2.8 C
Zürich
28 März 2020

Aktiv dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Jeder will sie, doch nicht selten gibt es zu wenige von ihnen: qualifizierte Arbeitskräfte. Betroffen sind insbesondere Branchen wie die Industrie, wo sich aufgrund der Automatisierung die Anforderungen an die Mitarbeitenden zunehmend erhöhen. Die Problematik betrifft indes nicht nur die Bildungspolitik – die Arbeitgeber sind ebenfalls wichtige Player. Player, die profitieren können. Wer sein Personal bei der Aus- und Weiterbildung fördert, hilft nicht nur der Branche, sondern auch sich selber.

Die Schweiz verfügt mit ihrem dualen Bildungssystem über viel Flexibilität und ein breites Angebot. Ob Berufslehre oder Matur: Beide Wege in den Arbeitsmarkt ermöglichen eine Ausbildung, welche auf die persönlichen Fähigkeiten und Interessen zugeschnitten ist. Gleichzeitig berücksichtigt die Bildungsstruktur auch die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes, also der Wirtschaft. Dazu ist es unerlässlich, dass man die Inhalte immer wieder optimiert und anpasst. Ein Beispiel dafür sind die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). In diesen Bereichen existiert seit Jahren ein Angebotsmangel auf dem Arbeitsmarkt, weil sich zu wenig Junge für eine Ausbildung oder ein Studium in diesen Metiers entschieden. Mit bildungspolitischen Massnahmen versucht man nun Anreize zu schaffen, um insbesondere auch mehr junge Frauen für MINT-Fächer zu begeistern.

Interesse wecken und engagieren

Unternehmen tun gut daran, wenn sie die Förderung und Rekrutierung von Nachwuchs in ihrer Branche unterstützen. Seien es Projekte für Gymnasiasten oder Schnuppertage für künftige Berufslehr-Absolventen: Aktiver Support aus der Wirtschaft ist eine wichtige Ergänzung zu den bildungspolitischen Massnahmen. Wer sich als Unternehmen engagiert, hilft zudem nicht nur der Branche, sondern selbstverständlich auch sich selbst. Die Möglichkeit, sich dabei als innovative und moderne Organisation zu positionieren, kann beim «Kampf» um den talentierten Nachwuchs ein gewichtiger Vorteil sein.

Mit bildungspolitischen Massnahmen versucht man nun Anreize zu schaffen, um insbesondere auch mehr junge Frauen für MINT-Fächer zu begeistern.

Gemäss einer Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO zum Fachkräftemangel lassen sich bei betroffenen Branchen häufig ähnliche Indikatoren feststellen. Dazu gehören etwa ein starkes Beschäftigungswachstum, ein tiefer Frauenanteil und eine tiefe Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig überdurchschnittlichen Qualifikationsanforderungen. Anders ausgedrückt: Die Branche boomt, die Unternehmen finden aber zu wenig qualifizierte Arbeitskräfte. Die demografische Entwicklung verstärkt diese Problematik. Die Babyboomer-Generation erreicht das Pensionsalter, die nachrückenden Jahrgänge vermögen diese Lücke nicht auszufüllen. Darüber hinaus können die gesuchten Fachkräfte aufgrund der eingeschränkten Zuwanderung (Stichwort «Masseneinwanderungsinitiative») nur bedingt im Ausland rekrutiert werden.

Informieren, beraten, begleiten

Die logische Konsequenz: Neben der Förderung des Nachwuchses muss das Augenmerk darauf gelegt werden, die Qualifikation jener Arbeitnehmer zu erhöhen, die bereits im Markt tätig sind. Entscheidend ist, dass Unternehmen die Verantwortung dafür nicht nur den Angestellten überlassen, sondern diese aktiv bei der Suche nach passenden Weiterbildungen oder Umschulungen unterstützen. In grösseren Organisationen übernimmt oft die HR-Abteilung die Aufgabe, die Mitarbeitenden zu informieren, zu beraten und beim Ausbildungsprozess zu begleiten. Wenn KMU diese Unterstützung nicht intern anbieten können, sind externe Berater oder die entsprechenden Fachstellen der Bildungsstätten eine mögliche Alternative.

Bildung kostet – und lohnt sich

Neben dem ideellen Support benötigen Arbeitnehmer oft auch finanzielle Unterstützung, um eine Weiterbildung oder eine Schulung absolvieren zu können. Insbesondere für Personen mit Familie ist es nicht realisierbar, währenddessen auf das Einkommen oder einen Teil davon verzichten zu müssen. Mit der Finanzierung der Weiterbildung bzw. dem «Zur-Verfügung-Stellen» von bezahlter Arbeitszeit haben es Unternehmen in der Hand, ihren Mitarbeitenden eine höhere Qualifikation zu ermöglichen. Mit einem Vertrag, der beispielsweise auch eine Vereinbarung über den weiteren Verbleib im Unternehmen einschliesst, kann der Arbeitgeber sicherstellen, dass er selber von seinem Investment in das Know-how des Mitarbeiters profitiert.

Insbesondere für Personen mit Familie ist es nicht realisierbar, währenddessen auf das Einkommen oder einen Teil davon verzichten zu müssen.

Eine kürzlich publizierte Studie von Adecco und der Boston Consulting Group unterstreicht die Bedeutung von unternehmensinternen Beratungs- und Finanzierungsangeboten. Bezogen auf die Schweiz stellt die Untersuchung nämlich fest, dass lediglich 24 Prozent der Arbeitnehmenden hierzulande aktiv nach persönlichen Kompetenzlücken suchen. Demgegenüber erwarten aber gut zwei Drittel der Angestellten, dass ihr Arbeitgeber Weiterbildungsmöglichkeiten für sie entwickelt. Diese eher passive Haltung verdeutlicht die wichtige Rolle der Unternehmen im Hinblick auf die Förderung der Qualifikation von Arbeitnehmenden.

Schweizer vertrauen Bildungsstätten

Eine Weiterbildung oder Umschulung kann sowohl intern wie auch bei einem externen Anbieter absolviert werden. Berücksichtigt werden sollten bei dieser Wahl die persönlichen Voraussetzungen und Wünsche der Mitarbeitenden. Gemäss der erwähnten Studie von Adecco und der BCG bevorzugt die Hälfte der hiesigen Arbeitnehmenden eine Weiterbildung bei einem externen Anbieter, während dieser Wert im internationalen Schnitt nur bei 37 Prozent liegt. Das Vertrauen in die Bildungsangebote der Schweizer Universitäten, Fachhochschulen und Berufsschulen mag mit der Durchlässigkeit des Bildungssystems zusammenhängen: Für praktisch jeden individuellen Hintergrund existiert ein passender Ausbildungsgang.

 

Lesen Sie mehr.

Mit Kind und Kegel die Natur erleben

Viele Familien befinden sich aktuell in der finalen Phase der Ferienplanung für die Sommerferien 2018. Denn diese stehen in Bälde wieder vor der Tür. «Fokus Outdoor» stellt der Leserschaft dabei einige Vorschläge rund ums Familiencamping vor.

Diese 8 Oasen erreicht man ganz einfach mit dem ÖV

Am Hauptbahnhof in Zürich in den Zug steigen, beim nächsten Abenteuer wieder aussteigen. Das Reisen mit dem öffentlichen Verkehr ist simpel, gemütlich und stressfrei.

Roman Wick rockt nicht nur auf dem Eis

Im Interview plaudert der Gitarrist und ZSC Lions Spieler über die Playoffs, seine Zukunftspläne und wieso ihn seine musikalische Ader zu einem besseren Sportler macht.

Kariem Hussein: «Jeder Spitzensportler möchte gewinnen!»

Kariem Hussein hat das Staatsexamen bestanden und darf sich offiziell Arzt nennen. Obwohl er seinen Körper kennt und versteht, ist auch der Hürdenläufer nicht immun gegen Verletzungen. Nach einem schwierigen Jahr setzt er alles daran, sich an die Weltspitze zurückzukämpfen.

Zwischen Mensch und Maschine

Transhumanismus ist die Idee, die Grenzen menschlicher Möglichkeiten zu verschieben. Noch handelt es sich dabei um ein Nischenphänomen. Das Potenzial der transhumanistischen Ansätze ist umso grösser – und könnte bald alle betreffen.

Peter Spuhler: «Mit dem ÖV leistet insbesondere die Bahnbranche einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz»

Peter Spuhler hat den Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler zu einem der erfolgreichsten Schweizer Unternehmen gemacht. Seit diesem Jahr hat er die operative Führung abgegeben und fokussiert sich nun auf die strategischen Aufgaben von Stadler. Mit «Fokus nachhaltig heute & morgen» spricht er über sein heutiges Leben und wie sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit beeinflussen.

Archiv.

Hochzeiten gewinnen an Individualität

Die heutige Zeit wird immer schneller und digitaler. Gerade deswegen vertrauen wir stärker als je zuvor in die Gemeinsamkeit und in die Ehe.