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18 Mai 2021

Die Zukunft der Medizin verläuft digital.

Adrian Schmid, Leiter eHealth Suisse Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen
Adrian Schmid, Leiter eHealth Suisse Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen

Heute schon im Internet eingekauft? Auf dem Handy den Saldo des Bankkontos geprüft? Auf dem Reiseportal eine Ferienwohnung gebucht? Dem Hausarzt Zugriff gegeben auf das Röntgenbild der Orthopäden? Die ersten drei Beispiele sind längst Alltag. Das Szenario mit dem Hausarzt steht erst bevor. 

Das Internet und das schlau-mobile Telefon haben unseren Alltag gründlich verändert. Die Welle erreicht folglich auch das Gesundheitswesen, was auch gut so ist. Wer sich als Patient oder Patientin im Vieleck zwischen Arzt, Spital, Apotheke, Spitex und anderen Behandelnden bewegt, erlebt dementsprechend eine hochmoderne Medizin. Der Umgang mit relevanten medizinischen Informationen jedoch ist veraltet.

Übersicht liegt in der Hand der Patienten

Papierberichte, Röntgen-CDs oder handgeschriebene Rezepte sind ferner die Regel. Eine Übersicht hat niemand, allenfalls die Patienten selber. Schon fast rührend sind jene Geschichten von Menschen, die ihre Arzt- oder Spitalberichte regelmässig einfordern und so die persönliche Krankengeschichte über Jahrzehnte in Bundesordnern dokumentieren. «Die meisten Fehler in der Medizin passieren heute wegen Problemen mit der Kommunikation», weiss ein Chefarzt im Notfall eines grossen Spitals. Wichtige Informationen seien unvollständig oder kämen zu spät ans Ziel.

Die Bevölkerung verdient einen besseren Umgang mit ihren Gesundheitsdaten. Ziel muss es sein, die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar zu haben. Konkret bedeutet dies, dass die Bevölkerung die wichtigsten Informationen zu ihrer Gesundheit stets in Griffnähe haben sollte. Ein gutes Beispiel dafür ist Verschreibung und Abgabe von Medikamenten. Heute gibt es in der Medizin für Ärzte, Spitäler und Apotheken keinen einheitlichen Ort, wo sie einen aktuellen und vollständigen Medikationsplan eines Patienten anschauen können. Mit dem Resultat, dass sie oft nicht wissen, welche Medikamente die Patienten bereits erhalten haben und einnehmen.

Unterschätzte Folgen

Dies hat Folgen für die Patientensicherheit und die Versorgungsqualität. Laut der Stiftung «Patientensicherheit Schweiz» sind Medikationsfehler in der Schweiz häufig: «Allein 20 000 Spitalaufenthalte pro Jahr sind auf medikamentenbedingte Probleme zurückzuführen». Und: «Jeder zehnte Spitalpatient wird durch Medikationsfehler oder unerwünschten Wirkungen geschädigt». Viele ältere Menschen nehmen täglich bis zu neun Medikamente ein. Einige davon sind nicht wirklich notwendig, und es kommt zur sogenannten Übermedikation. Eine häufige Folge davon sind Nebenwirkungen – zum Beispiel Schwindel, der wiederum mit Medikamenten bekämpft wird.

Die Bevölkerung verdient einen besseren Umgang mit ihren Gesundheitsdaten.

Mit dem elektronischen Patientendossier (EPD) gibt es ab April 2020 den einheitlichen Ort, wo wichtige Informationen wie die aktuelle Medikation abgelegt werden können. Das EPD ist eine Sammlung persönlicher Dokumente mit behandlungsrelevanten Informationen der Patienten. Dazu gehören zum Beispiel der Austrittsbericht eines Spitals, der Pflegebericht der Spitex, die Medikationsliste, Röntgenbilder oder der Impfausweis. Dank des EPD sind diese Dokumente online verfügbar und können von den Patienten jederzeit abgerufen werden: auf dem Computer, dem Smartphone, von zuhause, unterwegs oder im Ausland. Anschauen können die Unterlagen nur Ärzte, Apotheker, Therapeuten oder Pflegende, die an einer Behandlung beteiligt sind und von den Patienten ein persönliches Zugriffsrecht erhalten haben. Andere Personen erhalten keinen Zugang: Arbeitgeber, Krankenkassen oder Lebensversicherer haben also keinen Zugriff auf das EPD.

Zukünftige Anbieter des EPD sind organisatorische Verbünde von Gesundheitsfachpersonen und ihren Einrichtungen, etwa: Spitäler, Pflegeheime, Geburtshäuser, Arztpraxen, Apotheken, Spitex-Dienste, Reha-Kliniken oder Therapeuten. Es gibt regionale und nationale Verbünde, momentan zeichnen sich rund zehn dezentrale Umsetzungsprojekte ab.

Alle Menschen in der Schweiz können in Zukunft ein EPD eröffnen. Das EPD ist freiwillig und kann jederzeit wieder geschlossen werden. Obwohl es «Patientendossier» heisst: Um ein EPD zu eröffnen, muss man nicht krank sein. Auch eine gesunde Person kann ein EPD besitzen.

Text Adrian Schmid

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