Wie sieht der Bau von morgen aus?
Nachhaltigkeit ist ein Thema, das auch in der Immobilienbranche grossgeschrieben wird. Von der Materialbeschaffung über die Bauweise bis hin zur Stromversorgung werden laufend neue, umweltfreundliche Methoden entwickelt. Expert:innen sehen zukunftsfähiges Bauen nicht mehr als Luxus, sondern als Pflicht.
Vom nachhaltigen oder «grünen» Bauen ist dann die Rede, wenn alle Prozesse im gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes umweltfreundlich sind. Dazu gehören die Planung, Architektur, Konstruktion, Wartung, Renovation und sogar der mögliche Abriss. Im Vordergrund stehen dabei tiefer Ressourcenverbrauch, hohe Effizienz und Umweltschutz.
Holz als neuer Beton
Das Grundgerüst eines jeden Bauprojekts besteht aus den genutzten Materialien. Zu den grünen Optionen gehören Holz, schnell nachwachsende Pflanzen wie Bambus oder Stroh, natürliche Steine oder recyceltes Metall. So versucht die Baubranche, schnell weg vom Beton zu kommen. Auch die Isolierung, die herkömmlich aus Glasfaser besteht, wird langsam, aber sicher durch ökofreundliche Alternativen ersetzt.
Es wird aber nicht nur die Ökoeffizienz der Materialien selbst, sondern auch diejenige des Erwerbs evaluiert. Umweltbewusste Holzbeschaffung zum Beispiel weist einen deutlich tieferen CO2-Fussabdruck als Beton oder Stahl auf. Ein Bericht der Boston Consulting Group zeigt, dass Investitionen in neue, nachhaltige Baumaterialien einen grösseren Beitrag zur Reduktion von Treibhausemissionen leisten als solche ins Stromnetz oder in die Aviatik.
Nachhaltige Architektur
Wenn das Gebäude dann steht, muss es auch mit Strom und Wärme versorgt werden. Ein bereits erwähnter Aspekt, die Isolierung, kommt auch hier ins Spiel. Wenn ein Zimmer gut isoliert ist und die Wärme auch speichern kann, werden Heizkosten reduziert. Die bewusste Platzierung von Fenstern bringt mehr Tageslicht ein und sorgt so dafür, dass weniger elektrische Lichtquellen benutzt werden.
Bei nachhaltigen Gebäuden wird möglichst wenig Wasser von aussen bezogen. Grüne Häuser minimieren ihre Abhängigkeit von Wasser, das ausserdem nach der Benutzung vor Ort gesammelt, purifiziert und wieder in den Kreislauf eingeführt wird. So wird Abwasser zum Beispiel für die Spülung der Toilette, die Reinigung des Gartens oder der Fahrzeuge wiederverwendet.
Solarpower im Anmarsch
In der Schweiz hat die Solarenergie 2024 erstmals über zehn Prozent des nationalen Strombedarfs abgedeckt. Die Sonne ist eine unbegrenzte Energiequelle, und die theoretische Effizienz der Stromgeneration liegt bei rund 33 Prozent. Als Vergleich: Die modernsten Solarpanels schaffen lediglich 23 Prozent. Natürlich ist dies auch vom Standort abhängig. Wenn man nur 1,2 Prozent der Sahara, wo ideale Konditionen herrschen, mit Solarpanels abdecken würde, könnte der gesamte weltweite Jahresstrombedarf damit gedeckt werden.
In der Schweiz ist das unausgeschöpfte Potenzial ebenso hoch. Die Sonneneinstrahlung auf der gesamten Landesfläche ist 200-mal höher, als die Schweiz überhaupt benötigt. Wenn nur schon die Dächer sämtlicher Gebäude abgedeckt werden würden, wäre das gesamte Land mit Strom versorgt. Die Kosten von Photovoltaikanlagen waren lange ein wunder Punkt, doch sie sind im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gesunken – ein anhaltender Trend. Zudem ist eine Subventionierung seitens des Bundes ebenfalls möglich.
Sonnenwärme als Segen
Solarmodule eignen sich aber nicht bloss für das Stromnetz, sondern auch für die Wärmeproduktion. Sogenannte Solarthermieanlagen stellen unter anderem Brauchwarmwasser her und können die Heizung eines Gebäudes unterstützen. Sie können in Mitteleuropa sogar so weit gehen, dass eine herkömmliche aktive Heizungsanlage gar nicht mehr nötig sein wird.
Ein Problem, das bei der allgemeinen Stromproduktion immer wieder aufkommt, ist das Speichern der erzeugten Energie. Auch hier werden konstant neue Technologien entwickelt, um Solarstrom noch lebensfähiger und realistischer zu gestalten. So wird zum Beispiel ein spezieller Wachs oder geschmolzenes Salz verwendet, um die Wärme der Sonnenstrahlung zu speichern und bei Bedarf in Strom umzuwandeln. Werden diese Probleme langfristig optimiert, kann die weltweite Umstellung auf Solarenergie bald Realität werden.
Smart Buildings – die Welle der Zukunft
Es wird heute gar nicht mehr daran gedacht, aber der Bewegungssensor, mit dem praktisch jedes moderne Gebäude ausgestattet ist, war das erste Anzeichen der Ankunft von Gebäudeautomation – und das schon in den 1980er-Jahren. Als fester Bestandteil von sogenannten Smart Buildings sorgen sie dafür, dass das Licht nur eingeschaltet wird, wenn es auch nötig ist. Damit können je nach Anwendung bis zu 80 Prozent der Stromkosten eines Bürogebäudes eingespart werden. Energie- und Umweltforscher:innen liefern sich nun ein Wettrennen in der Entwicklung weiterer Applikationen.
Mit verschiedenen im Gebäude verteilten Sensoren können Zentralcomputer, sogenannte Controller, Daten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtmenge messen und die entsprechenden Systeme automatisch anpassen. Ebenso werden Lüftungsanlagen so modernisiert, dass sie durch einen Mix der Rück- und Aussenluft die Notwendigkeit der künstlichen Befeuchtung und Kühlung reduzieren.
Der Bau von morgen vereint Technologie, Effizienz und Umweltbewusstsein zu einem ganzheitlichen Ansatz, der weit über die herkömmliche Architektur hinausgeht. Nachhaltiges Bauen bedeutet nicht nur, Ressourcen zu schonen, sondern den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes mit Verantwortung zu gestalten. Mit umweltfreundlichen Materialien, erneuerbaren Energien und intelligenter Gebäudetechnik wird der Weg für eine Zukunft, in der Wohnen und Arbeiten im Einklang mit der Natur stehen, geebnet – nicht als Ausnahme, sondern als neuer Standard.
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