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Zurich
17 Oktober 2019

Gasheizung raus – na klar! Aber was dann?.

Liebe LeserInnen

Andreas Meyer Primavesi
Geschäftsleiter Minergie Schweiz

Meine Eltern sind vorsichtige Menschen. Gerade auch, wenn es um ihr Mehrfamilienhaus, also ihre Altersvorsorge geht, scheuen sie Risiken. Entsprechend haben sie trotz grosser Affinität meinerseits für Umwelt und Klima bisher nur Küchen saniert und Bäder ersetzt – und behauptet, die 1986 verbauten Fenster seien «so gut wie neu». Letztes Jahr sind, warum auch immer, erste Zweifel an dieser Haltung aufgetaucht, und nun, ich glaube es kaum, wird saniert. Nach Minergie.

Welche Heizung ist die richtige?

Mit einiger Euphorie stürzten wir uns in Ideen und Konzepte und hatten bald schon den Überblick verloren. Dass der 30 Jahre alte Gaskessel weg muss, war klar – aber was dann? Ein Mehrfamilienhaus mitten in der Stadt, da kommt Holz eher nicht in Frage. Auf den Fernwärmeanschluss müssten wir noch unbestimmte Zeit warten, und das wollen wir nicht. Also eine Wärmepumpe. Im Vordergrund stand eine Erdsonden-Wärmepumpe. Die sind hoch effizient und komfortabel, denn man kann damit im Sommer die Wohnungen leicht um 2-3°C kühlen. Eine durchaus angenehme Vorstellung nach dem Hitzesommer 2019. Allerdings wissen wir noch nicht, ob wir bohren dürfen – und ob die Investition tragbar ist. Also eine Luft-Wasser-Wärmepumpe? Diese nutzt die Umgebungswärme aus der Luft, was in den Übergangszeiten ebenfalls sehr effizient ist. An kalten Wintertagen, und diese wird es wohl trotz Klimawandel in der Schweiz weiterhin geben, braucht sie aber sehr viel Strom. Das ist insofern nicht gut, als der «Winterstrom» teurer werden wird – und weil dieser spätestens nach der Abschaltung der Schweizer Kernkraftwerke fossiler belastet sein wird als heute. Wir ersetzen doch nicht die Gasheizung, um dann Strom aus Gaskraftwerken zu verheizen! 

Wir werden Energieproduzent…

Ein schöner Nebeneffekt des Umstiegs von Gas auf Wärmepumpe ist, dass wir den Kamin zurückbauen können. Und weil das Dach sowieso auch schon 40 Jahre alt ist (sieht aber aus wie neu, sagt mein Vater) bietet sich eine gute Gelegenheit, zum Energieversorger zu werden. Ziegel weg, richtig viel Dämmstoff drauf und dann mit Photovoltaikmodulen bedecken statt mit Ziegeln. Und schon sind wir Stromproduzent. Für den Betrieb der Wärmepumpe wird es im Winter aber nicht reichen, selbst wenn wir …

Dämmen!

Ja, dämmen werden und müssen wir, aber wie viel? Wie erwähnt, das Dach wird perfekt isoliert, das lohnt sich auch aus Komfortgründen. Die über 30-jährigen Fenster werden entsorgt und durch dreifachverglaste Fenster ersetzt, die Kellerdecke wo möglich gedämmt, das ist klar. Was aber tun mit der Fassade? Stand heute: offen! Die Fensterleibungen werden wir mit hochleistendem Dämmstoff belegen, damit kein Schimmel entsteht. Auch eine Lüftung kommt rein, nicht dass die dichte Hülle plötzlich zu stickiger Luft führt. Aber die Fassade? Sollen wir das zweischalige Mauerwerk wirklich aussen überdämmen? Überwiegen die Vorteile, Energieeffizienz und Komfort, die Nachteile, weniger Tageslicht und Ästhetik? Ist ein Dämmputz ein sinnvoller Kompromiss?

Das Fazit?

Noch ist das Projekt nicht fertig, aber in vier Wochen reichen wir das Baugesuch ein. Bis dann wird weiter gerechnet, debattiert und abgewogen. Was auch immer meine Eltern am Ende entscheiden: Ihr Mehrfamilienhaus wird etwa dreimal weniger Energie verbrauchen als vorher, wird kein CO2 mehr ausstossen und den Bewohnenden einen viel höheren Komfort bieten als heute. Ins Grübeln gebracht hat mich, wie viele Optionen es gibt und wie komplex die Entscheidung ist. Begeistern tut mich, dass das heute möglich ist: Eine zahlbare und hoch wirksame Gebäudesanierung im vermieteten Zustand. Das ist mir nämlich ganz wichtig: Ich wohne drin.

Herzliche Grüsse

Andreas Meyer Primavesi
Geschäftsleiter Minergie Schweiz

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