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Zurich
19 Mai 2019

Artenvielfalt in der Höhe.

Viele SchweizerInnen freuen sich schon jetzt auf den ersten ausgedehnten Wanderausflug in die Berge. Gerade in der warmen Jahreszeit ist dabei die alpine Tier- und Pflanzenwelt ein absolutes Highlight. «Fokus Outdoor» hat eine Auswahl der Bewohner der Höhen zusammengestellt.

Man muss Glück haben, um die grösseren Bewohner der Bergwelt anzutreffen. Erspäht man aber einen, ist es ein unglaubliches Erlebnis.

Gämse mit ihrem Kitz
Gämse mit ihrem Kitz

Die Gämse

Die Gämse ist optimal an ihren Lebensraum im Gebirge angepasst. Riecht sie eine Gefahr, flieht sie in die Felsen, über Schutthalden oder in den Krummholzgürtel. Sie stellt sich dabei äusserst geschickt an. Gämsen bleiben auch im Winter in höheren Lagen. Nahrung finden sie im Bereich von schneefreien Graten oder indem sie mit den Hufen im Schnee scharren. Die Gämse steht zwar nicht auf der Roten Liste von bedrohten Tierarten, die Population in der Schweiz nimmt jedoch seit Jahren kontinuierlich ab. Bund, Kantone und Jäger wollen nun die Abschüsse auf die Gämse vermehrt kontrollieren. Eine Erholung des Bestandes braucht jedoch Zeit.

Steinadler
Steinadler

Der Steinadler

Mit einer Spannweite von 2.2 Metern beeindruckt der Steinadler nicht nur Murmeltiere. Diese sind im Sommer die Hauptnahrungsquelle des «Königs der Lüfte». Im Winter macht Aas von Huftieren einen hohen Anteil an seiner Nahrung aus. Der Steinadler ist dem Schicksal der Ausrottung knapp entgangen. Ursprünglich war er in ganz Mitteleuropa verbreitet. Menschliche Verfolgung dezimierten die Bestände zu Beginn des 20. Jahrhunderts und brachten sie auf einen Tiefststand. Strenger Schutz hat den Steinadler vor der Ausrottung gerettet. Heute hat er keine natürlichen Feinde mehr, braucht aber ausreichend Platz, um in Ruhe seine Brut aufzuziehen. Der Steinadler ist sehr territorial und vernachlässigt bei regelmässigem Eindringen von Artgenossen die Aufzucht zugunsten der Verteidigung seines Reviers.

Der Steinadler ist dem Schicksal der Ausrottung knapp entgangen.

Steinbock
Steinbock

Der Steinbock

Gebirgsspezialist und Schwergewicht: Bis zu 90 Kilogramm kann ein ausgewachsener Bock wiegen und trotzdem ist er Weltmeister im Klettern. Steinböcke wagen sich auf die schmalsten Grate und Klippen und legen, wenn nötig weite Strecken zurück. Grundsätzlich bewegen sie sich aber möglichst langsam, um Energie zu sparen. Das ist Teil einer wichtigen Überlebensstrategie in der meist hochalpinen Umgebung. Der Steinbock war 1650 in weiten Teilen des Alpenraumes ausgerottet. Seine geringe Scheu und der Glaube des Menschen an die wundersame Heilwirkung von Steinbockpräparaten wurden ihm zum Verhängnis. Dank eines Schmuggels von drei Tieren vom Aostatal in die Schweiz und eines Zuchtprogramms in einem Tierpark in St. Gallen fanden die Steinböcke wieder zurück. Heute leben um die 12 000 Steinböcke in der Schweiz und 45 000 im gesamten Alpenraum.

Kreuzotter
Kreuzotter

Die Kreuzotter

Aufgepasst! Kreuzottern sind leicht reizbar und in diesem Zustand für den Menschen nicht ungefährlich. Ihr Biss ist giftig und kann bei erwachsenen Menschen von Übelkeit und Kopfschmerzen, bis zu einem Kreislaufkollaps führen.

Ihr Gift setzen sie aber vor allem zur Erlegung ihrer Beute ein – Mäuse, kleine Vögel, Frösche und Bergeidechsen. Trotz ihrer wechselwarmen Natur überlässt die Kreuzotter die warmen Täler der Schweiz anderen Arten. Sie findet sich lieber im kühleren Graubünden als im warmen Wallis. Hier suchen sich Kreuzottern dann aber doch bevorzugt Geröll und felsige Südhänge als Lebensraum. Die Kreuzotter nutzt die Sonnenenergie effizienter als andere Arten, indem sie ihren Körper stark abplattet, in einen steilen Winkel zur einfallenden Strahlung stellt und damit die Absorptionsfläche vergrössert.

Trotz ihrer wechselwarmen Natur überlässt die Kreuzotter die warmen Täler der Schweiz anderen Arten.

Schweizer Alpin-Flora

Der Begriff Alpin-Flora bezeichnet alle Pflanzenarten, die im Bereich der Alpen oberhalb der Baumgrenze vorkommen. Etwa 1000 Alpenblumen sollen in der Schweiz beheimatet sein. Viele davon vom Aussterben bedroht und daher geschützt. Sie dürfen weder gepflückt, ausgegraben noch vernichtet werden.

Alpine Pflanzen sind mythenbeladen. Früher wurde vielen von ihnen Zauberkräfte zugeschrieben. Einige dienten gegen das «Berufen» (Verzaubern, Verhexen). Einigen Pflanzen werden Unheil anziehende Wirkungen nachgesagt. Der Frühlingsenzian darf beispielsweise nicht mit ins Haus genommen werden, da er Blitze anzieht. Das Gegenteil wird von der Hauswurz gesagt: Auf Dächer gepflanzt soll sie Blitze abhalten.

Enzian
Enzian

Enzian

Viele Enzianarten haben die im Pflanzenreich seltene reinblaue Blütenfarbe, weshalb diese Enziane zum Symbol der Treue wurden. Am bekanntesten ist hierzulande wohl der blaue Enzian. Die «Wurzelstöcke» einiger Enzian-Arten werden seit dem Mittelalter zur Herstellung von Schnaps, als Arzneimittel und zur Appetitanregung verwendet. Alle europäischen Enzian-Arten sind geschützt, sie dürfen also weder gepflückt noch ausgegraben werden. Daher werden Versuche unternommen, den für die Schnapsherstellung benötigten Enzian zu kultivieren.

Edelweiss
Edelweiss

Edelweiss

Das Edelweiss ist wohl die bekannteste und symbolträchtigste Vertreterin der alpinen Pflanzenwelt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind wollig-weiss, filzig und stark behaart. Dabei werden die weissen Hochblätter oft für die eigentliche Blüte gehalten. Hiervon stammt auch der Name der Pflanze ab. Die Scheinblüte bleibt auch bei Kälte bestehen und ist somit bis in den Winter hinein zu finden. Auch das Edelweiss ist geschützt und darf nicht gepflückt oder ausgegraben werden.

Alpenrosen
Alpenrosen

Alpenrose

«Alperose, chömme mir i Sinn…» sang Polo Hofer im Hit «Alperose» und verhalf der Blume damit zu schweizweiter Berühmtheit. Auch sie ist eine typische Vertreterin der alpinen Flora. Die leuchtend hellroten Blüten riechen auffällig stark und sind glockig-trichterförmig. Als Bestäuber fungieren langrüsselige Hummeln. Die Alpenrose ist wunderschön, gehört aber definitiv nicht zu den essbaren Blumen. Im Gegenteil, die ganze Pflanze ist sehr giftig – und das für Mensch und Tier. Bei höheren Dosen können Atem- und Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle auftreten, welche im Unglücksfall tödlich enden. Also besser nur mit den Augen geniessen und dazu die mitgebrachte Schokolade verspeisen.

Sind die Wanderschuhe schon geschnürt? «Fokus Outdoor» wünscht viel Spass beim Erkunden der alpinen Flora und Fauna.

Text: Mona Martin

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