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17 Oktober 2019

Nachhaltiges Investieren nicht isoliert betrachten.

Der Klimawandel stellt die Schweizer Versicherungen vor grosse Herausforderungen. Zunehmende Extremereignisse wie Starkniederschläge, Hurrikans oder grossflächige Waldbrände führen zu hohen Schäden. Sie treffen Menschen und Volkswirtschaften. Betroffen sind Erst- und Rückversicherungen. Der Bundesrat hat nun entschieden, bis 2050 die Nettoemissionen von Treibhausgasen auf null zu senken. Die Finanzindustrie wird ihre bisherigen Anstrengungen verstärken, um die Erreichung dieses ambitiösen Ziels zu unterstützen. Die Herausforderungen für die Versicherer stellen sich in fünf Bereichen.

Gunthard-Niederbäumer
Gunthard-Niederbäumer

Bei der Anlagetätigkeit: Mit einem Anlagenvolumen von rund 650 Milliarden Franken gehören die Versicherer zu den grössten institutionellen Anlegern in der Schweiz. Aufgrund dieses Volumens und des langfristigen Anlagehorizonts kommt der Versicherungswirtschaft eine besondere Bedeutung zu. Viele Versicherungen investieren heute bereits in nachhaltige Assets – so hat zum Beispiel die Swiss Re ihr gesamtes Portfolio entsprechend umgeschichtet. Bei Anlageentscheiden muss zudem künftig vermehrt darauf geachtet werden, dass nicht in CO2-intensive Unternehmen investiert wird. Bei diesen Unternehmen besteht das Risiko, dass sie an Wert verlieren und damit zu «stranded assets» werden. Verantwortungsvolle Kapitalanlagen sind für Versicherer auch interessant, weil sie in der Regel einen langfristigen Horizont haben. Zudem verlangen heute die Versicherungsnehmerinnen und -nehmer, die Öffentlichkeit und die Investoren zunehmend klare ESG (Environmental, Social und Governance) Kriterien und den Nachweis des entsprechenden Handels. Die Mitglieder des Schweizerischen Versicherungsverbandes haben sich dazu bekannt, diese Kriterien in ihren Anlageprozessen konsequent zu berücksichtigen.

Beim Abschluss von Versicherungsverträgen muss auf die Risiken durch die Klimaerwärmung geachtet werden.

Gunthard Niederbäumer, Leiter Bereich Schaden- und Rückversicherung beim Schweizerischen Versicherungsverband SVV

Auch im Kerngeschäft sind die Versicherer gefordert: Beim Abschluss von Versicherungsverträgen muss auf die Risiken durch die Klimaerwärmung geachtet werden. Zunehmende Schäden durch Extremwetter oder durch Haftpflichtansprüche an die Verursacher des Anstiegs des CO2-Gehalts müssen bei der Preisgestaltung mitberücksichtigt werden. Einige Erst- und Rückversicherer sind dazu übergegangen, Kohlekraftwerke nicht mehr zu versichern. Alternativ zum Ausstieg wird vermehrt versucht im Austausch mit Kundinnen und Kunden diese zu einem klimafreundlichen Verhalten zu motivieren.

Betroffen sind drei weitere Bereiche: Auch Versicherungen hinterlassen einen CO2-Fussabdruck. Auf einem guten Stand ist zwar der Gebäudepark vieler Versicherungen. Einsparpotenzial besteht hingegen bei der Mobilität. Die Mitarbeitenden fahren auf dem Arbeitsweg und im Vertrieb noch viele Kilometer mit dem Auto. Ein zweiter Bereich umfasst Schutzprojekte gegen Elementarereignisse. Auch wenn es gelingt, die Erwärmung zu beschränken, wird sich das Klima verändern. Elementarereignisse an Orten, die bisher nicht gefährdet waren sind mögliche Folgen. Schutzprojekte sollen diesen vorbeugen. Um diese zu realisieren arbeitet die Versicherungswirtschaft eng mit Bund und Kantonen zusammen. Weil trotz aller Präventionsmassnahmen Schäden nicht gänzlich verhindert werden können, sind Versicherer als letztes weiterhin gefordert, finanzielle Folgen dieser Schäden mit einer breiten Produktepalette zu mindern. 

Dieser kurze Exkurs zeigt auf, dass die Versicherungsbranche in ganz unterschiedlicher Art und Weise vom Klimawandel betroffen und auch gefordert ist. Nachhaltiges Investieren ist ein Teil und steht nicht isoliert. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen des Klimawandels ist für die Versicherer von existenzieller Bedeutung. Die Wissenschaft macht deutlich, dass uns nicht mehr allzu viel Zeit zum Handeln bleibt. 

Text: Gunthard Niederbäumer

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