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20 Juli 2019

Das offene Geheimnis der Schweizer Talente.

Nach dem Global Talent Competitiveness Index (GTCI) 2019 ist die Schweiz bereits das sechste Jahr hintereinander die Nummer eins in Sachen Talent-Wettbewerbsfähigkeit. Der wirtschaftlich starke Nachbar Deutschland belegt dabei lediglich den 14. Rang. Was sind die Gründe für das kontinuierlich gute Abschneiden der Schweiz?

Der GTCI misst inwiefern ein Land im Stande ist, Humankapital hervorzubringen, anzuziehen und zugunsten einer florierenden Wirtschaft einzusetzen. Dass die Schweiz in diesem Ranking so weit vorne mitmischt, mag unter anderem an ihrer zentralen geografischen Lage und ihrer guten Infrastruktur liegen. Das zieht Unternehmen und somit auch Arbeitskräfte an. Das Land scheint aber auch selbst eine Talentschmiede zu sein. Daher lohnt es sich, einen genaueren Blick auf das ausgeklügelte Bildungssystem zu werfen.

Breit gefächerte Bildung

Das Schweizer Bildungssystem legt den Fokus nicht alleine auf akademische Ausbildung, sondern auch auf die Ausbildung spezifischer Fachkräfte. Die Ausbildungen orientieren sich an tatsächlich nachgefragten beruflichen Qualifikationen und an den zur Verfügung stehenden Arbeitsplätzen. Im Rahmen einer sogenannten dualen Ausbildung drücken die angehenden Fachkräfte in einer zwei bis vierjährigen Berufslehre die Schulbank und eignen sich so sowohl Allgemeinwissen als auch fachspezifische Theorie an. Gleichzeitig arbeiten sie Teilzeit in einem Betrieb, wo sie die Theorie in die Praxis einbringen und praktische Fähigkeiten ausbilden können. So lernt sie oder er die Unternehmenskultur von Grund auf und trainiert sogleich den sozialen Umgang mit Mitarbeitenden und den Kundenkontakt. Im Normalfall verbringen Auszubildende die ganze Ausbildungszeit im gleichen Unternehmen. Es gilt also auch, allfällige interne Probleme konstruktiv zu lösen, um eine erfolgreiche langfristige Zusammenarbeit zu ermöglichen. Diese Kombination von theoretischem und praktischem Fachwissen plus das Erlernen von Soft Skills entspricht einem gefragten Arbeitnehmendenprofil.

Im Rahmen einer sogenannten dualen Ausbildung drücken die angehenden Fachkräfte in einer zwei bis vierjährigen Berufslehre die Schulbank.

Weiterbildung ist möglich

Laut des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) entscheiden sich zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer für eine berufliche Grundbildung, wie sie oben beschrieben ist. Dabei ist für Arbeitgebende und -nehmende gleichermassen attraktiv, dass nach Abschluss der beruflichen Grundbildung verschiedenste Weiterbildungswege offenstehen. Der gängige Weg ist ein Abschluss der höheren Berufsbildung: ein eidgenössisches Diplom oder Fachausweis. Danach oder auch schon dazwischen ist ein Übergang an die Hochschulen (Fachhochschule, Universität oder ETH) möglich. Mit der nötigen Motivation, den erforderten Leistungen und der Unterstützung der Arbeitgebenden, bestehen also diverse Optionen zur Weiterentwicklung. Diese Durchlässigkeit im Ausbildungsbereich liefert ausserdem die nötige Flexibilität, um mit wirtschaftlichen Entwicklungen mitzugehen.

Anpassungsfähigkeit

Im Zuge der Digitalisierung werden vermehrt Fähigkeiten gefragt, welche auf tertiärer Bildungsstufe, also an Hochschulen, vermittelt werden. Und tatsächlich stieg der Prozentsatz an HochschulabgängerInnen in den letzten 20 Jahren kontinuierlich an. Ausserdem gibt es in der Schweiz immer weniger Menschen, die nach der obligatorischen Schulzeit keine weiterführende Schule oder Ausbildung angehen. Der Bildungsstand steigt also auch insgesamt. Das bringt wirtschaftliche Vorteile mit sich, wirkt sich aber auch auf die individuelle Situation und Befindlichkeit aus. So schreibt denn auch das Bundesamt für Statistik: «Durch Verbesserung des Ausbildungsniveaus kann ein besserer beruflicher Status erlangt werden mit allem, was dazugehört: Vorteile finanzieller Art, bei der sozialen Integration oder auch bei der persönlichen Verwirklichung.» Dies bedeutet keineswegs, dass alle einen Hochschulabschluss anstreben müssen, um solche Vorteile zu geniessen. Das SBFI bestätigt, dass sich die berufliche Stellung von AbsolventInnen höherer Berufsbildung nicht wesentlich von derjenigen von HochschulabgängerInnen unterscheidet. Beide sind also attraktiv für den Markt.

Der gängige Weg ist ein Abschluss der höheren Berufsbildung: ein eidgenössisches Diplom oder Fachausweis.

Den Anschluss nicht verlieren

Für Arbeitnehmende ist es aufgrund der zunehmenden Internationalisierung immer wichtiger, sich auch ausserhalb der Schweiz auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Hierfür muss der erworbene Abschluss in erster Linie im Ausland Gültigkeit haben und die Ausbildung sollte möglichst den ausländischen Anforderungen entsprechen. Um diese Kompatibilität zu gewährleisten, unterhält die Schweiz einen starken Austausch mit der EU und Drittstaaten. Das Interesse, welches der Schweiz dabei entgegenschlägt, lässt auf einen guten Ruf des hiesigen Bildungssystems und der hiesigen Bildungsinstitutionen schliessen.

Dieser Eindruck wird zudem dadurch bestätigt, dass eine zunehmende Zahl ausländischer Studierenden ihren Weg an Schweizer Universitäten findet. Dieses Argument wird auch dadurch nicht entkräftet, dass die Studiengebühren in der Schweiz vergleichsweise tief sind. Denn die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind dafür bedeutend höher als in den meisten anderen Ländern. Es bedeutet also nach wie vor einen beträchtlichen Aufwand, an einer helvetischen Universität zu studieren, besonders, wenn man aus einem wirtschaftlich schlechter gestellten Land stammt.

Für in der Schweiz wohnhafte ist die Zugangshürde durch die niedrigen Gebühren aber wohl schon tiefer als anderswo und mag dazu beitragen, dass die Anzahl tertiärer Abschlüsse ansteigt.

Durch ein breit gefächertes, durchlässiges, flexibles und vernetztes Bildungsangebot schafft es die Schweiz also, in Sachen Humankapital ganz vorne mitzumischen. So verwundert der Spitzenplatz im Ranking des Global Talent Competitiveness Index nicht.

Text: Mona Martin

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