Sich von einem schönen Teppich zu trennen, fällt vielen älteren Menschen schwer, selbst wenn sie mit zunehmendem Alter immer öfter über die Teppichkante stolpern. Wirklich schwierig wird es aber, wenn die Barrieren nicht nur bei der Einrichtung, sondern auch bei den baulichen Gegebenheiten der eigenen Wohnung auftauchen. Und dann sind da ja noch die Wohnungsnot, die Knappheit an altersgerechten Wohnungen und das liebe Geld.
Viele Wohnungen altern mit ihren Bewohnenden. Wer vor Jahrzehnten einen Mietvertrag geschlossen hat, lebt in der Regel zu einer günstigen Miete und fühlt sich in den eigenen vier Wänden so richtig zu Hause. Doch von barrierefreien Standards sprach man im Bauzeitraum vor 1980 noch nicht. Auch für die jungen Menschen, die damals einzogen, spielten sie in ihrer Lebenswirklichkeit keine Rolle. Wenn aber im Alter die körperlichen Beschwerden zunehmen, merken viele, welche Hindernisse mit ihrem langjährigen Rückzugsort verbunden sind. Türschwellen oder enge Raumaufteilungen stellen gerade diejenigen vor Probleme, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, und ein Lift erscheint in vielen älteren Wohnhäusern als purer Luxus. Wer nur noch eingeschränkt am öffentlichen Leben teilhaben kann und vielleicht verwitwet ist, läuft Gefahr, in sozialer Isolation einsam zu werden. Trotzdem bleiben viele, wo sie sind.
Im Februar 2025 gab das Bundesamt für Wohnungswesen in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern eine Studie mit dem Titel «Wohnen im Alter. Eine empirische Untersuchung der Wohnsituation und -mobilität älterer Menschen in der Schweiz» heraus. Diese zeigt auf, dass im Jahr 2022 lediglich 1 von 20 Personen über 76 Jahren umzog – und das, obwohl sich die Wohnbedürfnisse gerade in höherem Alter stark verändern. Mehr als alles andere hat diese geringe Mobilität emotionale Gründe. So fühlen sich laut Studie gerade ältere Menschen ihrem Wohnumfeld besonders verbunden: «Diese Verbindung gründet auf einem über die Jahre gewachsenen Fundament aus materiellem Besitz, sozialen Beziehungen und emotionaler Bindung.» Doch auch äussere Umstände halten viele Ältere in einem Wohnumfeld, das ihren Bedürfnissen nicht mehr entspricht.
Durch einen Umzug verändert sich die finanzielle Belastung
Menschen ab 76 Jahren zahlen rund ein Fünftel weniger Miete pro Quadratmeter als Mietende zwischen 26 und 45 Jahren. Da die aktuellen Marktmieten vielfach deutlich höher liegen als die im bestehenden Mietvertrag festgelegten Wohnkosten, steigt die Mietbelastung mit einem Umzug häufig. Neun von zehn Personen zahlen aber auch nach einem Umzug nicht mehr als ein Drittel ihrer Pension für das Wohnen.
Doch auch der Umzug selbst will gestemmt sein. Reinigungs- und Renovationskosten für die alte Wohnung, Kosten für ein Umzugsunternehmen, eventuelle Doppelmieten und gegebenenfalls Kosten für neue Möbel, die den Gegebenheiten in der neuen Wohnung entsprechen, können sich zu einem Berg anhäufen. Insbesondere für verwitwete Frauen kann dieser zu einer erheblichen Belastung führen, da sie aufgrund eines jahrzehntelangen Hausfrauendaseins häufig verhältnismässig niedrige Renten beziehen.
Wenn ältere Menschen sich dennoch für einen Umzug entscheiden
Trotz emotionaler und finanzieller Hindernisse entscheidet sich ein kleiner Teil der Senior:innen für einen Umzug. Etwa 1 von 40 Personen über 76 Jahren wechselt auf dem freien Wohnungsmarkt ihren Wohnort. An der niedrigen Zahl lässt sich bereits ablesen, dass dieser Schritt aus vielerlei Gründen nicht einfach ist. Wer sich für den Wohnortwechsel entscheidet, steht neben den genannten noch vor einer anderen grossen Herausforderung: dem Schweizer Wohnungsmarkt.
Vor dem Hintergrund von Wohnungsknappheit muss, wer eine neue Wohnung sucht, den Bedingungen der Vermietenden und häufig auch der Vormietenden, die potenzielle Nachmieter:innen empfehlen, weitestmöglich entsprechen. Die grösste Hürde besteht für viele Ältere bereits in der Wohnungssuche. Wohnungen werden über digitale Plattformen angeboten, Besichtigungstermine sind ebenfalls nur über diese Plattformen erhältlich und ein Besichtigungsmarathon ist für Menschen mit körperlichen Beschwerden kaum zu stemmen.
Gleichzeitig muss die neue Wohnung Voraussetzungen erfüllen, die nur selten realistisch sind. Den Anforderungen an Barrierefreiheit, die die alte Wohnung nicht erfüllt, muss eine neue Wohnung erst einmal entsprechen. Hinzu kommt, dass ältere Menschen häufig nicht mehr mit dem eigenen Pkw fahren oder fahren können und auf eine entsprechende Infrastruktur am Wohnort angewiesen sind.
Der Wechsel ins altersgerechte Wohnen
Rund die Hälfte derjenigen über 76 Jahren, die sich für einen Wohnortwechsel entscheiden, geht den Schritt in das altersgerechte Wohnen mit Betreuungsangeboten. Auf diese Weise vermeiden ältere Menschen, mit anderen Wohnungssuchenden in Konkurrenz treten zu müssen. Dennoch ist es auch auf diesem separaten Wohnungsmarkt nicht trivial, eine Wohnung zu finden.
Wer auf Pflege angewiesen ist, muss daher einen anderen Weg wählen, wie zum Beispiel ein Alters- oder Pflegeheim. Doch auch ein Platz im Pflegeheim ist häufig mit mehrmonatigen Wartezeiten verbunden – und mit einer grossen finanziellen Aufgabe. Tatsächlich müssen Senior:innen oder ihre Angehörigen laut Donar Barrelet von der Pflegehilfe Schweiz für das Leben in einem Altersheim rund 300 CHF täglich aus eigener Tasche zahlen. Notfalls ist es möglich, Ergänzungsleistungen (EL) zu beantragen.
Aufgrund der unter Umständen massiven finanziellen Belastung kann es sinnvoll sein, über eine Alternative zum Pflegeheim nachzudenken. Die Pflegehilfe macht beispielsweise folgende Vorschläge:
- Senioren-WG: Mit einer Gruppe von Menschen, die sich das Zusammenwohnen vorstellen können, und einer passenden Immobilie kann dies eine gute Lösung sein.
- Teilstationäre Tagespflege oder Tagesstätte: Die Pflege ist gesichert, ohne dass Kosten für die Unterkunft anfallen.
- Alterssiedlung oder altersgerechte Wohnung: Je nach Bedarf lassen sich Verpflegung und Reinigung ebenso buchen wie Pflegedienstleistungen.
Darüber hinaus nennt Barrelet die Möglichkeit, eine 24-Stunden-Betreuung in den eigenen vier Wänden zu installieren. Das wiederum setzt eine Wohnung voraus, die den Bedürfnissen der älteren Menschen zumindest weitgehend entspricht – womit wir wieder am Anfang wären. So schön es also wäre: Dass die Frage nach dem Wohnen im Alter hochkomplex ist, lässt sich nicht wegdiskutieren.
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