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24 November 2020

Karriere und Familie unter einen Hut bringen.

Kinder kriegen und gleichzeitig beruflich aktiv und erfolgreich bleiben? Als Mutter Vollzeit arbeiten? Was lange Zeit als Widerspruch galt, ist tatsächlich auch heute noch eine Herausforderung – aber eine, die man durchaus bewältigen kann.  

In vielen Familien müssen aus finanziellen Gründen beide Elternteile arbeiten, für alleinstehende Mütter und Väter gilt oft das Gleiche. In einer solchen Situation braucht man gar nicht erst über Themen wie Teilzeitpensen oder Karrierechancen zu sprechen. Ist es also ein Luxusproblem, wenn sich gut verdienende Paare Gedanken zu solchen Fragestellungen machen? Keineswegs, denn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nicht nur für den einzelnen Menschen wichtig, sondern auch für die Gesellschaft. Wenn gut ausgebildete Männer und Frauen wegen der Kinder ihren Beruf aufgeben, ist das in ökonomischer und sozialer Hinsicht ein Verlust.

Langjährige Pause nicht sinnvoll

Das traditionelle, über Jahrzehnte gesellschaftlich bevorzugte Modell ist bestens bekannt. Mit der Geburt des ersten Kindes gibt die Frau ihren Job auf und kümmert sich um die Erziehung der Kinder. Wenn diese alt genug sind, beginnt sie allenfalls wieder mit Teilzeit oder Vollzeitarbeit. Dieses System funktioniert heute in vielen Berufen nicht mehr, weil sich die Anforderungen und Gegebenheiten rasch ändern und man nach zehn, fünfzehn oder gar zwanzig Jahren nicht mehr einfach so einsteigen kann. Für Frauen ist es folglich von Vorteil, nach einer Geburt möglichst rasch in ihren Beruf zurückzukehren. Auch wenn es «nur» Teilzeit ist. Dadurch bleiben sie à jour und verlieren nicht den Anschluss. Dasselbe gilt ebenso für Väter, obwohl sie von der Problematik deutlich seltener betroffen sind als Mütter.

Auch heutzutage stösst man mancherorts noch auf Unverständnis, wenn man als Mutter Vollzeit arbeiten will.

Finanzielle und gesellschaftliche Hürden

Für Frauen sind moderne Arbeitsmodelle entscheidend, damit sie sich sowohl ihren Kinderwunsch wie auch ihre beruflichen Ambitionen erfüllen können. In dieser Hinsicht stehen der Staat und die Arbeitgeber in der Verantwortung, die Rahmenbedingungen für junge Familien zu verbessern. Mehr und dafür weniger teure Krippenplätze wären ebenso wichtig wie zusätzliche Jobs, die in Teilzeit ausgeübt werden können. Ein weiterer Faktor ist die gesellschaftliche Akzeptanz: Auch heutzutage stösst man mancherorts noch auf Unverständnis, wenn man als Mutter Vollzeit arbeiten will. Oder als Vater, der ein Teilzeitpensum bevorzugt, weil er Zeit mit seinen Kindern verbringen und seinen Teil zur Arbeit im Haushalt beitragen will.

Frau in Führungsposition
Rechtzeitig mit Planung beginnen

Um Kinder und Karriere optimal zu koordinieren, ist vor allem eine frühzeitige und genaue Planung wichtig. In einer Partnerschaft kommt man nicht darum herum, offen die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen zu besprechen und sich im Detail zu überlegen, wer mit welchem Pensum weiterarbeiten kann und will. Diese Überlegungen müssen schon vor der Geburt des ersten Kindes angestellt werden. Wenn ein Paar keine Regelung trifft, kommt fast unausweichlich das traditionelle Modell zum Zug: Die Mutter bleibt zuhause beim Kind, der Vater arbeitet Vollzeit. Diese Tendenz wird in der Schweiz durch die arbeitsrechtlichen Realitäten begünstigt: Während der Mutter ein Mutterschaftsurlaub von 14 bis 16 Wochen zusteht, erhält der Vater oft nur einige Tage frei.

Was bietet die Firma?

Als Folge dieser Ungleichbehandlung schleift sich automatisch die herkömmliche Aufteilung ein. Die Mutter kümmert sich in den ersten Wochen um das Kind und den Haushalt, der Vater muss nach wenigen Tagen wieder arbeiten gehen. Dieses Muster wird dadurch rasch zur Normalität und dann oft so beibehalten, wenn der Mutterschaftsurlaub endet. Die Mutter kündigt ihren Job, der Mann behält seinen Vollzeit. Wer einen anderen Weg gehen will, muss deshalb vorher explizit eine Lösung vereinbaren und die nötigen Abklärungen treffen. Ein wichtiger Aspekt sind die Möglichkeiten, welche die jeweiligen Arbeitgeber bieten. Ist Teilzeitarbeit möglich? Ist «Home Office» eine mögliche Variante? Gibt es im Unternehmen ein Betreuungsangebot für die Kinder von Mitarbeitern? Existiert eine interne Beratungsstelle für ebendiese Fragen?

Die Weiterbildungen sind in der Regel so ausgelegt, dass sie berufsbegleitend besucht werden können.

Babypause als Karrierechance

Bei der Wahl des passenden Familienmodells muss man sich auch bewusst sein, welche Auswirkungen beispielsweise ein Teilzeitpensum auf die Karriereaussichten hat. In vielen Unternehmen ist es leider nach wie vor so, dass Vollzeit-Arbeitnehmer in dieser Hinsicht bevorzugt werden. Andererseits kann eine «Auszeit» nach der Geburt eines Kindes auch bewusst für eine Weiterbildung genutzt werden. Wer beispielsweise einen MBA oder einen EMBA absolvieren will, kann das allenfalls mit der Betreuung des Kindes kombinieren. Die Weiterbildungen sind in der Regel so ausgelegt, dass sie berufsbegleitend besucht werden können. Bei einigen sind die Module in die Abendstunden oder auf die Wochenenden festgelegt, bei anderen wiederum beansprucht der Studiengang nur zwei oder drei Wochentage. Die finanziellen Kosten der Ausbildung können allerdings ein Hindernis sein – aber gute Arbeitgeber beteiligen sich oft daran, weil sie ebenfalls davon profitieren.

Eltern tut die Arbeit gut

Wer nach der Geburt eine Weiterbildung macht oder bald wieder zur Arbeit geht, kann es als Belastung empfinden, das Kind zur Betreuung in fremde Hände zu geben. Insbesondere dann, wenn aus dem Umfeld negative Reaktionen gegenüber dem gewählten Familienmodell kommen. Ein schlechtes Gewissen muss man oder frau heute aber gewiss nicht mehr haben, wenn sie oder er den Sprössling morgens vor der Arbeit in die Krippe bringt. Das Ausüben eines Berufs ist für Mütter und Väter ebenso wichtig wie für jeden anderen Menschen. Das Erledigen einer wichtigen Arbeit ist gut für das Selbstvertrauen, ermöglicht sozialen Austausch und Abwechslung vom Alltag zu Hause. Anders formuliert: Wenn die Eltern glücklich sind, sind es auch die Kinder.

Text Remo Bürgi

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