maria höfl-riesch
Boris Breuer
Deutschland Winter Interview

Maria Höfl-Riesch: »Das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen«

17.12.2025
von Ayman Duran

Maria Höfl-Riesch gehört zu den erfolgreichsten Athletinnen des Skirennsports. Nach ihrem Rücktritt engagierte sie sich unter anderem als TV-Expertin und ist heute eine gefragte Keynote-Speakerin. Im Interview blickt sie auf ihre Karriere zurück und erzählt, wie sie sich auf ihr neues Leben nach dem Profisport eingestellt hat.

Maria Höfl-Riesch, die Winterzeit steht an. Fühlen Sie sich als eine der erfolgreichsten Ski-Fahrerinnen aller Zeiten da manchmal etwas melancholisch?

Eigentlich nicht. Ich habe nicht, wie viele andere, schon im Oktober oder im November die ganz große Vorfreude aufs Skifahren. Ich werde eher schon fast demütig, wenn der Sommer zu Ende geht. Aber wenn dann mal wirklich der Schnee da ist und der Winter einkehrt, dann freue ich mich schon.

Sie waren nach ihrem Rücktritt zeit­weise auch als TV-Expertin aktiv. Wie war es für Sie, den Skirennsport aus einer anderen Perspektive zu erleben?

Das war ganz spannend. Ich war froh, dass ich mich nach dem Ende meiner Karriere nicht komplett vom Sport trennen musste. Dieser »Skizirkus« ist wie eine Familie, weil man jahrelang zusammen unterwegs ist. Ich habe es genossen, das Ganze noch weiter begleiten zu können.

Maria Höfl-Riesch

Bild: Andreas Ortner

Sind Sie in der Freizeit auf der Skipiste nun eher gemütlich unterwegs oder ziehen Sie trotzdem gerne mal das Tempo an?

Ich fahre natürlich schon flott. Klar passe ich mich an die Pistenbedingungen und andere Skifahrer:innen an, aber wenn das Wetter stimmt, die Piste frei ist und ich gute Sicht habe, lege ich schon mal einen Zahn zu.

Natur- oder Kunstschnee? Was sind da die Unterschiede für Profis?

Ich habe da eigentlich keine Vorlieben. Für den Profisport bietet der Kunstschnee etwas stabilere Bedingungen. Frischer Pulverschnee ist natürlich schön, aber kompakte Pisten gelingen mit Kunstschnee besser. Allerdings werden die Pisten durch den erhöhten Wasseranteil schneller eisig. Am besten ist eine Mischung zwischen Natur- und Kunstschnee.

Sie haben insgesamt dreimal Olympiagold geholt. Besteht ein höherer Druck, da diese Rennen nur alle vier Jahre stattfinden?

Es ist schon eine besondere Situation, denn der Druck von außen ist hoch. Aber als Athlet:in sollte man sich dadurch nicht beeindrucken lassen. Man ist eigentlich vor jedem Rennen nervös und möchte immer das Beste rausholen – egal ob es ein Weltcup-Rennen oder die Olympischen Spiele sind. Dass ich jedes Rennen gleich gesehen habe, war wohl auch mein kleines Erfolgsgeheimnis.

Ihre Karriere war leider auch durch zwei schwere Verletzungen geplagt. Wie haben Sie es trotzdem immer wieder auf die Ski geschafft?

Das hat schon eine Weile gedauert. Das Schlimme war, dass die Verletzungen kurz aufeinander gefolgt sind – innerhalb von elf Monaten. Ich habe deswegen eine WM und eine Austragung der Olympischen Spiele verpasst. Ich war danach erst mal froh, dass ich überhaupt wieder Rennen fahren konnte. Aber die Motivation und Liebe zum Rennsport war so groß, dass ich nie aufgehört habe, an mich zu glauben. Das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen.

Sie haben bei allen Disziplinen zuvorderst vorne mitgemischt. Welche davon würden Sie heute noch am ehesten fahren?

Ich habe mich in der Abfahrt und im Slalom am wohlsten gefühlt und konnte dadurch auch Erfolge in den Alpinen Kombinationen gewinnen. In der Freizeit fahre ich irgendwas zwischen Slalom und Riesenslalom, aber das kommt auch auf die Ski an, mit denen ich gerade unterwegs bin.

Eine kleine Rivalität war mit Ihrer Schwester Susanne, mit der Sie 2009 sogar gemeinsam auf dem Podium standen. Duellieren Sie sich noch in anderen Bereichen abseits der Skipiste?

Wir haben uns eigentlich nie als Rivalinnen gesehen, sondern als Verbündete. Es ist was ganz Besonderes, wenn man jemanden aus der eigenen Familie ganz oben dabei hat. Es gibt im Profisport immer Menschen, mit denen man sich nicht so gut versteht. Genau darum war ich für Susanne dankbar, denn Blut ist dicker als Wasser. Gerade in Zeiten, wo es mal für eine von uns nicht so gut lief, war es immer schön, dass wir füreinander da sein konnten.

Gibt es in Ihrer Karriere einen Sieg, der besonders heraussticht?

Einer war sicher der Slalomtitel in Val-d’Isère. Nach meinen Verletzungen war ich endlich wieder in Form, aber die Weltmeisterschaft war trotzdem irgendwie schlecht gelaufen. Ich war nach dem ersten Lauf nur Sechste und dachte mir, wie schlimm es wäre, ohne Medaille nach Hause fahren zu müssen. Vor dem zweiten Lauf war ich so aufgeregt, dass ich am liebsten gar nicht erst losgefahren wäre. Dass ich da trotzdem gewinnen konnte, war ein wahrer Schlüsselmoment.

Sie haben nun einen Fuß in die Welt der Schauspielerei gesetzt. War das schon immer ein Kindheitstraum?

Das hat sich eigentlich nur ergeben, weil ich damals in Interviews erzählt hatte, dass ich gerne Seifenopern schaue. Die zuständigen TV-Leute haben das wohl gehört und mich dann gefragt, ob ich eine Gastrolle machen möchte. Vor ein paar Jahren konnte ich bei »Traumschiff« mitwirken. Ein Teil der Dreharbeiten fand in Levi im Lappland statt, wo ich viele Rennen gefahren bin. Nach so vielen Jahren in ganz anderer Funktion dorthin zurückzukehren, war ein lustiges Erlebnis.

Zum Schluss: das perfekte Aprésski?

Ich bin nicht so der klassische Aprésski-Mensch im Sinne von lauter Musik, Schirmbar, Grölen und auf den Tischen tanzen. Ich gehe nach dem Skifahren lieber gemütlich in eine Hütte, esse was Gutes zu Mittag und genieße die Sonne. Das reicht mir komplett aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Vorheriger Artikel Leon Vockensperger – Beim Sport wie beim Gründen gilt: Aufstehen und weitermachen
Nächster Artikel Im Winter reist es sich alleine besser