visualization of humanoid robot and human touching fingertips, creating glowing light
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KI im Gegenangriff: Wie Maschinen den Cyberkrieg verändern

07.01.2026
von Sarah Steiner

Künstliche Intelligenz beschleunigt den Alltag, unterstützt Forschung, steuert Verkehrsflüsse und schützt Netzwerke vor Angriffen. Doch je stärker sie in unsere Infrastrukturen vordringt, desto grösser wird auch ihr Risikopotenzial. Dieselbe Technologie, die Angriffe verhindert, kann sie ebenso ermöglichen. Immer häufiger treffen nicht mehr Menschen aufeinander, sondern Systeme auf Systeme – Software gegen Software. Die entscheidende Frage lautet: Wie viel Kontrolle behalten wir in einer digitalen Auseinandersetzung, die zunehmend von Algorithmen geprägt wird?

Ein grauer Dezembermorgen in einem Spielwarengeschäft: Ein Mädchen bleibt vor einem plüschigen Roboterhund stehen. Der kleine Hund reagiert auf Bewegungen, bellt, wedelt, lernt. Nebenan steuert ein Junge eine smarte Autorennbahn, die mithilfe von KI seinen Fahrstil analysiert und ihn automatisch vor jeder zu scharfen Kurve bremst. Was nach harmloser Technik aussieht, sammelt im Hintergrund laufend Daten. Es erkennt Muster und wertet sie aus. Die Verkäuferin, freundlich, aber überfragt, weiss nicht genau, wohin diese Daten fliessen. Die Szene wirkt harmlos und doch zeigt sie, wie selbstverständlich KI bereits in unseren Alltag eingreift.

Diese Allgegenwärtigkeit beschränkt sich aber nicht aufs Spielzeugregal. Künstliche Intelligenz analysiert Wirtschaftsdaten, steuert Energieflüsse, reguliert Ampelphasen und erkennt Schadsoftware, noch bevor sie Schaden anrichtet. Sie gilt als unverzichtbar für Effizienz und Innovation. Doch mit jeder neuen Anwendung wächst auch die Zahl möglicher Angriffspunkte. Denn Systeme, die lernen, reagieren und sich selbst optimieren, lassen sich nicht nur für Verteidigung, sondern auch für Manipulation trainieren.

Wenn KI angreift – und verteidigt

In der Cybersicherheit hat KI schon heute zentrale Funktionen übernommen. Sie durchforstet Milliarden Datenpunkte, erkennt Muster in Sekundenbruchteilen und reagiert eigenständig auf verdächtige Aktivitäten. Klassische Sicherheitsanalysen, für die Menschen früher Tage oder Wochen benötigten, erfolgen nun in Echtzeit. Doch genau diese Fähigkeiten setzen auch Angreifer ein. KI-Modelle spüren Schwachstellen automatisch auf, testen Passwörter millionenfach und optimieren Schadcode selbstständig. So entstehen Angriffe, die sich blitzschnell anpassen und gezielt auf einzelne Systeme ausgerichtet sind. Phishingmails schreiben sich inzwischen fehlerfrei und wirken glaubwürdig. Deepfake-Stimmen täuschen Vorgesetzte oder Geschäftspartner, und gefälschte Videos untergraben Vertrauen in sichtbare Beweise. Solche Attacken benötigen kaum mehr Spezialwissen. Intelligente Werkzeuge übernehmen die komplizierten Schritte im Hintergrund.

Trotz aller Risiken bleibt KI ein mächtiges Werkzeug für Schutz und Prävention. Sie erkennt Angriffsmuster, bevor sie sich entfalten, lernt aus jeder neuen Attacke und kann helfen, Systeme vorausschauend zu stärken.

Auch die Abwehr setzt deshalb auf maschinelles Lernen. Systeme erkennen ungewohnte Verhaltensmuster, sperren verdächtige Konten oder blockieren Datenströme, bevor Schaden entsteht. Sie sind schnell, effizient und lernfähig. Doch diese Stärke birgt auch Risiken. Wenn Daten oder Trainingsprozesse Fehler enthalten, kann die KI Fehlalarme auslösen oder reale Bedrohungen übersehen. Algorithmen handeln ohne Kontext und entscheiden mit Konsequenzen, die für Menschen oft nicht mehr nachvollziehbar sind. In einem Umfeld, in dem Millisekunden zählen, wird Sicherheit so zu einer Frage des Vertrauens: Wie weit dürfen Maschinen automatisiert eingreifen, bevor sie selbst zum Risiko werden?

Der Mensch im Mittelpunkt der Verantwortung

Trotz aller technischer Fortschritte bleibt der Mensch der wichtigste Teil jeder Sicherheitsstrategie. Und ist zugleich oft das schwächste Glied. KI macht Täuschungen glaubwürdiger, aber sie überlistet uns nur, wenn wir zu schnell oder zu sorglos reagieren. Ein Klick auf eine überzeugende Nachricht, ein vermeintlicher Anruf aus der Chefetage, ein unbedacht gespeichertes Passwort und schon öffnet sich eine digitale Tür.

Moderne Sicherheitskonzepte stellen daher den Menschen in den Mittelpunkt. Sie setzen auf klare Prozesse und regelmässige Schulungen, um Bewusstsein und Aufmerksamkeit zu stärken. Effektiv sind etwa Identitätsprüfungen bei sensiblen Transaktionen, Rückrufverfahren bei Zahlungsanweisungen oder sogenannte «Zero Trust»-Architekturen, die keine automatische Vertrauensannahme erlauben. Dazu kommen Phishing-Simulationen, Deepfake-Trainings und klare Vorgaben für Software-Updates. Ergänzende Werkzeuge helfen, synthetische Stimmen oder manipulierte Bilder zu erkennen. So entsteht ein Zusammenspiel aus Technik, Prozessen und Verhalten. Es ist die Grundlage moderner Cyberresilienz.

Regeln für die digitale Zukunft

Parallel arbeitet die Politik an Standards für KI-Systeme, die festlegen sollen, wie Transparenz, Prüfverfahren und Risikoklassen gestaltet werden sollen. Regulierung kann den technologischen Fortschritt nicht bremsen, aber sie schafft Leitplanken, die verhindern, dass mächtige Werkzeuge unkontrolliert eingesetzt werden. Besonders in kritischen Infrastrukturen werden Qualität, Nachvollziehbarkeit und dokumentierte Verantwortung entscheidend. Unternehmen müssen künftig klar belegen können, wie ihre Modelle Entscheidungen treffen und welche Kontrollmechanismen greifen.

Trotz aller Risiken bleibt KI ein mächtiges Werkzeug für Schutz und Prävention. Sie erkennt Angriffsmuster, bevor sie sich entfalten, lernt aus jeder neuen Attacke und kann helfen, Systeme vorausschauend zu stärken. Die Zukunft der Cybersicherheit wird also nicht ausschliesslich von Menschen entschieden, aber von Menschen gestaltet. Der Wettlauf zwischen Angriff und Abwehr geht weiter. Welche Seite die Oberhand behält, hängt davon ab, wie verantwortungsvoll wir die künstliche Intelligenz einsetzen. Denn auch im digitalen Kampf bleibt eine Wahrheit bestehen: Nicht die Technik entscheidet über Sicherheit, sondern die Haltung derer, die sie entwickeln, kontrollieren und nutzen.

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