Europas Kliniken stehen unter Druck: Fachkräftemangel, Bürokratie und fragmentierte IT-Systeme bremsen Innovation. Zugleich hält künstliche Intelligenz rasant Einzug, doch klare Standards für Sicherheit und Vertrauen fehlen.

Christoph Schühlmann
Gründer
Europa ringt um den Anschluss. In den Häusern treffen knappe Personaldecken auf komplexe IT-Strukturen und einen Berg an Formularen. Studien zeigen, dass Ärztinnen und Ärzte einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation verbringen – Zeit, die am Patientenbett fehlt. Viele Kliniken pilotieren inzwischen KI-gestützte Anwendungen, von Triage über Bildanalyse bis Verwaltung. Doch es mangelt an verlässlicher Governance: Welche Systeme liefern echten Nutzen, welche sind reif für den Alltag und nach welchen Kriterien wird entschieden?
Wenn KI schneller ist als Regeln
»KI entwickelt sich schneller, als das Gesundheitswesen sie verantwortungsvoll steuern kann«, sagt Christoph Schühlmann. Der Manager eines globalen Pharmakonzerns will das ändern – mit SeeS4Health, einem jungen Unternehmen, das Europas Gesundheits-KI messbar und vertrauenswürdig machen will. Im Mittelpunkt steht SAiMM – das Synap AI Maturity Model, ein europäisches Bewertungsmodell für den KI-Einsatz in Kliniken. »Sieben Dimensionen bilden den Prüfrahmen: klinischer Nutzen, Datenqualität und Interoperabilität, Monitoring, Compliance, Akzeptanz, Wirtschaftlichkeit und Training. So wird sichtbar, wo KI Mehrwert schafft – und wo sie noch lernen muss.«
KI entwickelt sich schneller, als das Gesundheitswesen sie verantwortungsvoll steuern kann.
Vertrauen braucht Transparenz
Die Plattform von SeeS4Health betrachtet den gesamten Lebenszyklus einer KI-Lösung – von der Entwicklung über Implementierung und Integration bis zur Evaluation im Klinikalltag. Ziel ist es, Verantwortlichen eine nachvollziehbare Grundlage für Qualität und Vertrauen zu geben. »Wir bauen Vertrauen in Gesundheits-KI, weil sichere Innovation mit Verantwortung beginnt«, so Schühlmann. Schulungen und Formate für Entscheidungsträgerinnen, Entwickler und Teams am Patientenbett sind Teil des Ansatzes. SAiMM liefert Kennzahlen, Benchmarks und klare Reifegrade, die Beschaffung, Risikomanagement und Audit-Readiness beschleunigen. Kliniken erkennen so Lücken, priorisieren Projekte smarter und belegen Fortschritte gegenüber Aufsicht, Trägern und Fördergebern. Für Entwickler:innen schafft das Modell klare Schnittstellenanforderungen, für Pflege und ärztliches Personal wiederum verständliche Leitplanken im Alltag.
Von Pilotprojekten zum Standard
Ab 2026 sollen erste Pilotprojekte in europäischen Kliniken starten. Für SeeS4Health bedeutet das konkret: Es entstehen neue Stellen im Unternehmen. Zusätzlich sucht Christoph Schühlmann einen Co-Founder, um das Projekt zügig umsetzen zu können. Bis 2027 will SeeS4Health den Grundstein für einen anerkannten Standard legen. Dafür entsteht ein Netzwerk aus Krankenhäusern, Regulierern, Technologieanbietern und Versicherern; parallel wird ein Advisory-Board mit Expertise aus Medizin, Ethik und Forschung aufgebaut. Nur wer die Systeme versteht, setzt sie verantwortungsvoll ein.
Technologie mit Haltung
»Ich habe SeeS4Health gegründet, um dem Gesundheitswesen zu helfen, das wahre Potenzial von KI zu erschließen – nicht als Schlagwort, sondern als Motor für bessere Versorgung«, sagt Schühlmann. Sein Leitmotiv fasst den Anspruch: denken in Netzwerken, handeln für Menschen. So verbindet SeeS4Health Evidenz mit Empathie – und macht aus Visionen endlich überprüfbare Praxis.
Weitere Informationen unter sees4health.com

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