unternehmerinnen nutzen ki: förung des geschäftswachstums, optimierung  geschäftsabläufe  steigerung  effizienz, förung positiver auswirkungen. symbolbild cybersicherheit
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Innovation Sicherheit

Wirtschaftsfaktor Cybersicherheit: Neue Rahmenbedingungen, steigender Handlungsdruck

19.12.2025
von Miriam Rauh

Für viele kleine und mittlere Unternehmen ist Cybersicherheit nach wie vor ein heikler Punkt. Zwar hat das Bewusstsein für digitale Risiken zugenommen, doch in der Praxis bleiben Lücken bestehen. Gleichzeitig wächst der Druck: Politische Weichenstellungen und die öffentliche Debatte rücken die digitale Sicherheit zunehmend ins Zentrum wirtschaftlicher Verantwortung.

Die digitale Transformation verändert nicht nur Prozesse und Geschäftsmodelle. Sie zwingt Unternehmen auch zur Auseinandersetzung mit einer Kernfrage der vernetzten Ökonomie: Wem vertraue ich meine sensibelsten Daten an und welche Folgen hat eine Fehlentscheidung?
Am 26. November 2025 hat der Bundesrat den Bericht «Digitale Souveränität der Schweiz» verabschiedet und damit einen Meilenstein gesetzt. Er definiert digitale Souveränität als staatliche Fähigkeit, im digitalen Raum handlungsfähig zu bleiben. Diese Perspektive verleiht Themen wie Datensicherheit, Infrastrukturkontrolle und technologischer Unabhängigkeit eine neue Bedeutung.

Für Unternehmen, insbesondere KMU, heisst das: Cybersicherheit ist nicht länger eine reine IT-Frage, sondern Teil eines nationalen Verständnisses von Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit.

Warum gerade KMU verletzlich sind

Kleine und mittlere Unternehmen geraten häufiger ins Visier von Angreifenden. Nicht, weil sie besonders lohnende Ziele wären, sondern weil ihre organisatorischen und technischen Grundlagen oft Lücken aufweisen. In der Praxis zeigt sich, dass Sicherheitsmechanismen wie Mehrfaktor-Authentifizierung, klare Berechtigungsstrukturen oder gesicherte E-Mail-Systeme nicht überall etabliert sind. Der «Faktor Mensch» verschärft das Problem: Ohne Sensibilisierung der Mitarbeitenden werden selbst einfache Täuschungsmanöver wie Phishing zur Gefahr. Diese Schwachstellen lassen sich jedoch meist mit überschaubarem Aufwand reduzieren.

Ein neuer strategischer Rahmen

Die nationale Strategie zur digitalen Souveränität setzt genau an diesem Punkt an. Sie fordert, digitale Abhängigkeiten kritisch zu prüfen und Technologien einzusetzen, deren Funktionsweise nachvollziehbar bleibt. Dazu gehören die Förderung von Open-Source-Lösungen, hybride Multi-Cloud-Ansätze sowie der Aufbau vertrauenswürdiger digitaler Infrastrukturen, etwa für elektronische Identitäten oder sichere Datenaustauschplattformen. Im Kern geht es darum, die Kontrolle über die eigenen Systeme zu behalten.

Für Betriebe, die sich von der Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen überfordert fühlen, bietet sich ein gestuftes Vorgehen an: Zuerst Risiken analysieren, dann neue Lösungen in Pilotprojekten testen und schliesslich schrittweise ausrollen. Entscheidend ist, die Mitarbeitenden mitzunehmen. Erst wenn sie verstehen, warum Sicherheitsmassnahmen nötig sind, entsteht Akzeptanz und mit ihr eine Sicherheitskultur.

Cybersicherheit wird damit zu einer Voraussetzung der unternehmerischen Zukunftsfähigkeit. Sie ist kein Zusatz, den man je nach Budget aktiviert, sondern eine Investition in Integrität, Verlässlichkeit und Resilienz. Wer heute an diesen Grundlagen arbeitet, stärkt nicht nur sich selbst, sondern trägt dazu bei, dass die Schweiz auch im digitalen Raum souverän bleibt.

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