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8 Dezember 2019

Die Kunst des Nichtstuns.

In einer Zeit, in der To-do-Listen zum neuen Dolce far niente geworden sind, scheint das Nichtstun pure Zeitverschwendung zu sein. Und doch ist genau dies der neue Lifestyletrend. Wie kommt’s?

Die amerikanische Vogue ernannte im Juli das Niksen zum Trend und brachte so eine neue Lifestylewelle ins Rollen. Doch was ist dieses Niksen nun genau? Das Konzept ist eigentlich simpel: Es geht ums Nichtstun.

Das Wort Niksen kommt aus dem Holländischen und gibt dem skandinavischen Trend seinen Namen. Im Zentrum steht, sich bewusst die Zeit zu nehmen, einfach mal nicht produktiv zu sein. In der Zeit der Effizienz ein revolutionäres Vorhaben. 

Auf die nordische Art

Niksen ist bereits der dritte skandinavische Lifestyletrend, der die Welt erobert. Das dänische Hygge legte uns die Freuden der Gemütlichkeit ans Herz, während das schwedische Lagom Balance propagierte. Der modernen Welt scheint es nach Heimeligkeit zu dürsten. 

Die Kinesiologin Rita Limacher sieht darin Positives: «Es findet in der Gesellschaft ein Umdenken statt. Das ist sehr zu begrüssen.»

Der mentale Pausenknopf

Die Vorteile des Niksens sind vielfältig. Einerseits geht es schlichtweg um die Entspannung. Andererseits eine Zeit ohne Druck zu verbringen, ohne den Drang etwas zu leisten. Die Gedanken dahin schweifen zu lassen. «Entspannungsfördernde Methoden wie Niksen beugen stressbedingten Erkrankungen vor, sind wichtig für die Gesundheit und das eigene Wohlbefinden. In der heutigen Zeit, in der Hektik, Zeitdruck und Stress zum Alltag gehören, sind Formen des Nichtstuns eine willkommene und gesundheitsfördernde Abwechslung», erklärt Limacher. 

Stress ist der Feind der Kreativität 

Neben dem gesundheitlichen Aspekt bietet Niksen auch Vorteile für kreative Köpfe. Mit frei wandernden Gedanken stösst man oftmals auf eine Goldgrube an Ideen. «Dies hat mit dem Parasympathikus zu tun, der in solchen Momenten aktiv ist. Ist dieser Teil des vegetativen Nervensystems aktiv, sind wir entspannt und haben Zugriff auf unsere gesamte Denkleistung. Ist hingegen der Sympathikus über längere Zeit aktiv und wir befinden uns im Dauerstress, können wir nicht mehr klar denken und haben einen wirren Kopf.» Bei Kreativblockaden also nicht weiterkrampfen, sondern lieber eine Runde aus dem Fenster schauen. 

Ruhelose gehören auf die Yogamatte

Jedoch gibt es auch Menschen, für die Niksen gänzlich ungeeignet ist. «Personen, die angespannt und ruhelos sind, erwähnen oftmals, dass sie gar nicht ruhig sitzen wollen, weil sie Angst vor ihren Gedanken haben und Angst, dass diese nicht mehr zu stoppen sind», erzählt Limacher. Für diese Menschen sind andere Entspannungstechniken, wie beispielsweise Yoga oder Bilder ausmalen, besser geeignet. 

Nichtstun will gelernt sein

Manche tun sich schwer dabei, nichts zu tun. Das Smartphone ruft, der Haushalt will erledigt und die neuste Serie geschaut werden. All diesen Dingen zu widerstehen, und sei es nur für ein paar Minuten, kann anfangs eine Herausforderung sein. «Wir haben das Nichtstun verlernt», weiss Limacher. Daher kann es auch sehr spannend sein, zu sehen, wohin das Nichtstun führt. Wo fliegen die Gedanken hin? Die Antwort wird so manchen überraschen. 

Niksen geht immer

Niksen lässt sich in jeden noch so hektischen Alltag integrieren. Beim Frühstück das Smartphone weglegen und ein paar Minuten aus dem Fenster schauen. Die News sind auch in fünf Minuten noch da. Pendler bekommen die Niksen-Gelegenheit auf dem Silbertablett. Mit ruhiger Musik auf den Ohren die vorbeiziehende Landschaft zu betrachten, ist Niksen vom Feinsten. 

Hauptsache entspannt

Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich auch einen ganzen Abend Zeit nehmen. Hier ist es wichtig, den Zeitblock als Termin anzusehen. Er ist nicht verhandelbar. Sie haben ein Date mit dem Nichts. Auch wer zur Gruppe der Ruhelosen gehört, ist versorgt; Yoga lässt sich, dem Internet sei Dank, auch in den eigenen vier Wänden praktizieren. Beispielsweise bietet der Youtube-Channel «Yoga with Adriene Yogavideos für jedes Level. Malbücher für Erwachsene gibt es mittlerweile in jeder Buchhandlung. 

Trends als Einladung

Schlussendlich ist es jedoch völlig egal, wie sich jemand entspannt. «Prinzipiell sollte jeder Mensch eine Methode finden, wie er täglich entspannen kann. Ob dies über Niksen passiert, über die Meditation oder sonst wie, spielt in meinen Augen keine Rolle. Wir sind ganz unterschiedlich und wir brauchen nicht alle dieselbe Form der Entspannung», erläutert Limacher. Lifestyletrends sollten daher als Möglichkeiten gesehen werden, als eine Art Einladung, etwas Neues zu probieren. 

Niksen gegen Burnout

Rita Limacher ist überzeugt: «Würden wir alle täglich Niksen und mehr Gelassenheit entwickeln, würden stressbedingte Erkrankungen wie Burnout abnehmen. Also käme Niksen schlussendlich der gesamten Gesellschaft zugute.»

Stressbedingte Erkrankungen sind auf dem Vormarsch, wir sind ein Volk aus Stressknäueln. Daher einfach mal öfters auf der Couch bleiben. Im Schaumbad die Blasen zählen. Für die Gesellschaft. 

Text: Fatima Di Pane

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