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20 September 2019

Mujinga Kambudjis Gesundheit ist ihr tägliches Arbeitsmittel.

Sie ist schnell, sehr schnell sogar. Die Schweizer Sprinterin Mujinga Kambundji ist hierzulande über 100 und 200 Meter fast unschlagbar. Damit das so bleibt, braucht sie nicht nur sportliche Fitness, sondern auch eine gute Gesundheit. Was die 27-jährige Spitzenleichtathletin alles für ihr Wohlbefinden macht und weshalb sie nie einen Bus verpasst.

Mujinga Kambundji, wie geht es Ihnen zurzeit körperlich und mental?

Gut! Man hat immer irgendwo ein kleines «Wehwehchen», was im Spitzensport normal ist. Ab und zu meldet sich der Fuss oder eine kleine Erkältung. Aber von grossen und schlimmen Verletzungen bin ich bis jetzt verschont geblieben. Ich habe nichts, das mich im Training oder in den Wettkämpfen hindern würde. Gerade zu Beginn der Saison ist es für den Kopf manchmal schwieriger, wenn man wieder mit den Wettkämpfen beginnt und sieht, woran man noch arbeiten muss. Je mehr ich in die Saison komme, desto mehr komme ich in eine körperliche wie auch eine mentale Routine. Nach der erreichten WM- und Olympialimite im 100 und 200-Meter-Sprint geht es mir mental sowieso sehr gut. 

Wie gut hören Sie auf Ihren Körper?

Ich höre sehr gut auf meinen Körper und ich kann inzwischen gut differenzieren, was er braucht. Jedoch kommt immer wieder etwas Neues auf mich zu. Bei Beschwerden kann ich unterscheiden, ob es etwas ist, bei dem ich einfach auf die Zähne beissen muss und es lediglich ein bisschen Crème oder Tape braucht oder ob es wirklich etwas ist, wo ich das Training reduzieren und von einem Physiotherapeuten oder einem Arzt behandelt werden muss.

Was bedeutet für Sie Gesundheit im Allgemeinen?

Gesundheit ist für mich das Allerwichtigste. Gerade als Spitzensportlerin hat die Gesundheit nochmals einen höheren Stellenwert als bei anderen Menschen. Mein Körper und dessen Gesundheitszustand sind mein tägliches Arbeitsmittel und deshalb muss ich besonders darauf achten. Nur schon eine Erkältung hat einen grossen Einfluss auf meine Leistung. Ich kann sportlich noch so fit sein, wenn ich nicht wirklich gesund bin, hilft alles nichts.

Wie ernähren Sie sich, um fit und gesund zu bleiben?

Ich versuche mich sehr ausgewogen zu ernähren. Ich halte keine strenge Diät ein, sondern lege viel Wert auf Gemüse, Früchte, Proteine und Kohlenhydrate. Einziger Punkt, der für mich als Sprinterin wichtig ist, ist die Menge der Kohlenhydrate. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht zu viele davon esse, da meine Sportart zwar sehr intensiv ist, aber ich nur für kurze Zeit eine Belastung habe. Deshalb verbrenne ich im Vergleich zu anderen Sportarten nicht enorm viele Kalorien.

Hand aufs Herz. Haben Sie ein «Cheat Meal», auf das Sie unter keinen Umständen verzichten möchten?

Ich mag salzige «Cheat Meals» wie Chips sehr. Während der Saison habe ich jedoch kein Problem, darauf zu verzichten. Wenn ich nach der Saison eine Trainingspause habe und essen kann, was ich will, dann gönne ich mir schon die eine oder andere Chips-Packung. Das Problem ist nur: Wenn ich einmal damit angefangen habe, kann ich fast nicht mehr aufhören. Dies gleicht dann den Verzicht während der Saison wieder aus.

Den Tag durch versuche ich mich so wenig wie möglich zu bewegen, viel Wasser zu trinken und genug zu essen.

Wie sieht ein typischer Wettkampftag bei Ihnen aus?

Da meine Wettkämpfe fast immer abends stattfinden, schlafe ich am Morgen so lange aus, wie es mein Körper braucht, um optimal erholt zu sein. Dabei stelle ich auch keinen Wecker. Den Tag durch versuche ich mich so wenig wie möglich zu bewegen, viel Wasser zu trinken und genug zu essen. Besonders das bewusste Trinken ist sehr wichtig, da ich durch das wenige Bewegen keinen Durst bekomme und sonst vor dem Wettkampf plötzlich zu wenig Flüssigkeit zu mir genommen habe. Meistens gehe ich noch für zirka 30 Minuten nach draussen, um frische Luft zu schnappen, bevor es dann mit dem Wettkampf losgeht.

Wie beugen Sie Verletzungen vor?

Das Aufwärmen vor dem Training ist entscheidend. Dieses beinhaltet viel Gymnastik. Wichtig ist, dass beim Dehnen der Muskel nicht unter einer zu grossen Spannung ist. Mein Dehnen gleicht nicht dem einer Balletttänzerin. Dazu ist es unheimlich wichtig, dass ich gut auf meinen Körper höre und wenn etwas nicht stimmt, schnell handle und das Training anpasse.

Haben Sie ein Allerweltsmittel, mit dem Sie sicherlich nie krank werden?

Meine Mutter hat mir früher schon pflanzliche Heilmittel gegeben, wenn ich nicht fit war. Diese nehme ich auch heute noch. Im Winter bereite ich mir des Öfteren einen frisch gepressten Orangensaft oder einen Tee mit frischem Ingwer und Zitronen zu.

Man sagt, Regeneration sei genau so wichtig wie ein gutes Training. Halten Sie dies immer ein?

Meistens. Besonders nach den Wettkämpfen brauche ich Physiotherapie und Massage, um meinem Körper die nötige Regeneration zu geben. Wenn ich viele Termine habe, dann kommt als erstes oft die Regeneration zu kurz. Jedoch nehme ich mich im Vergleich zu früher immer mehr an der Nase, die Regenerationszeit wirklich einzuhalten.

Ich betreibe als Sprinterin in dem Mass Sport, dass ich keine langfristigen Folgeschäden davontrage. Das ist mir sehr wichtig.

Wenn wir schon beim Thema Gesundheit sind: Kann Leistungssport überhaupt gesund sein?

Klar gehen Spitzensportler sehr an ihre Grenzen, das sieht für manche Aussenstehende vielleicht nicht immer ganz «normal» aus. Während ein Hobbysportler eine Pause einlegt, muss der Spitzensportler gerade dann durchbeissen und Vollgas geben. Jedoch betreibe ich als Sprinterin in dem Mass Sport, dass ich keine langfristigen Folgeschäden davontrage. Das ist mir sehr wichtig.

Was raten Sie Menschen, die keinen Leistungssport machen, um gesund durchs Leben gehen zu können?

Ich empfehle ihnen genau das, was ich nicht mache (schmunzelt). Wenn man keine Zeit hat, Sport zu machen, finde ich es sehr wichtig, im Alltag die Treppen zu benutzen oder mit dem Velo und zu Fuss zur Arbeit zu gehen.

Welchen Einfluss hat der Leistungssport auf Ihre körperliche wie auch mentale Gesundheit im Alltag?

Bei der Ernährung hilft es mir, noch ein bisschen strikter zu sein. Auch beispielsweise beim Alkohol bin ich mir sehr bewusst, was dieser für eine Auswirkung auf mein Training am nächsten Tag hat. So lasse ich es lieber bei einem Glas Wein bleiben und übertreibe es nicht. Im Allgemeinen hilft mir der Spitzensport, meine körperliche und mentale Gesundheit stärker wahrzunehmen und ein grösseres Bewusstsein dafür zu entwickeln.

Ihr Talent und Ehrgeiz machen Sie zur schnellsten Schweizerin über 100 Meter. Gibt es eine Disziplin in der Leichtathletik, in der Sie wohl trotz vielen Trainings das Schlusslicht bilden würden?

Ja klar gibt es das. Bei allen «langen Sachen», wo ich Ausdauer bräuchte, würde ich gar nicht gut abschliessen. Ausdauersportarten sind im Vergleich zum Sprint in Sachen Training und dem muskulären Aufbau das komplette Gegenteil. Da würde mich wohl sogar ein Hobbysportler überholen.

Eigentlich versuche ich, nebst dem Training möglichst wenig rennen zu müssen

Stimmt es, dass Sie aufgrund Ihrer Sprintfähigkeit nie den Bus oder die Tube in London verpassen?

Eigentlich versuche ich, nebst dem Training möglichst wenig rennen zu müssen. Früher musste ich des Öfteren einen Sprint zum Bus einlegen, aber heute gehe ich extra rechtzeitig aus dem Haus. Aber es stimmt: Wenn es einmal pressiert, dann verpasse ich den Bus wirklich nicht. Das finde ich praktisch. Jedoch bin ich mit den Trainingstaschen nicht so schnell, wie auf der Laufbahn.

Was tun Sie für Ihre psychische Gesundheit?

Ich mag Pflanzen sehr gerne. Ich liebe es, auf meinem Balkon frische Blumen oder andere Pflanzen, welche ich danach für die Küche gebrauchen kann, zu setzen. Zwischendurch helfe ich meiner Mutter im Garten und pflücke mit ihr frische Himbeeren.

Wie gehen Sie mit Drucksituationen um?

Solche Situationen machen einen grossen Teil meines Lebens als Spitzensportlerin aus und sind deshalb sehr wichtig. Meistens kann ich meine Leistungen unter Druck besser abrufen als im Training, was früher in der Schule schon so war. Ich kann den Druck so umwandeln, dass er mich nicht behindert, sondern umso mehr pusht.

Wenn Sie alleine im Stadion in Bern trainieren, sagten Sie, dass es ab und zu viel Motivation und Überwindung brauche. Wie überlisten Sie Ihren inneren Schweinehund?

Am besten geht es, wenn ich mir ein klares Programm zusammenstelle und dann einfach beginne, ohne lange nachzudenken. Wenn ich dann einmal im Training bin, dann geht es von alleine und ich hake eine Übung nach dem anderen ab.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Ihrem neuen Trainer Steve Fudge besonders?

Ich schätze seine Offenheit und den individuellen Austausch mit ihm sehr. Ich bin nun in einem Alter, wo ich schon viele Trainingserfahrungen gemacht habe und weiss, was mir gut tut und was nicht. Ich mag auch gerne neue Inputs, jedoch gibt es Bereiche, in denen ich genau weiss, was am besten funktioniert. Bei diesen Bereichen ist mein Trainer sehr offen und geht auf meine Bedürfnisse ein.

Worauf sind Sie in Ihrem Leben besonders stolz?

Auf den Zusammenhalt mit meinen drei Schwestern. Wir unterstützen uns in jeder Situation und helfen einander, wann immer es geht. So können wir voneinander profitieren und die verschiedenen Herausforderungen gemeinsam erleben.

Haben Sie nebst dem Sport auch ein persönliches Ziel in Ihrem Leben?

Momentan dreht sich sehr viel um den Sport, ich schaue noch nicht gross, was danach passiert. Irgendwann möchte ich jedoch sicher eine eigene Familie haben.

Ihre letztjährige Reise durch Vietnam sah auf den Bildern atemberaubend aus. Wie wichtig sind Ihnen Auszeiten in Bezug auf Ihren Gesundheitszustand?

Solche Auszeiten sind nicht nur für meinen Kopf, sondern auch für meinen Körper extrem wichtig. Wenn Ende Herbst meine Saison zu Ende ist, dann freue ich mich auch mal, keine Athletin sein zu müssen. Es ist schön, dann für mehrere Wochen keine Sportsachen zu tragen, nicht ans Training zu denken und zu essen, worauf ich gerade Lust habe. Dies nutze ich auch immer voll aus. Manchmal übertreibe ich es vielleicht auch ein bisschen. Aber nach fast einem Jahr striktem Training finde ich das auch gut so, denn es ist wichtig, abschalten zu können. Ich reise sehr gerne und liebe es, neue Sachen zu entdecken. Ich komme zwar auch während der Saison um die Welt, jedoch habe ich dann keine Zeit und Energie, Sightseeing zu machen, da der Wettkampf im Vordergrund steht. In meiner Trainingspause kann ich dann endlich einfach nur Touristin sein. Auch dieses Jahr werde ich ins Ausland gehen, wohin es gehen wird, weiss ich noch nicht.

Das langfristige Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo

Ein Blick in die Zukunft: Worauf fokussieren Sie sich demnächst?

Sicherlich steht die WM in Doha im Fokus. Das langfristige Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo. Ich versuche aber immer, alles Schritt für Schritt beziehungsweise Wettkampf für Wettkampf zu sehen. Jetzt schaue ich zum nächsten Wettkampf und analysiere, was ich dann besser machen kann als beim letzten Mal.

Was ist für Sie der entscheidende Faktor, damit Sie an der Weltmeisterschaft Ende September in Doha Ihr Potenzial vollständig ausschöpfen können?

Sehr wichtig wird sein, dass ich erholt bin und nun die Saison so aufbauen kann, damit ich dann in Höchstform sein werde. Für mich ist es auch entscheidend, dass ich mich auf den grossen Event freuen kann und mit einem guten Bauchgefühl starten kann.

Ihr Trainer verfolgt das Motto: «Das wichtigste im Sprint ist nicht der Start, sondern das, was am Schluss kommt.» Deshalb brauchen Sie jetzt noch ein paar wichtige Entscheidungen zu treffen.
Treppe oder Lift?

Definitiv der Lift. Ich bin in diesem Fall eine typische Sprinterin und versuche, nebst dem Training möglichst wenig Energie zu verschwenden.

Turnschuhe oder High Heels?

Eher Turnschuhe. Auch das ist weniger anstrengend (lacht). Ich kleide mich sehr gerne chic und trage gerne High Heels, jedoch nur dann, wenn ich nicht den ganzen Tag damit unterwegs bin.

Schmuck oder Gel Nails?

Gel Nails. Diese habe ich schon sehr lange und ich liebe es, lange Nägel zu haben.

Berner Altstadt oder Oxford Street?

Beides ist cool!Fürs Shopping würde ich an die Oxford Street gehen. Für ein gemütliches Essen oder ein Durch-die-Stadt-Bummeln würde ich mich aber definitiv für die Berner Altstadt entscheiden.

Sit-ups oder Liegestützen?

Eigentlich mache ich beides nicht so gerne.

Natürliche Heilmittel oder Medikamente?

Prinzipiell greife ich lieber zu natürlichen Heilmitteln. Jedoch kommt es auch darauf an, wie schnell ich gesund werden muss. Während der Saison darf ich keine Zeit verlieren, weshalb ich dann manchmal Medikamente zu mir nehmen muss.

Anhand Ihrer Antworten können Sie gut Entscheidungen treffen. Trifft dies auch auf Ihr ganzes Leben zu?

Nein, leider nicht unbedingt (lacht). Dort komme ich schnell ins Zweifeln. Jedoch habe ich in den letzten Jahren durch den Sport gelernt, die verschiedenen Wege gut abzuwägen und dann bessere Entscheidungen treffen zu können.

Bilder: Fritz Berger (Headerbild), Guillaume Megevand (Portraitfoto)

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