Jahr für Jahr fehlen hierzulande mehr Berufstätige, um unser Land am Laufen zu halten. Philipp Erik Breitenfeld, CEO der Humanus GmbH, vermittelt dem Mittelstand dringend benötigte Blue-Collar-Fachkräfte aus dem Ausland.
Herr Breitenfeld, wird der Arbeitsmarkt zum entscheidenden Standortfaktor?
Um langfristig zu überlegen, muss die Exportnation Deutschland internationale Investoren anlocken. Dabei spielt der Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle: Flexibilität, verfügbare Qualifikationen, Produktivität, Steuern – vor allem die Lohnnebenkosten – und zunehmend auch Technologiefreundlichkeit sind Punkte, wo es hier hakt.
Für internationale Talente wird Deutschland immer unattraktiver. »Made in Germany« hat an Strahlkraft verloren. Innerhalb der EU funktioniert Rekrutierung noch, doch bei Drittstaaten bleibt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ein enormes bürokratisches Hindernis – somit bleibt qualifizierte Einwanderung in Arbeit extrem kompliziert.
Es geht nicht mehr nur um Jobvermittlung, sondern um gezielte Nachqualifizierung und Marktfähigkeit.– Philipp Erik Breitenfeld,
CEO
Wir brauchen eine echte Willkommenskultur für Talente! Viele der Fachkräfte, die wir heute suchen, wurden nie geboren. Ohne Hunderttausende Zuwanderinnen und Zuwanderer für den Arbeitsmarkt gefährden wir unsere Überlebensfähigkeit. Im Blue-Collar-Bereich entscheidet sich inzwischen fast jeder Dritte für Standorte wie Skandinavien, die Niederlande oder die Schweiz. Gleichzeitig werden bereits im nächsten Jahr rund 700 000 mehr Menschen in Rente gehen als nachrücken. Der Arbeitsmarkt entscheidet also eindeutig über unsere Zukunftsfähigkeit.
Braucht Deutschland eine koordinierte Talentstrategie?
Ja! Die Bundesagentur für Arbeit muss neu gedacht werden: Es geht nicht mehr nur um Jobvermittlung, sondern um gezielte Nachqualifizierung und Marktfähigkeit. Digitalisierung und Automatisierung bauen viele Verwaltungsjobs ab, aber Facharbeitende bleiben gefragt. Deshalb brauchen wir eine Talentschmiede aus gemeinsamer Kraft von Mittelstand und Politik. Die Bundesagentur sollte als moderne Qualifizierungsplattform Weiterbildung, Integration und internationale Talente verbinden. Mittelständische Unternehmen gehen bereits voran, doch der klare politische Rahmen fehlt bisher.
Der Fachkräftemangel legt sehr viele Branchen lahm. Wie können Unternehmen eine zukunftsfähige und nachhaltige Personalstrategie etablieren?
Beim Arbeitsmarkt geht es längst nicht mehr um Wachstum, sondern um massive Einschnitte in Infrastruktur und Versorgung, wie zum Beispiel dauerhafter Schienenersatzverkehr, weil Lokführer in Rente gehen, geschlossene Altenheime, Hausärztinnen im Rentenalter. Das ist keine Frage von Luxus, es ist eine des Überlebens. Unternehmen sollten die über 20 Millionen Menschen im Rentenalter im Blick haben, die gerne weiterarbeiten würden, und ebenso verstärkt auf Mütter fokussieren, denn sie schaffen oft in vier Stunden genauso viel wie manch anderer in acht. Unternehmen könnten auch dafür eintreten, starre Ausbildungssysteme und Studiengänge an die Realität anzupassen.
Warum führen Sie mit Humanus eines der erfolgreichsten HR-Unternehmen Europas?
Europa ist eine riesige Talentschmiede. Wir bei Humanus greifen auf einen Pool von über 150 Millionen Menschen zu, etwa aus Osteuropa, Spanien oder Portugal, die sich weiterentwickeln wollen, aber in ihrem Land nicht die Infrastruktur dafür haben. Das löst zugleich das größte Problem unseres Mittelstands, den Fachkräftemangel. Ich arbeite seit über 20 Jahren in diesem Bereich, habe in 13 Jahren mit eigenem Unternehmen über 8000 Menschen für den deutschen Arbeitsmarkt rekrutiert. Mit Empathie und digitalen Prozessen gewinnen wir diese Talente, bilden sie europaweit weiter und begleiten sie vom ersten Arbeitstag inklusive Unterbringung und Behördengängen. Das spricht sich herum und schafft Vertrauen.
Weitere Informationen unter humanus.de


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