detail of an aluminium recycling logo on a metal tray
iStock/Thomas Faull
Nachhaltigkeit Energie

Recycling: Die Schweiz als Vorreiterin für eine grüne Zukunft

06.04.2024
von Linda Carstensen

Eine Tonne rezyklierter Aluminiumverpackungen spart so viel Umweltbelastungen ein, wie 30 500 Kilometer Autofahrt verursachen. Das ist fast 30 Mal die Strecke von Zürich nach Barcelona. Recycling lohnt sich also. Und Recycling setzt Abfalltrennung voraus. 

Abfalltrennung ist seit Jahren in der schweizerischen DNA verankert. Doch wie gut recyceln Herr und Frau Schweizer wirklich? Im Jahr 2022 erreichte die Schweiz eine Recyclingquote von 52 Prozent. Im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern gehört sie somit zu den Spitzenreiterinnen. Dafür darf laut Swiss Recycle vor allem der Bevölkerung ein grosses Lob ausgesprochen werden. 

Die meisten Recyclingsysteme in der Schweiz sind bereits Anfang der 90er-Jahre entstanden. Seither hat sich die separate Sammlung von rezyklierbaren Stoffen wie Aluminium, PET und Karton zu einer starken gesellschaftlichen Norm entwickelt. Heute werden in der Schweiz pro Person doppelt so viele Abfallprodukte gesammelt, getrennt und zurückgebracht als noch vor 30 Jahren.

Auch Anne Herrmann, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), empfindet die hohe Recyclingrate der Schweizer:innen als beeindruckend. Insbesondere, da es sich um einen freiwilligen Akt handle. Unterschiede zeigen sich laut der Expertin in der konsequenten Umsetzung der Abfalltrennung und in der Breite der entsorgten Materialien. «Oft fehlt das Wissen, welche Wertstoffe ich getrennt entsorgen kann. Ich glaube nicht, dass die Leute zu bequem sind», bekräftigt Herrmann. So werde beispielsweise der Karton um einen Joghurt- oder Quarkbecher lediglich vergessen. Der Abfall, der nicht richtig entsorgt wird, entsteht zudem primär unterwegs und gar nicht zu Hause. «Wenn Personen gefragt werden, wie konsequent sie entsorgen, beziehen sie sich oft auf ihr Verhalten zu Hause», so Herrmann. 

Oft fehlt das Wissen, welche Wertstoffe ich getrennt entsorgen kann. Ich glaube nicht, dass die Leute zu bequem sind.Anne Herrmann, Professorin für Wirtschaftspsychologie FHNW

Einstellung, Wissen und Gelegenheit

Es gibt hauptsächlich drei Aspekte, die unser Verhalten beeinflussen: Einstellung, Wissen und Gelegenheit. Zur Einstellung: Es muss einer Person wichtig sein, Abfall zu trennen, sonst tut sie es nicht. Laut einer Umfrage empfinden neun von zehn Schweizer:innen Recycling als ökologisch sehr sinnvoll. Als Zweites muss die Person wissen, wie der Abfall zu trennen ist und wo er entsorgt werden kann – das Wissen also. Darüber hinaus muss es noch eine Gelegenheit geben, den Abfall zu entsorgen. Gibt es zu Hause, aber eben auch im Büro und in der Öffentlichkeit genügend Infrastrukturen, um Abfall getrennt zu entsorgen? 

Laut Herrmann hat es dazu bereits viele öffentliche Bemühungen gegeben, wie zum Beispiel die sich vermehrenden Trennsysteme an Bahnhöfen. Werden diese Rahmenbedingungen weiter ausgebaut, könnten Personen auch während sie unterwegs sind, zur Abfalltrennung bewegt werden. Informationen an Sammelstellen sind sinnvoll, um die Entsorger:innen darauf aufmerksam zu machen, wie das Entsorgen richtig funktioniert. «Die Leute suchen selbst eher nicht nach solchen Informationen. Man muss sie ihnen an einem geeigneten Ort präsentieren», so Herrmann.

Grundsätzlich gibt es bei der Abfalltrennung drei Akteure: Privatpersonen, Unternehmen und Gemeinden. Im Haushalt können Privatpersonen selbst für die notwendige Infrastruktur zur Abfalltrennung sorgen. Doch auch Unternehmen müssen Verantwortung für die grossen Mengen an Abfall, die sie und ihre Mitarbeiter:innen produzieren, übernehmen und Abfalltrennsysteme anbieten.

«Interessant ist, dass die Abfalltrennung in unserer Gesellschaft schon relativ lange präsent ist, lange vor der Nachhaltigkeitsbewegung», stellt Herrmann fest. Abfalltrennung wird nun aber zunehmend nicht mehr nur eine Frage von gutem Haushaltsmanagement. Ein weiterer Grund für Abfalltrennung: Viele Personen wollen ihre Abfallsäcke ausserdem nicht mit unnötigem Müll füllen, den sie anderweitig – und vor allem kostenlos – in der jeweiligen Wertstoffsammlung entsorgen könnten. 

Entsorgungsinfrastruktur Schweiz

Grafik: BAFU

Darum ist Recycling wichtig

Recycling hat eindeutig positive Auswirkungen auf die Umwelt. Wo mehr wiederverwertet wird, muss weniger neu produziert werden. Das verhindert einerseits Unmengen an Emissionen und spart andererseits eine Vielzahl an natürlichen Ressourcen. Anstatt beispielsweise Altholz zu verbrennen und damit aus dem Weg zu räumen, können daraus Spanplatten hergestellt werden. Es ist demzufolge weniger Primärholz nötig und es müssen weniger Bäume gefällt werden.

Wer Abfall trennt, schont Ressourcen, spart Energie, reduziert die CO₂-Belastung unseres Planeten und schafft gleichzeitig sekundäre Rohstoffe. Recycling ist nicht nur eine Massnahme zur Reduzierung von Abfall, sondern auch eine unverzichtbare Verantwortung gegenüber unserem Planeten und den nachfolgenden Generationen. Die Schweiz ist ein ressourcenarmes Land und aufgrund ihrer geografischen Lage auf Rohstoffimporte angewiesen. Recycling spielt deshalb eine zentrale Rolle für eine grünere Zukunft – und für die Nachhaltigkeit des Schweizer Lebensstils.

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Die grössten Recycling-Mythen

  • «Pizzaschachteln gehören in die Kartonsammlung.» Falsch! Sobald sie mit Essensresten oder ein bis zwei Fettflecken beschmutzt sind, gehören sie in den Restabfall.
  • «Tetrapaks gehören in die Kartonsammlung.» Falsch! Sie gehören in den Restabfall.
  • «Joghurt- oder Quarkbecher können ganzheitlich im Restabfall entsorgt werden.» Falsch! Solche Becher sind häufig von Karton umgeben und haben eine Alu-Folie als Deckel. Nur der Becher gehört in den Restabfallsack.
  • «Plastikverpackungen können ohne in ihre einzelnen Bestandteile aufgeteilt zu werden in Mr. Green-Säcken oder Gelben Säcken (aus Deutschland) entsorgt werden.» Falsch! Zwei- oder mehrteilige Verpackungen müssen in ihre Einzelteile aufgeteilt werden, beispielsweise muss eine Verpackung für Rohschinken in den oberen und unteren Teil getrennt werden, bevor sie im Sack entsorgt wird.
  • «Kork gehört in den Restabfall.» Falsch! Auch für Kork, zum Beispiel in Form von Weinflaschen-Verschlüssen, gibt es Sammelstellen. In der Schweiz wird laut WeRecycle davon leider nur ein ganz kleiner Teil recycelt.

Tipps für Nachhaltigkeit im Alltag

  • Wiederverwendbare Take-away-Boxen verwenden
  • Mit Mehrwegbehältern einkaufen
  • Digitalen Kassenzettel aktivieren
  • Regionale, saisonale und Bio-Produkte einkaufen
  • Umweltfreundliche Produktalternativen zur Verringerung der Umweltbelastung
  • Lebensmittel retten: Einkaufszettel gut planen, abgepackte Lebensmittel, die Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, nicht direkt wegwerfen
  • Spenden statt wegwerfen
  • Gebraucht statt neu kaufen
  • Mieten oder teilen statt kaufen

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