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Zürich
6 Juni 2020

Zürich wird immer smarter.

Die Klimadebatte erhöht den Druck, Altliegenschaften zu sanieren. Wie geht die Stadt Zürich dieses Problem in Zeiten des nachhaltigen Bauens an?

Ein Grundsatz des nachhaltigen Bauens in der Stadt Zürich ist der ganzheitliche Planungsansatz. Er beginnt bei der Standortwahl. Energieeffiziente Gebäude, die schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden sind, können nämlich die positiven Effekte der Bauweise zunichtemachen. Auch wenn gewisse Gebäude mit erneuerbaren Energien betrieben werden, trägt die Mobilität aufgrund des Standorts zur Umweltbelastung bei. Neben der Standortwahl können Bewohnende durch eine günstige Anordnung von Velo-Parkplätzen, Zurverfügungstellung von Car-Sharing-Fahrzeugen oder Elektroladestationen zu einer nachhaltigeren Mobilität animiert werden.

Gesamt-Energiebilanz im Fokus

Zudem sind eine ehrliche Prüfung des Raumprogramms und der vorgesehenen Nutzung wichtig. Können beim Mehrfamilienhausbau etwa gewisse Räume von den Bewohnenden geteilt werden? Bekannte Beispiele dafür sind Mehrzweckräume, vermietbare Gästezimmer, Musik- oder Werkräume. Jeder nicht gebaute Kubikmeter spart Energie und Ressourcen. Die Wahl der Baumaterialien hat ausserdem einen grossen Einfluss auf die Gesamt-Energiebilanz eines Gebäudes. Gute Beispiele für nachhaltig geplante Überbauungen sind hier etwa die Baugenossenschaften Kalkbreite oder das Hunziker-Areal «Mehr als Wohnen». Diese Genossenschaften sind auch Vorreiter bei der Erforschung alternativer Wohnmodelle wie etwa Clusterwohnungen.

Jeder nicht gebaute Kubikmeter spart Energie und Ressourcen.

Sommerlicher Wärmeschutz

Wenn der Standort feststeht, sollte eine zeitnahe Abklärung dazu erfolgen, welche erneuerbaren Energiequellen für die Wärmeversorgung der Parzelle in Frage kommen. In der Stadt Zürich steht hierfür die Online-Plattform EnerGIS zur Verfügung (siehe Kasten «Smart City Zurich»). Sind Erdsondenbohrungen möglich? Gibt es Anschlussmöglichkeiten an einen klimafreundlichen Energieverbund? Oder besteht eine günstige Konstellation mit Nachbarn zum Zusammenschluss zu einem eigenen Energieverbund? – Angesichts der heisser werdenden Sommer gewinnt der sommerliche Wärmeschutz zunehmend an Bedeutung. Nicht nur das Minimieren der Wärmeverluste während der Heizsaison ist ein wichtiges Thema, sondern auch der Schutz vor Überhitzung im Sommer. Nebst dem Vermeiden des Wärmeeintrags durch einen guten Sonnenschutz spielt auch das richtige Lüften eine wesentliche Rolle. Bei Neubauten sollte daher verhindert werden, dass man aus ästhetischen Gründen auf den Sonnenschutz verzichtet und so klimatisieren muss. Dies verlangt eine stärkere Berücksichtigung dieser Thematik bereits in der Planungsphase.

Neue Energie-Regulierungen

Es braucht strengere Anforderungen wie beispielsweise an den Heizungsersatz. Die Vorlage des CO2-Gesetzes und die Revision des kantonalen Energiegesetzes haben unter anderem zum Ziel, fossile Heizungen rascher durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Die Stadt Zürich unterstützt diese Bestrebungen, da hier die Bereitstellung der Wärme für Gebäude heute noch zu rund 80 Prozent auf fossile Art und Weise erfolgt. Hinzu kommt, dass sich in den letzten Jahren rund 80 Prozent der Hauseigentümer beim Ersatz einer Öl- oder Gasheizung wieder für ein fossil betriebenes System entschieden haben. Diese Werte sind schweizweit ähnlich, weshalb die Transformation zu umweltfreundlichen Energien im Heizungsbereich noch zu langsam voranschreitet.

Vernetztes Bauen

Vernetztes Bauen wird immer populärer, wie man an sogenannten Smart-Cities sieht. Im Bereich «Smart Home» gibt es Systeme, die den Alltag der Gebäude-Nutzenden bereits heute erleichtern oder das Potenzial haben, dies zukünftig zu tun. So kann man Gebäudetechniksysteme wie die Heizung oder Lüftung aus der Ferne via Smartphone steuern. Zusätzliche Bereiche, in denen Forschung und Entwicklung für die «smarte City» erfolgt, sind die Mobilität oder Energieversorgung. Für die Umstellung auf einer erneuerbaren Energieversorgung gibt es jedoch Grundvoraussetzungen. Einerseits müssen das Parkplatz-Management, die Verkehrslenkung und die Reiseplanung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln via App in Betracht gezogen werden. Andererseits muss die smarte Vernetzung von erneuerbaren Energien und deren Konsum im Fokus stehen.

Smart City Zurich

Auch die Stadt Zürich setzt einen Schwerpunkt auf Smart City (Smart City Zürich). Ein Beispiel ist EnerGIS: Mit EnerGIS unterstützt die Stadt Zürich Hauseigentümerschaften beim Umstieg auf erneuerbare Energien durch das Verknüpfen von Energie- und Gebäudedaten. Eigentümerschaften können gebäudegenau abrufen, welche Energieträger an ihrem Standort verfügbar sind: bestehende und geplante grössere Energieverbunde oder Anschlussmöglichkeiten an Fernwärme sowie Möglichkeiten von erneuerbaren Systemen wie Sonnenkollektoren, Photovoltaikanlagen, Erdsonden, Luft- oder Wasser-Wärmepumpen. EnerGIS verknüpft erstmals Gebäudedaten mit Energie-Informationen der städtischen Energieversorger, der kommunalen Energieplanung und des Kantons mithilfe eines geographischen Informationssystems GIS.

Text: SMA

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