Mit der Umsetzung der NIS2-Richtlinie in das deutsche NIS-2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz steht die deutsche Wirtschaft sowie die föderalen Ebenen von Land und Bund vor einer ihrer wichtigsten sicherheitspolitischen Weichenstellungen der vergangenen Jahre. Die europäische Vorgabe erweitert den Kreis der verpflichteten Unternehmen und Organisationen erheblich und rückt erstmals die Geschäftsleitungen selbst stärker in die Verantwortung. Cybersecurity wird damit zur strategischen Führungsaufgabe – mit konkreten Haftungsrisiken, aber auch mit der Chance auf überfällige Modernisierungsschritte in der IT.

Jürgen Vogler
CEO, Aagon GmbH
Denn trotz wachsender Bedrohungslage herrscht in vielen Unternehmen ein frappierendes Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Investiert wird zunehmend in hoch entwickelte Technologien wie EDR, XDR oder SIEM – Systeme, die Angriffe erkennen, analysieren und automatisiert Gegenmaßnahmen einleiten können. Doch diese Werkzeuge können nur vollständig greifen, wenn die betriebliche Grundordnung stimmt. Und genau hier liegt das strukturelle Problem: Eine erhebliche Zahl deutscher Unternehmen und Organisationen hat die Basis ihrer IT-Infrastruktur bis heute nicht ausreichend im Blick.
Die Realität ist ernüchternd. Selbst im Jahr 2025 bleiben ungepatchte Systeme, fehlende Softwareaktualisierungen und unklare Gerätezustände die Hauptursachen erfolgreicher Angriffe. Die meisten Sicherheitsvorfälle basieren nicht auf ausgeklügelten Attacken, sondern auf vermeidbarer Nachlässigkeit. NIS2 legt schonungslos offen, wie weit Anspruch und Praxis auseinanderliegen – und macht deutlich, dass moderne Security erst möglich ist, wenn grundlegende Hygienestandards erfüllt sind.
NIS2 fungiert weniger als regulatorische Belastung, sondern vielmehr als überfälliger Ordnungsrahmen.– Jürgen Vogler
CEO Aagon Gmbh
In diesem Kontext erfährt eine Technologie Aufmerksamkeit, die lange Zeit als rein administratives Werkzeug galt: »Unified Endpoint Management« (UEM). Was früher als Nebenstelle der IT verwaltet wurde, bildet heute das operative Fundament einer belastbaren Sicherheitsarchitektur. UEM schafft Transparenz über alle Endgeräte, erzwingt konsistente Konfigurationen, automatisiert Patches und stellt sicher, dass Sicherheitsrichtlinien flächendeckend durchgesetzt werden. Ohne diese Ordnung und vor allem Automatisierung bleiben selbst die ausgefeiltesten Sicherheitssysteme Stückwerk.
NIS2 fungiert damit weniger als regulatorische Belastung, sondern vielmehr als überfälliger Ordnungsrahmen. Die Richtlinie zwingt Unternehmen, sich den blinden Flecken der eigenen IT zu stellen und Verlässlichkeit zu schaffen, bevor sie auf komplexe Analysetechnologien setzen. Gerade Deutschland, geprägt von mittelständischen Strukturen und historisch gewachsenen IT-Landschaften, wird von diesem Impuls profitieren.
Die Botschaft ist klar: Cyberresilienz entsteht nicht durch die Ansammlung spezialisierter Tools, sondern durch das Zusammenspiel einer soliden Infrastruktur, durchgängiger Prozesse und moderner Sicherheitsmechanismen. Erst wenn die Basis steht – saubere Inventarisierung, automatisiertes Patchmanagement, einheitliche Konfigurationen – können weitere Systeme ihr Potenzial entfalten.
NIS2 ist somit mehr als ein weiterer Schritt europäischer Regulierung. Es ist ein Weckruf an die Unternehmen, Sicherheit nicht länger als Kostenstelle zu behandeln, sondern als Voraussetzung unternehmerischer Handlungsfähigkeit. Die Stärke moderner Cyberabwehr beginnt dort, wo sie am unscheinbarsten ist: beim strukturierten und verlässlichen Management der eigenen Endgeräte.
Weitere Informationen unter aagon.com

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