Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer – doch die Zahl gesunder Lebensjahre fällt überraschend gering aus. Hormonelle Veränderungen, mentale Belastungen und Alltagsstress machen vielen Frauen zu schaffen. Holistische Gesundheit betrachtet den Körper als Ganzes und zeigt, wie Frauen mit gezielter Bewegung, Ernährung, Schlaf und Stressmanagement ihre Vitalität langfristig stärken können.
Frauen leben im Durchschnitt knapp vier Jahre länger als Männer – jedoch nicht unbedingt gesünder. Die höhere Lebenserwartung bei guter Gesundheit beträgt laut Bundesamt für Statistik nur noch 0,4 Jahre (72,2 Jahre gegenüber 71,8 Jahren). Doch was ist der Grund dafür, dass Frauen im Alter öfter krank sind als Männer?
Frauen sind zeitlebens grossen hormonellen Veränderungen ausgesetzt: Pubertät, Schwangerschaft, Stillzeit, Perimenopause, Menopause, Postmenopause. Gerade der Östrogenabfall in der Menopause ist ein Gesundheitsrisiko und begünstigt Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und Gelenkbeschwerden. Männer erleben keinen abrupten Hormonabfall, deshalb steigen ihre Gesundheitsrisiken viel langsamer. Frauen leiden zudem häufiger an Autoimmunerkrankungen, weil ihr Immunsystem anfälliger ist, sowie öfter an psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Ausserdem sind sie durch Familie, Job und Gesellschaft grösseren Belastungen ausgesetzt als Männer. Das tägliche Jonglieren von Znüniboxrichten, Mitbringselorganisieren und New-Business-Sitzungen ist nicht nur zeit-, sondern vor allem kräfteraubend.
Zusammenspiel verschiedener Faktoren
Zwischen PMS, hormonellen Veränderungen, Mental Load, Stress und Nährstoffmangel merken viele Frauen, dass Gesundheit mehr ist als bloss die Abwesenheit von Krankheit. Den Körper als Ganzes zu betrachten, anstatt einzelne Symptome zu behandeln, ist deshalb gerade in der Frauenmedizin wichtig. Diese holistische Sichtweise schaut tiefer: Wie ist der Stresslevel? Wie ist der Hormonspiegel? Wie der Schlaf? Und wie gut ist der Körper mit Nährstoffen versorgt? Holistische Medizin hat nichts mit Esoterik zu tun. Es werden klassische schulmedizinische Diagnosen wie Bluttest oder bildgebende Verfahren mit erweiterten funktionellen und lebensstilbezogenen Methoden kombiniert. Ursachen, Zusammenhänge und Systemdynamik zu erkennen und zu analysieren, ist das Ziel.
Schlaf ist der grösste Longevity-Booster. Und alle, die schon einmal unter Schlafstörungen gelitten haben, wissen, wie lebenseinschränkend Schlafentzug sein kann.
Holistische Frauengesundheit ist eine notwendige Weiterentwicklung der – noch immer männlich geprägten – Medizin. Der weibliche Körper ist komplex und reagiert sensitiv auf die Umwelt. Wer Symptome nicht isoliert betrachtet, sondern Zusammenhänge erkennt, schafft die Grundlage für wirkliche Gesundheit.
Longevity: gesund altern statt nur länger leben
Nicht nur länger leben, sondern auch gesünder, besser und mit mehr Qualität – das ist das Ziel des Longevity-Trends. Wer dabei den gesunden Menschenverstand walten lässt, kann dabei eigentlich nur profitieren. Denn Vorsorgen ist immer besser als Heilen.
Frauen sollten ihren Körper gezielt stärken. Dazu eignet sich ein auf sie abgestimmtes Krafttraining. Es schützt vor Osteoporose, stabilisiert den Stoffwechsel, baut Stress ab und reduziert Wechseljahrbeschwerden. Einmal die Woche erhält die Muskelkraft, ab zweimal Training wöchentlich wird sie aufgebaut. Im Alltag können Frauen ganz einfach mehr Bewegung einbauen. 10 000 Schritte täglich sollten es mindestens sein, wer die Treppe nimmt anstatt des Lifts, tut seinem Körper schon viel Gutes. Beim Essen auf die Proteinzufuhr achten – Eiweiss ist nicht nur wichtig für den Muskelaufbau, sondern auch für die Hormone. Zudem sättigt Protein, was sich positiv auf die Gewichtskontrolle auswirkt. Apropos Essen: Wertvolle Ballaststoffe optimieren die Darmgesundheit, sind wichtig fürs Immunsystem und die Hormone – und für die Stimmung. Auf gesunde Fette achten, sie senken das LDL-Cholesterin, schützen Herz und Gefässe und liefern Vitamin E. Bei den Nährstoffen sollten Frauen gut hinschauen: Eisen, Vitamin D, B12, Magnesium, Omega 3 und Jod sind für sie besonders wichtig. Und: Regelmässige medizinische Checks sind kein Luxus, sondern sinnvoll.
Schlaf ist der grösste Longevity-Booster. Und alle, die schon einmal unter Schlafstörungen gelitten haben, wissen, wie lebenseinschränkend Schlafentzug sein kann. Guter Schlaf ist auch aus medizinischer Sicht extrem wichtig. Er ist die Grundvoraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit. Im Schlaf werden Informationen im Gehirn gefestigt, Abfallstoffe abtransportiert, der Blutdruck und Hormone reguliert, Entzündungen reduziert, das Immunsystem gestärkt – und genügend Schlaf schützt vor Übergewicht.
Stress managen
Es ist eine Krux: Frauen sind hormonell stresssensibler und tragen oft mehr mentale Belastung im Alltag. Die langfristigen Folgen von Stress sind verheerend: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Übergewicht, Autoimmunerkrankungen und Depressionen sind nur einige davon. Nicht ständig verfügbar zu sein, sich abzugrenzen und Aufgaben zu delegieren, fällt vielen Frauen schwer. Gerade für Frauen mit Kindern ist es oft einfacher, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, wenn sie eine feste Verabredung haben. Also besser einen Yogakurs buchen, als sich vorzunehmen, regelmässig zu Hause Asanas zu praktizieren. Oder sich fix mit einer Freundin zum Joggen verabreden, anstatt alleine laufen zu gehen. Auch im Alltag Mikropausen gezielt einplanen (Timer stellen), sich kurz Zeit für ein paar Atemübungen oder eine kleine Meditation nehmen.
Zum Stressmanagement gehört auch das Neinsagen. Das kann man lernen! Als Erstes Situationen beobachten, in denen man automatisch Ja sagt – obwohl man es eigentlich nicht will. Die innere Haltung ist ganz wichtig: «Ich habe das Recht, behutsam mit meiner Zeit und meiner Energie umzugehen.» Dann konkret Nein-Sätze vorbereiten: «Das passt gerade nicht für mich.» «Ich kann das leider nicht übernehmen.» «Danke, dass du fragst, aber ich möchte das nicht.» Und bei nächster Gelegenheit ausprobieren. Gar nicht so schwierig, oder?
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