Wenn die Tage kürzer werden, die Luft klarer wird und der erste Schnee die Landschaft in ein ruhiges Weiß taucht, beginnt für viele Hotels in Deutschland eine ganz besondere Jahreszeit: die Wintersaison. Für unsere Gäste ist sie eine Einladung zum Innehalten, Genießen und Entdecken. Für uns Hoteldirektorinnen und Hoteldirektoren ist sie zugleich eine Zeit, Verantwortung zu zeigen – für die Region, für die Umwelt und für eine neue, bewusste Form des Reisens.

Jürgen Gangl
1. Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland und General Manager im Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz
Wintersaison bedeutet Entschleunigung
Der Winter ist längst mehr als nur die Zeit für Skiurlaub oder Wellnesswochenenden. Er ist ein Lebensgefühl. Viele Menschen suchen in dieser Jahreszeit Wärme, Nähe, Atmosphäre – und finden sie in Hotels, die gastfreundliche Orte des Ankommens sind. Kaminfeuer, regionale Küche, liebevolle Dekoration und ein Programm, das Körper und Geist gleichermaßen gut tut, prägen diese besondere Stimmung. Gleichzeitig wächst der Wunsch, abseits von Hektik und Massenbetrieb zur Ruhe zu kommen. Die winterliche Natur lädt ein, Tempo herauszunehmen und den Fokus auf das Wesentliche zu richten.
Doch was die Wintersaison heute einzigartig macht, ist eine neue Haltung: Gäste wünschen sich nicht nur Komfort, sondern auch Nachhaltigkeit. Wer reist, möchte wissen, dass der eigene Aufenthalt im Einklang mit der Umwelt steht und dass Hotels bewusst mit Ressourcen umgehen.
Nachhaltigkeit beginnt früher, als viele denken
In der Hotellerie ist Nachhaltigkeit ein umfassender Prozess – und in der Wintersaison besonders sichtbar. Denn diese Jahreszeit stellt hohe Anforderungen: mehr Energie, mehr Wärme, mehr Transportwege. Die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland setzt sich dafür ein, dass Hotels in all diesen Bereichen Verantwortung übernehmen und innovative Lösungen finden.
Viele Hotels arbeiten bereits mit modernen Energiesystemen: Wärmepumpen, Solarthermie, Photovoltaik oder Blockheizkraftwerke sorgen für eine effiziente Versorgung. Andere Häuser beziehen seit Jahren Ökostrom, reduzieren Warmwasserverbräuche oder setzen auf intelligente Heizungssteuerungen, die sich am tatsächlichen Bedarf orientieren. Hinzu kommen Energiesparprogramme, die auch Mitarbeitende aktiv einbeziehen – denn nachhaltiges Handeln funktioniert vor allem dann, wenn es im Team gelebt wird.
Auch bei der Bauweise und Renovierung gewinnt Nachhaltigkeit an Bedeutung. Natürliche Materialien, regionale Rohstoffe, langlebige Ausstattung und optimierte Dämmung sorgen für ein gesundes Raumklima – und für einen geringeren Energieverbrauch, ohne dass Gäste auf Komfort verzichten müssen. Viele Hotels investieren darüber hinaus in langlebige, reparierbare Produkte und reduzieren so langfristig den ökologischen Fußabdruck.
Regionale Küche als Beitrag zum Klimaschutz
Ein zentraler Baustein nachhaltiger Hotellerie ist die Gastronomie. Im Winter, wenn die Natur Pause macht, wird besonders sichtbar, wie kreativ Küchenchefs mit regionalen Produkten arbeiten. Viele Hotels pflegen feste Partnerschaften mit Bauern, Winzerinnen und Manufakturen aus der Umgebung und schaffen so kulinarische Erlebnisse mit kurzer Lieferkette und großer Qualität.
Gäste genießen Wild aus heimischen Wäldern, Wintergemüse aus lokalen Betrieben, Käse und Backwaren von Erzeugerinnen und Erzeugern, die man oft persönlich kennt. Diese Nähe gibt Sicherheit – und macht den Aufenthalt authentisch. Gleichzeitig stärkt sie die regionale Wirtschaft und trägt zum Erhalt traditioneller Handwerkskunst bei. Immer mehr Hotels setzen zudem auf pflanzenbetonte Menüs, um ihren CO2-Fußabdruck weiter zu reduzieren, ohne Kompromisse beim Genuss einzugehen.
Wasser, Wäscherei, Abfall: kleine Schritte, große Wirkung
Nachhaltigkeit zeigt sich nicht nur im großen Ganzen, sondern im täglichen Tun. Hoteliers setzen zunehmend auf wassersparende Armaturen, moderne Wäschereitechnik oder ressourcenschonende Reinigungsmittel. Viele Häuser bieten Gästen die Möglichkeit, selbst mitzuentscheiden, wann Handtücher oder Bettwäsche gewechselt werden sollen – ein kleiner Beitrag, der in Summe enorme Auswirkungen hat.
Auch Lebensmittelverschwendung wird in vielen Betrieben aktiv bekämpft. Kreative Frühstückskonzepte, flexible Portionsgrößen oder digitale Bestellsysteme helfen, Überproduktion zu vermeiden und zugleich eine hohe Qualität zu sichern. Einige Hotels arbeiten zudem mit Foodsharing-Initiativen zusammen oder nutzen Apps, um überschüssige Speisen weiterzugeben.
Sanfter Wintertourismus – Erlebnisse mit Verantwortung
Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht, sondern neue Erlebnisse. Winterwanderungen, geführte Schneeschuhtouren, regionale Kulturangebote oder Wellnessprogramme mit natürlichen Produkten bieten Gästen intensive und zugleich umweltfreundliche Alternativen zum klassischen Wintersport. Viele Häuser informieren zusätzlich über nachhaltige Anreisemöglichkeiten oder bieten Transfers vom Bahnhof an, um den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren.
Gerade Familien entdecken diese Aktivitäten für sich: weniger Trubel, mehr Zeit miteinander, echte Naturerlebnisse. Hotels investieren gezielt in diese Angebote und unterstützen damit einen sanften, zukunftsfähigen Tourismus, der regionale Besonderheiten hervorhebt und Naturräume schützt.
Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht, sondern neue Erlebnisse.
Die Wintersaison in deutschen Hotels verbindet Entspannung, Genuss und eine wachsende Verantwortung für nachhaltiges Handeln. Hotels setzen verstärkt auf energieeffiziente Technik, ökologische Bauweise und regionale Wertschöpfung. Nachhaltige Gastronomie, Ressourcenschonung im täglichen Betrieb und ein vielfältiges Angebot an sanften Wintererlebnissen zeigen, dass bewusster Tourismus auch in der kältesten Jahreszeit möglich ist. Moderne Winterhotellerie bietet nicht nur Komfort, sondern trägt aktiv zum Umwelt- und Klimaschutz bei – für einen Aufenthalt, der nachhaltig in Erinnerung bleibt.
Text Jürgen Gangl
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