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20 September 2019

Eine Stadt, die alles selbst kontrolliert.

Früher plante man eine Stadt anhand von Grundrissen, die man danach umsetzte. Dank der wachsenden Komplexität sind neue Lösungen für Städte erforderlich, die mit der heutigen Zeit mithalten können. Dazu eignen sich «Smart Cities», welche alle Tätigkeiten selbst lenken.

Laut einem UN-Bericht werden dank der Urbanisierung im Jahre 2050 voraussichtlich etwa zwei Drittel der Menschen in Städten leben. Das starke Bevölkerungswachstum führt dazu, dass sich Städte zu Mega-Metropolen entwickeln, die mehrere Millionen Einwohner zählen. Aus diesem Grund muss dafür gesorgt sein, dass die Menschen in den urbanen Räumen angenehm, effizient, gesund und umweltbewusst leben können. Wichtig ist auch, die Lebensqualität der Bürger zu steigern und die Städte intelligenter zu machen.

Gibt es bereits «Smart Cities»?

Die südkoreanische Stadt Songdo City gilt als modernste Stadt der Welt. Kameras überwachen den Städterummel, die Bewohner können über integrierte Kameras in den Fernsehgeräten mit der Aussenwelt kommunizieren und alles ist untereinander vernetzt. Unzählige Sensoren messen notwendige Daten wie das Verkehrsaufkommen und ermöglichen dadurch eine Reaktion in Echtzeit. Im europäischen Vorreiter Barcelona ermöglichen Datenle- ser eine sauberere Stadt, indem sie die Müllabfuhr über die zu leerenden Tonnen informieren. In der Schweiz haben die Städte das Potenzial für «Smart Cities» ebenfalls erkannt, jedoch stehen die Projekte noch am Anfang. Laut Prof. Tanja Hess, Dozentin an der HTW Chur und Prof. Dr. Thomas Hodel, Leiter des IMP an der HTW Chur, müssen die Vorstellungen und Wünsche der Menschen eine Stadt ausmachen, und nicht die gesammelten Daten, damit sich diese zu einer «Smart City» entwickeln kann.

Infrastruktur, Verkehr und Technologie

Um die Ziele einer «Smart City» zu erreichen, müssen die wichtigen Teilbereiche der Infrastruktur wie Umwelt, Energie und Verkehr intelligent vernetzt sein, um die Ressourcen hocheffizient zu nutzen. Die Algorithmen steuern die «Smart City» und gehören somit zur klassischen Infrastruktur.

In den «Smart Cities» ist die Mobilität entspannt und die Strassen weniger verstopft. Der Verkehr ist platzsparend, energieeffizient und möglichst störungsfrei geregelt. In der finnischen Hauptstadt Helsiniki testet man seit 2013 flexible Busfahrten, welche Passagiere online oder per SMS bestellen und bezahlen können. In Barcelona geben Sensoren Auskunft über die Auslastung von Parkplätzen in der Stadt. Eine App führt dann den Fahrer auf direktem Weg zum freien Parkplatz. Somit erheben die Sensoren die Daten und Werte zum Verkehrsaufkommen und der Emission und reduzieren diese. Um den idealen Weg anzugeben, stimmen sie die Taktung des öffentlichen Verkehrs sowie die Ampelschaltung auf den Fahrer ab.

Von der digitalen Transformation ist dank «Smart Building» auch die Bauwirtschaft betroffen. Mit der Arbeitsweise «Building Information Modelling» unterstützen digitale Modelle die Planung, Ausführung und den Betrieb eines Gebäudes. Die Begehung eines Gebäudes findet noch vor Beginn des Baus mit Virtual Reality statt. Neben Produktivitätssteigerung und erhöhter Kosten- und Terminsicherheit, kann man mit BIM auch Probleme wie Fehlplanung bereits zu einem früheren Zeitpunkt feststellen und rechtzeitig korrigieren. Das Internet of Things (IoT) vernetzt in der Betriebsphase relevante Gebäudedaten. Damit jedes Projekt, welches auf BIM basiert, auch erfolgreich sein kann, ist eine offene und transparente Zusammenarbeit notwendig.

Die Stadt der Zukunft basiert auf den Ideen und Daten der Menschen. Somit verändern sich auch das Zusammenleben und die Arbeit, da die gleichzeitige Vernetzung in die Welt zu einem anderen Arbeitsstil führe, Prof. Hess und Prof. Dr. Hodel.

Vor-und Nachteile

Die Städte der Zukunft bringen voraussichtlich gewisse Vor- und Nachteile. Bezüglich der Ressourcen ermöglichen «Smart Cities» die Lösung für Orte mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Sie steigern die Lebensqualität der Bewohner und tragen somit stark zur positiven Entwicklung der Menschheit bei, sagen Prof. Hess und Prof. Dr. Hodel.

Ein grosser Nachteil sind die Veränderungen, da Menschen Mühe mit diesen haben. Laut den Experten ist dies insbesondere der Fall, wenn die Veränderungen einschneidend sind und so erfolgen, dass Menschen ihnen ausgeliefert sind und nicht ausweichen können.

Das Funktionieren von «Smart Cities» basiert auf Daten und fortgeschrittener Technologie. Die dezentralen Systeme, die alle ihre eigenen Absichten verfolgen und gut zusammenspielen, entscheiden in der Zukunft über vieles und versuchen die Menschen zu lenken. Die Lösungen entsprechen genau den Bedürfnissen, sodass man sie annimmt. Dies kann sich negativ auf den unabhängigen Menschen auswirken, da dieser vermehrt auf die selbstauslösenden Aktivitäten zurückgreift. Um die Menschen richtig zu vernetzen, muss man eine Lösung für die Verantwortungsübernahme der Daten finden. Viele Menschen fürchten sich vor einem Überwachungsstaat, denn irgendjemand muss ja alles kontrollieren, sei es die Regierung oder die Besitzer der Infrastruktur.

Text: Sara Culum

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