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13 Juli 2020

Wie ticken Männer wirklich?.

Schöne Frauen, schnittige Autos und viel Geld. Diese Begriffe tauchen schnell auf in Diskussionen über die Bedürfnisse von Männern. Doch ist diese Aufzählung nur eine Aneinanderreihung von Klischees – und etwa so realistisch, wie wenn man die Bedürfnisse von Frauen auf Shoppen und Kinderkriegen reduzieren würde. Was aber wollen Männer tatsächlich? Eine Antwortsuche.

Eine entscheidende Frage stellte der deutsche Sänger Herbert Grönemeyer in seinem Song «Männer» aus dem Jahr 1984: «Wann ist ein Mann ein Mann?» Mit einer klaren Antwort auf diese Frage tut man sich bis heute schwer – vorausgesetzt, man will nicht auf plakative Vereinfachungen zurückgreifen. Ein möglicher Ausgangspunkt, um die Bedürfnisse und Interessen von Männern zu ergründen, liegt darin zu fragen, was letztlich alle Menschen anstreben – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Kultur. Und was ist diese Sache, dieser «gemeinsame Nenner»? Wahrscheinlich das Bedürfnis, ein glückliches Leben zu führen.

Zum Thema «Glück» hat das Gottlieb Duttweiler Institut anfangs Jahr eine interessante Studie veröffentlicht mit dem Titel «Wellness 2030 – Die neuen Techniken des Glücks». Darin definieren die Autoren «Glück» als einen Zustand, für den Gesundheit und Wohlbefinden wichtige Grundvoraussetzungen sind. Diese wiederum werden aktiv durch die Wellness-Industrie gefördert. Damit sind aber nicht einfach gewöhnliche Wellness-Anwendungen wie Saunagänge oder Massagen gemeint; vielmehr geht es um eine «neue Ära von Wellnessdienstleistungen».

So kommt die Studie unter anderem zum Schluss, dass der Mensch künftig immer mehr auf Technologie zurückgreifen wird, um jeden Aspekt seines Lebens zu beeinflussen. Diese Digitalisierung des Köpers, das eigentliche Verschmelzen mit der Technologie, werde unser Verständnis davon verändern, was es bedeutet, Mensch zu sein. Selbstoptimierung und «Biohacking» für mehr Wohlbefinden dürften gemäss GDI zunehmen. Was heisst das also für den «Mann der Zukunft»? Er ist vermehrt abhängig von digitaler Technologie – und verbessert sich dadurch laufend. Wie weit diese Entwicklung reichen wird kann heute noch nicht vollkommen erahnt werden. Doch bereits heute lässt sich dieser Trend am Gebrauch von Wearables (Smart Watches etc.) erkennen, die laufend die Lebensdaten des Trägers messen, speichern und auswerten. Smartphone und Co. werden damit zunehmend zum Taktgeber und Healthcoach.

Die Auswertung der Antworten aus dem Jahr 2017 zeichnet ein Männerbild, das so gar nicht in bestehende Macho-Muster passen will. Denn offenbar brauchen Männer Beziehungen mehr als Frauen – und geben das sogar offen zu.

Was macht einen Mann «komplett»?

Nebst Wohlbefinden und Gesundheit sind Beziehungen eine weitere wesentliche Voraussetzung für Glück. Und in diesem Segment hat die Digitalisierung längst alles verändert. Digitale Partner-Plattformen erheben den Anspruch, Menschen zusammenzubringen, die zusammengehören. Eine solche Plattform ist Elitepartner, die auch ein Portal für die Schweiz betreibt. Seit zwölf Jahren erforscht die sogenannte «ElitePartner-Studie» einmal jährlich Verhaltensweisen, Wünsche und Einstellungen von Menschen in Deutschland in Bezug auf Liebe, Partnerwahl und Beziehungen. Mit einer Teilnehmerzahl von mehreren tausend Personen handelt es sich dabei gemäss den Verfassern um eine der grössten Studien zu diesem Thema.

Die Auswertung der Antworten aus dem Jahr 2017 zeichnet ein Männerbild, das so gar nicht in bestehende Macho-Muster passen will. Denn offenbar brauchen Männer Beziehungen mehr als Frauen – und geben das sogar offen zu. 71 Prozent der liierten Männer geben bei der Befragung an, sich ohne ihre Partnerin nicht komplett zu fühlen. Zum Vergleich: Bei den liierten Frauen geht es nur 64 Prozent so. Darüber hinaus zeigen sich Männer in Beziehungen offenbar kompromissbereiter als ihre Partnerinnen. Diese würden zwar für den Liebsten eher in eine andere Stadt ziehen (61 gegenüber 53 Prozent) und eine Paartherapie machen (43 gegenüber 35 Prozent).

In vielen anderen Aspekten liegen aber die Männer vorn: 70 Prozent würden ihre Partnerin finanzieren, falls sie weniger verdient (Frauen: 55 Prozent). Die Hälfte der Männer würde zudem ihre Hobbys reduzieren, um mehr Zeit für die Partnerin zu haben (Frauen: 36 Prozent). Vier von zehn Männern würden für die Liebste ihr Äusseres verändern (Frauen: 21 Prozent). Und jeder dritte Mann würde sogar seine eigenen Freundschaften weniger pflegen, um der Beziehung mehr Raum geben zu können. Dazu wäre gemäss Elitepartner gerade einmal jede sechste Frau bereit. Die Erhebung zeigt also, dass Männer nach stabilen Partnerbeziehungen suchen und für die Erhaltung derselben bereit sind, grosse Anstrengungen zu unternehmen.

Karriere? Möglichst steil

Männer suchen den Wettbewerb und streben Prestige in ihrer Karriere an. Klischee? Nein, denn dies lässt sich wissenschaftlich bestätigen. Stefan Wolter, Leiter der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, führte Ende letzten Jahres im «Bund» aus, dass sich junge Männer bei der Studienwahl bewusst für Wege mit höheren Erfolgschancen entscheiden. Daher besuchten sie Studiengänge mit mehr Prestige sowie der Aussicht auf bessere Verdienstmöglichkeiten.

Dies im Gegensatz zu den jungen Frauen. Deren Studienwahl sei im Durchschnitt sowohl an der Universität als auch an der Fachhochschule karrieretechnisch suboptimal. Fast die Hälfte der Frauen wählt an der Universität ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Fach. An den Fachhochschulen wählen sogar rund zwei Drittel der Frauen einen Bereich wie Soziale Arbeit, Gesundheit oder die Ausbildung zur Lehrerin.

Das Streben nach Anerkennung durch beruflichen Erfolg scheint also in den Männern verankert zu sein. Damit auch das Bedürfnis nach einem möglichst hohen Einkommen. Doch Geld ist nicht der einzige Antrieb, sondern auch Freizeit sowie Zeit für die Familien stehen hoch im Kurs. Eine Befragung, die 2011 im Auftrag des St. Galler Departement des Inneren bei knapp 1200 Männern durchgeführt wurde, gibt Aufschluss über die Verträglichkeit von Beruf und Familie. Eine der Erkenntnisse der Auswertung. Rund 90 Prozent aller Teilnehmer wünschten eine Arbeitszeitreduktion und würden dafür auch eine Lohnreduktion in Kauf nehmen.

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Text: SMA

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