögerlichkeit ist vorbei: «Web3» ist hier! Stefan Deiss, Mitbegründer und CEO der Hashgraph Group (THG), erklärt, welche Chancen «Web3» bietet und warum Firmen und Behörden den technologischen Quantensprung vollziehen sollten.

Stefan Deiss
Mitbegründer und CEO
Herr Deiss, wenn wir über die nächste Generation von Finanztechnologien sprechen, ist schnell von Web3 die Rede. Was verbirgt sich dahinter?
Web3 ist die nächste Generation des Internets, die auf dezentralen Technologien wie Hedera Hashgraph basiert, um Benutzerinnen und Benutzern mehr Kontrolle über ihre Daten und digitalen Vermögenswerte zu geben. Die Web3-Ökonomie steht auch im Kern für die Konvergenz verschiedener Schlüsseltechnologien – wir nennen sie «Deep Tech». Dazu gehören etwa KI, Blockchain, IoT, Robotik und Quantencomputing. Bis vor Kurzem haben Unternehmen vor allem das Terrain sondiert, experimentiert und getestet. Doch dies ändert sich nun, denn jetzt sehen wir echte Transaktionen. Unternehmen implementieren und integrieren Web3 heute mit einer spürbaren Dringlichkeit. Genau hier kommen wir als Technologiepartner ins Spiel, um Orientierung, Unterstützung, Entwicklung sowie konkrete Lösungen zu bieten.
Woher kommt diese Dringlichkeit bei der Adaption von Web3-Prinzipien?
Weil es sich um eine sichere und neue Technologie handelt, die spannende Chancen eröffnet. Wir erleben daher eine massive institutionelle Adoption und Umsetzung. Grosse globale Player, insbesondere Finanzinstitute, die hinsichtlich Web3 lange skeptisch waren, drängen nun in die Krypto- und Web3-Ökosysteme. Sie beschleunigen unter anderem die Entwicklung neuer Finanzprodukte wie ETFs und ETPs, um ihren Bestandskunden den Zugang zu digitalen Assets zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt dabei der Standort Schweiz?
Die Schweiz ist eine echte Pionierin im Bereich Web3, vor allem wenn es um digitale Assets und Kryptowährungen geht. Während andere Jurisdiktionen versuchen aufzuholen, haben wir hier bereits etablierte rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen, die die notwendige Rechtssicherheit im Umgang mit digitalen Vermögenswerten bieten. Aber die Schweiz muss ihren Wettbewerbsvorsprung halten, da die Konkurrenz aufholt.
Die Hashgraph Group arbeitet exklusiv im «Hedera-Ökosystem». Was macht dieses Netzwerk so besonders?
Die Hedera-Technologie ist einzigartig, da sie anstelle von Blöcken auf einer Blockchain den Hashgraph-Konsensalgorithmus verwendet, der gegenüber herkömmlichen Blockchains mehrere Vorteile aufweist – darunter höhere Skalierbarkeit, Geschwindigkeit sowie Sicherheit bei niedrigen Kosten und geringem Energieverbrauch. Der zentrale Unterschied zwischen Hedera und anderen Blockchains liegt in der Ausrichtung auf «Enterprise-Grade»-Anforderungen sowie auf seriöse Governance des Hedera-Netzwerks («Hedera Council»). Der Hedera Council besteht heute aus 32 der weltweit führenden Konzerne wie Dell, Deutsche Telekom, Google, IBM, Mondelez oder Standard Bank, die das Protokoll verwalten. Das schafft Sicherheit und Vertrauen. Darüber hinaus ist Hedera auch das umweltfreundlichste Blockchain/DLT-Netzwerk der Welt, verglichen mit den traditionellen Kreditkartentransaktionen von Visa, die bis zu eintausendmal mehr Energie verbrauchen.
Wie lautet die übergeordnete Vision der Hashgraph Group in diesem Umfeld?
Unser exklusiver Fokus auf das Hedera-Ökosystem ist kein Zufall: Unsere Vision und Mission bestehen darin, Unternehmen den Bau von «Web3 Business without barriers» auf Basis dieser Technologie zu ermöglichen. Mit einem global wachsenden Team von hoch qualifizierten und Hedera-zertifizierten Ingenieuren eröffnen wir Unternehmen neue Wachstumschancen in der Web3-Wirtschaft.
Wie darf man sich Ihre Lösungen konkret vorstellen?
Stellen Sie sich das Hedera-Netzwerk als eine Autobahn vor. Sie ist die Infrastruktur. Die Hashgraph Group wiederum ist die Fahrzeugherstellerin: Wir bauen die «Supercars», die auf dieser Autobahn fahren. Unsere Mission ist es also, hochwertige, sichere und gesetzeskonforme Fahrzeuge zu konstruieren, die auf dem Hedera-Highway mit Höchstgeschwindigkeit, aber mit absoluter Sicherheit nachhaltig unterwegs sind. Wir sehen dabei aktuell eine Verschiebung hin zu autonomen Geschäftsmodellen. Unternehmen suchen nicht mehr nur nach einer isolierten Blockchain-Technologie, sondern nach der Konvergenz von KI, IoT und Quantencomputing. Wir bewegen uns dementsprechend auf eine Ära zu, in der «Agentic AI» Prozesse orchestriert und menschliche Eingriffe minimiert. Der Mensch wird künftig quasi im Cockpit sitzen und digitale Arbeitskräfte steuern, welche die anfallenden Aufgaben schneller, effizienter und fehlerfreier erledigen. Wir entwickeln und kommerzialisieren KI-gesteuerte Web3-Produkte auf Hedera, dies ermöglicht unseren Kunden einen deutlich schnelleren Go-to-Market, autonome Geschäftsmodelle sowie einen stärkeren Fokus auf ihre strategische Wertschöpfung.
Lassen Sie uns konkret werden. Welche Produkte hat die Hashgraph Group im Portfolio?
Wir decken mit unseren Lösungen die kritischen Bereiche der digitalen Ökonomie ab. Mit «IDTrust» definieren wir digitales Vertrauen neu. Es ermöglicht eine sichere, verifizierbare Authentifizierung (Self-Sovereign Identity), bei der die Nutzerinnen und Nutzer die Hoheit über ihre Daten behalten, anstatt dass Grosskonzerne diese besitzen und verkaufen. «TransAct» wiederum abstrahiert die Komplexität von Kryptotransaktionen. Unternehmen müssen oft Kryptowährungen halten, um Netzwerkgebühren zu bezahlen. TransAct eliminiert die Notwendigkeit, Wallets zu verwalten oder Krypto in der Bilanz zu halten, und macht die Nutzung der Blockchain nahtlos.
Was umfasst «AssetGuard»?
Dabei handelt es sich um eine «Enterprise-Grade»-Digital-Wallet für Finanzinstitutionen. Sie bietet Unternehmen erweiterte Sicherheit, Governance-Funktionen sowie dezentrale Wiederherstellungsmechanismen für ihre digitalen Assets. Mit «TrackTrace» haben wir eine Antwort auf den digitalen Produktpass (DPP) der EU lanciert, in Zusammenarbeit mit PwC. Damit können Unternehmen Lieferketten lückenlos nachverfolgen und Compliance-Vorgaben sicherstellen.
Sie erwähnten Nachhaltigkeit. Haben Sie hierfür eine spezifische Lösung?
Ja, «EcoGuard». Der Markt für CO2-Zertifikate leidet heute stark unter Greenwashing. EcoGuard bietet eine digitale Plattform, um Transaktionen von CO2-Gutschriften von der Ausstellung bis zur Stilllegung transparent und unveränderbar zu verifizieren. Das hilft Unternehmen, ihre ESG-Ziele glaubwürdig zu belegen. Derzeit bauen wir die weltweit erste staatliche «Carbon Emissionsbank» für die Regierung von Maharashtra in Indien.
Bei all diesen Technologien: Wer kümmert sich, wenn es Probleme gibt?
Das ist ein entscheidender Punkt. Viele Unternehmen bauen Lösungen auf KI oder Blockchain auf, haben aber nicht die Ressourcen für Wartung und Troubleshooting. Deshalb haben wir «HashCare» eingeführt. Das ist ein professioneller, kundenzentrierter globaler 24/7-Support-Helpdesk, der durch «Agentic AI» unterstützt wird, um das Management all dieser Hedera-Produkte sicherzustellen sowie technisch zu unterstützen.
Weitere Informationen unter hashgraph-group.com

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