stahlgerüste sind  gängigste methode, um außerhalb des gebäudes frei arbeiten zu können, um  fassadendämmung zu reparieren o zu renovieren. symbolbild eigenheim sanieren
iStock/fotodrobik
Bau & Immobilien Wohnen

Sanieren statt warten: Warum Eigenheime vor einem Wendepunkt stehen

29.11.2025
von Sarah Steiner

Die Schweizer Wohngebäude kommen in die Jahre. Weit über die Hälfte der Immobilien ist älter als vierzig Jahre. Viele stammen aus einer Epoche, in der Energie günstig war und Dämmung kaum eine Rolle spielte. Heute zeigt sich: Die Bausubstanz vieler Wohnhäuser erfüllt die aktuellen Anforderungen an Energieeffizienz, Haustechnik und Komfort nur noch bedingt. Kein Wunder, rücken Sanierungen immer stärker ins Zentrum. Für Eigentümerinnen und Eigentümer geht es dabei um zwei grundlegende Fragen: Wann lohnt sich eine Modernisierung? Und wie umfassend muss sie sein, damit sie nachhaltig wirkt?

Rund 1,5 Millionen Häuser in der Schweiz gelten als energetisch sanierungsbedürftig. Gleichzeitig liegt die jährliche Sanierungsquote noch immer bei etwa einem Prozent. Würde dieses Tempo beibehalten, dauerte es rund hundert Jahre, bis der Gebäudebestand schweizweit auf einen langfristig tragfähigen Standard modernisiert wäre. Der Hebel ist enorm, denn Gebäude verursachen rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs des Landes. Jede Modernisierung wirkt sich damit weit über ein einzelnes Haus hinaus aus.

Energie sparen, Wohngefühl verbessern, Werte sichern

In vielen Liegenschaften aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind die Schwachstellen dieselben: schlechte Dämmwerte, veraltete Heizsysteme, ineffiziente Fenster. Energetische Sanierungen setzen deshalb oft an der Gebäudehülle an, etwa mit isolierten Fassaden, neuen Dächern oder dreifach verglasten Fenstern. Parallel dazu werden Heizsysteme ersetzt. Luft-Wasser-Wärmepumpen, Erdsonden oder hybride Lösungen gehören inzwischen zum Standardrepertoire. Der Effekt solcher Massnahmen ist deutlich spürbar. Die Gebäude verlieren weniger Wärme, die Räume werden gleichmässiger temperiert und die Betriebskosten sinken. Fachleute betonen ausserdem, dass kombinierte Sanierungen besonders wirksam sind, weil sie das gesamte thermische System eines Hauses verbessern.

Wer sein Haus umsichtig pflegt und modernisiert, stärkt nicht nur seine heutige Wohnsituation, sondern auch die Zukunftsfähigkeit der Immobilie.

Doch Modernisieren heisst heute mehr als Energiesparen. Besonders Küchen und Badezimmer stehen im Zentrum, weil sie im Alltag stark beansprucht werden und funktionale Verbesserungen sofort spürbar sind. Neue Küchenkonzepte schaffen fliessende Übergänge zwischen Kochen und Wohnen und passen sich veränderten Lebensgewohnheiten an. Moderne Geräte reduzieren den Energie- und Wasserverbrauch und erleichtern die Bedienung. Im Badezimmer spielt neben dem Design zunehmend die Barrierefreiheit eine Rolle. Bodenebene Duschen, grosszügige Bewegungsflächen und pflegeleichte Oberflächen erleichtern den Alltag und erhöhen die Hygiene.

Und auch bei Bodenbelägen achten viele Eigentümerinnen und Eigentümer heute auf strapazierfähige und nachhaltige Materialien wie Parkett, Naturstein, Keramik oder mineralische Beschichtungen. Sie halten intensiver Nutzung stand, sind pflegeleicht und tragen zu einem angenehmen Wohnklima bei. Sanieren wird damit zu einer Investition in Gesundheit, Alltagstauglichkeit und langfristige Wohnqualität.

Schadstoffe: das unterschätzte Risiko

Altbauten bergen nicht nur energetische Schwächen, sondern nicht selten auch gesundheitliche Risiken. In vielen Gebäuden wurden bis in die 1990er-Jahre Materialien wie Asbest, PCB oder Formaldehyd verbaut. Sobald Leitungen, Böden oder Fassaden geöffnet werden, können diese Stoffe zum Problem werden. Fachfirmen berichten, dass Schadstoffabklärungen heute häufiger Teil der Erstabklärung sind. Sie sind ein sinnvoller Schritt, der Verzögerungen verhindert und klare Kostenbilder ermöglicht.

Die Entfernung solcher Stoffe verlangt spezialisierte Unternehmen. Ihr Aufwand ist beträchtlich, doch eine fachgerechte Schadstoffsanierung erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern schafft langfristig Vertrauen, beim Wohnen wie beim späteren Verkauf.

Nachhaltige Materialien und moderne Systeme

Parallel dazu wächst das Interesse an ökologisch verträglichen Lösungen. Holzfassaden, Recyclingmaterialien, mineralische Putze und emissionsarme Innenbeschichtungen gewinnen an Beliebtheit. Viele dieser Produkte sind robuster als frühere Generationen, verbessern das Raumklima und erhöhen die Widerstandsfähigkeit eines Gebäudes. Auch im Innenausbau setzen sich modulare Systeme durch, die spätere Anpassungen erleichtern und den Materialverbrauch reduzieren.

In der Haustechnik gewinnen intelligente Steuerungen an Bedeutung. Systeme, die Heizung, Lüftung und Verschattung koordinieren, helfen dabei, den Energiebedarf weiter zu senken und das Wohnen insgesamt angenehmer zu gestalten.

Warum Sanieren Planung braucht

Eine Sanierung ist kein einzelner Eingriff, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Fachbereiche: vom Küchenbau über die Haustechnik und den Innenausbau bis hin zu Fassaden- und Schadstoffsanierungen. Fehler entstehen selten beim Handwerk selbst, sondern häufig in der Planung. Fachleute empfehlen deshalb eine ganzheitliche Gebäudeanalyse, die Hülle, Haustechnik und Nutzung gemeinsam denkt. Eine sorgfältige Planung stellt so sicher, dass Massnahmen nicht in Etappen verpuffen, sondern sinnvoll aufeinander aufbauen. Sie schafft Klarheit über Prioritäten, Kosten und zeitliche Abläufe. Viele Eigentümerinnen und Eigentümer setzen deshalb auf Bauleitungsbüros oder Generalunternehmen, die Abläufe koordinieren, Qualität sichern und die verschiedenen Fachbereiche effizient zusammenführen.

Der Markt reagiert: Zustand gewinnt an Bedeutung

Auf dem Immobilienmarkt zeigt sich eine klare Tendenz: Der bauliche Zustand einer Liegenschaft wird zu einem immer wichtigeren Kriterium. Kaufinteressierte achten verstärkt darauf, wie effizient ein Gebäude betrieben werden kann und welche Investitionen in den kommenden Jahren anfallen könnten. Eine gut modernisierte Liegenschaft schafft Sicherheit, reduziert laufende Kosten und lässt sich meist leichter verkaufen.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet das: Wer sein Haus umsichtig pflegt und modernisiert, stärkt nicht nur seine heutige Wohnsituation, sondern auch die Zukunftsfähigkeit der Immobilie. In einer Zeit, in der Energiepreise, Nachhaltigkeit und Gesundheit an Bedeutung gewinnen, wird der Zustand eines Hauses zu einem zentralen Faktor für dessen Wert und Attraktivität.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Vorheriger Artikel Immobilieninvestitionen – Fremdkapital im Wandel
Nächster Artikel Barbara A. Knoflach: «Wir müssen wieder mehr bauen»