23.3 C
Zurich
19 Juli 2019

Die unentdeckten Perlen Europas.

Paris, London, Rom oder Barcelona. Diese Namen und weitere «übliche Verdächtige» fallen häufig, wenn es um die Frage nach einer passenden Destination für den nächsten Kurzurlaub geht. Aber warum nicht mal den eigenen Horizont erweitern und gegen den Strom schwimmen?

Einmal gemütlich Platz nehmen auf der berühmten Spanischen Treppe und sich mit einem Münzwurf im glückbringenden Trevi-Brunnen verewigen. Historische Pariser Museen erkunden und den Eiffelturm zu Fuss erklimmen. Schlendernd auf dem kultigen Camden Market nach Modeschätzen stöbern oder léger der belebten La Rambla in Richtung Hafen entlangspazieren. Bucket-List check! Aber irgendwie sah das auf den Bildern im Reiseprospekt ein wenig leerer aus, werden manche genervt, in Schlangen anstehend, resümieren.

Tourismus-Magneten meiden

Das Problem: Die Metropolen Europas ziehen praktisch zu jeder Jahreszeit Scharen von erlebnishungrigen Touristen an, welche sich um die beliebten Sehenswürdigkeiten drängen und mit dem Finger auf dem Kameraauslöser auf «Abfertigung» warten. Jeder, der schon einmal in den genannten Städten unterwegs war, wird nun wohl oder übel kopfnickend zustimmen. Die simple Lösung: Einfach mal über den berühmten Tellerrand schauen und Mainstream Destinationen meiden. Es lohnt sich. Denn es gibt unzählige andere Städte und Regionen, welche nur darauf warten, bereist und erkundet zu werden. Und das erst noch ohne mühsames Gedränge. Dafür inklusive Erholung ohne Schlange zu stehen.

Verkappte Hauptstadt Europas

Gilbert Gress wird sich freuen. Die Geburtsstadt des ehemaligen Fussballtrainers und Kult-Brillenträgers, liegt nur eine eineinhalbstündige Autofahrt von der Schweizer Grenze entfernt. Die Rede ist nicht von Brüssel sondern von Strassburg. Zahlreiche europäische Einrichtungen befinden sich in der grössten elsässischen Stadt, unter anderem der Europarat sowie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.

Es gibt unzählige andere Städte und Regionen, die nur darauf warten, bereist und erkundet zu werden.

Die historische, vom Fluss Ill umflossene Altstadt «Grande Île», ist seit 1988 Teil des  UNESCO-Weltkulturerbes. Und jetzt kommts: Wie Paris hat auch Strassburg eine «Cathedrale Notre Dame» als Wahrzeichen. Mit dem Unterschied, dass dieses im romanischen und gotischen Stil erbaute Münster, die nächsten Jahre für Touristen tatsächlich zugänglich sein wird. 

Auf den Spuren von Robin Hood

Die Legenden um den König der Diebe sind zwar grösstenteils frei erfunden, doch soll Robin Hood im Sherwood Forrest gelebt und von dort aus im Namen des Volkes, seine Raubzüge verübt haben. In den «East-Midlands» gelegen – einer Region von aussergewöhnlicher natürlicher Schönheit – und nur etwa 200 km von London entfernt, befindet sich die historische Stadt Nottingham. Eine der Hauptattraktionen ist ein für Touristen zugängliches unterirdisches Höhlenlabyrinth, welches vor Jahrhunderten in den sandigen Kalkstein gehauen wurde. Das (angeblich) älteste Pub in ganz England, das «Ye Olde Trip To Jerusalem», nutzt die perfekt temperierten Gewölbe als Lagerräume. Na dann Prost! Aber auch der kulturelle Durst lässt sich zu genüge stillen. Gleich um die Ecke, erhebt sich auf dem Castle Rock erbaut, das Nottingham Castle. Es beherbergt ein Museum sowie eine national bekannte Kunstgalerie. Für «Chilbi-Liebhaber» bietet sich jeweils in der ersten Oktoberwoche die Möglichkeit, die «Goose Fair», einer der grössten Jahrmärkte des Landes zu besuchen.

Nur etwa 200 km von London entfernt, befindet sich die historische Stadt Nottingham.

Trüffel, fertig, los

Dolce far niente. Bella Italia ist immer eine Reise wert. Fernab der Küstenhotspots im Süden liegt das wunderschöne und touristisch noch nicht sonderlich erschlossene Piemont. Die an die Schweiz angrenzende Region, ist bekannt für beste erlesene Küche und Weine wie zum Beispiel den Barolo. Vor allem steht es aber für eine der teuersten Spezialitäten der Welt – den Trüffel. In Alba, einer kleineren Stadt am Rande der Poebene findet jährlich eines der bekanntesten Trüffelfestivals statt. Die «Fiera Internazionale Tartufo Bianco d’Alba» erstreckt sich über eineinhalb Monate. Wer sich also für ein paar Tage kulinarisch verwöhnen lassen möchte, ist hier goldrichtig. Wer auf seine Linie achten sollte und es etwas urbaner mag, dem ist die Autostadt Turin nahezulegen. Die Hauptstadt des Piemonts und Heimat von Fiat, beheimatet architekturgeschichtlich wichtige Baudenkmäler und das bei Pilgern als das Tuch Jesus verehrte «Turiner Grabtuch», welches im städtischen Dom aufgebahrt wird.

Das Schlaraffenland am Hafen

«La mar besa la montaña» – wo das Meer die Berge küsst, wie die Einheimischen zu sagen pflegen. Kantabrien, am Golf von Biscaya, bezaubert mit einem einmaligen Kontrast zwischen steil abfallenden Granitfelsen und wildschäumendem Meer. Die Hafenstadt Santander mit seinem Stadtstrand im Viertel «El Sardinero» ist zugleich Hauptort der spanisch autonomen Gemeinschaft. Ein zwei Tage wütender Grossbrand im Jahre 1941 zerstörte einen Grossteil des historischen Stadtkerns unter anderem auch eine gotische Kathedrale. Rund um den Hafen «Puerto Chico» befinden sich heute trendige Bars und Restaurants. Ein wahres Schlaraffenland für Vino Tinto und Tapas Liebhaber. Entlang der Küstenlinien heisst das Motto hingegen «eat-surf-sleep-repeat». Die Region gehört zu den besten Surfregionen am Atlantik und ist aufgrund seiner Abgeschiedenheit ein wahres Paradies für Wellenreiter. Und wer früh genug aufsteht, hat das «Lineup» ganz für sich alleine und muss nicht Schlange stehen.

Text: Adrian Georg Seidl

 

Vorheriger ArtikelDie Jahre im Kinderheim
Nächster ArtikelArtenvielfalt in der Höhe

Lesen Sie mehr.

Peter Spuhler: «Mit dem ÖV leistet insbesondere die Bahnbranche einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz»

Peter Spuhler hat den Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler zu einem der erfolgreichsten Schweizer Unternehmen gemacht. Seit diesem Jahr hat er die operative Führung abgegeben und fokussiert sich nun auf die strategischen Aufgaben von Stadler. Mit «Fokus nachhaltig heute & morgen» spricht er über sein heutiges Leben und wie sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit beeinflussen.

Remo Käser bringt frischen Wind in den Schwingsport

Remo Käser (22) ist präsent. Nicht nur im Sägemehl, sondern auch in den (sozialen) Medien. Damit sticht er aus der traditionellen Schwingerwelt heraus, wo mit Jodel, «Chäsbrätel» und «Munis» noch Schweizer Urtümlichkeit gelebt wird.

Die Gleichstellung beginnt früh

Die meisten Kinder haben einen Berufswunsch. Zum Zirkus, ins All oder im Park mit Hunderten von Hunden – nur wenige Beispiele für Berufe, in welchen sich Kinder später sehen. Wie die spätere Berufswahl sind bereits diese Vorstellungen oft von der Geschlechterdarstellung im Kinderzimmer beeinflusst.

Wird der Fachkräftemangel zur Innovationsbremse?

Der Fachkräftemangel ist seit Jahren das Schreckgespenst der Wirtschaft. Eine Untersuchung des SECO zeigt, dass es sich dabei um ein äusserst reales Problem handelt. Mit äusserst realen Auswirkungen auf die KMU.

Das nächste Level der Werbung

Die Werbeindustrie besitzt viel Macht und ist für so einige gesellschaftliche Trends mitverantwortlich. Doch der Kampf um die Aufmerksamkeit ist hart und lässt keine Verschnaufpause zu. Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, müssen Marketingexperten ständig neue Strategien und innovative Ideen umsetzen.

Menschenleere Fabrikräume

Was die Maschine heute macht, machte früher der Mensch. Wir leben in einer Welt, aus der die Industrie und das Internet nicht mehr wegzudenken sind. Doch wie kam es dazu, dass wir heute jedes Produkt als selbstverständlich ansehen?

Archiv.

Hochzeiten gewinnen an Individualität

Die heutige Zeit wird immer schneller und digitaler. Gerade deswegen vertrauen wir stärker als je zuvor in die Gemeinsamkeit und in die Ehe.