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Zürich
26 Februar 2020

Schweizer Hockeystar rockt nicht nur auf dem Eis.

Roman Wicks Bandkollegen sind seine Freunde und zuweilen seine erbitterten Feinde – auf dem Eis. «We And The Bulls» veröffentlichten kürzlich ihr Erstlingswerk «Circus Mind». Die Bandmitglieder sind nicht bloss Musiktalente, sondern – vier der fünfköpfigen Truppe – auch Schweizer Eishockey-Profis. Im Interview plaudert der Gitarrist und ZSC Lions Spieler über die Playoffs, seine Zukunftspläne und wieso ihn seine musikalische Ader zu einem besseren Sportler macht.

Roman Wick, nach einer Rückenverletzung spielen Sie diese Saison eher smart als hart. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Mir geht es gut. Ich musste viel verändern nach der letzten Saison, denn ich hatte ja vier Monate gefehlt. Es ist kein Geheimnis, dass ich starke Rückenprobleme hatte. Ich habe die Art, wie ich trainiere, stark angepasst. Man merkt mit zunehmendem Alter schon: Im Kraftraum stemmt man nicht mehr dieselben Gewichte wie mit 24. Das Wichtigste ist, dass ich die Saison durchspielen und so der Mannschaft helfen kann. Ich will auf die Playoffs hin volle Leistung in Topform abliefern. Umso wichtiger ist es, auf dem Weg dahin trainingstechnisch das Mass zu halten.

Vor Kurzem haben Sie bekannt gegeben, dass 20/21 Ihre letzte Saison sein wird. Was hat den Ausschlag gegeben?

Wenn man nicht mehr so trainieren kann, wie man es gewohnt ist, frustriert das ungemein! Letzte Saison hatte ich Phasen, in denen ich alles hinterfragte und mich ziemlich hilflos fühlte. Ich dachte: «Ich schaffe das einfach nicht mehr, mein Körper macht das nicht mehr mit». Ich habe jetzt im Sommer und zum Saisonstart realisiert: Eishockey ist nach wie vor meine grosse Leidenschaft. Mit dieser super Mannschaft will ich das Spiel noch so lange geniessen, wie ich kann. Die Mannschaft war für mich der Grund, dass ich mich für eine weitere Saison entschieden habe.

Die ZSC Lions sind stark in die Saison gestartet. Rechnen Sie damit, in den Playoffs Ihre Topform zeigen zu können?

Momentan sieht es sehr gut aus! Man muss sich bewusst sein, dass Voraussagen mit Vorsicht zu geniessen sind. Alles fängt in den Playoffs bei null an. Der einzige Unterschied ist, ob man in der Quali kämpfen musste. Und da habe ich schon beides erlebt: Als wir um jeden Punkt kämpfen mussten, konnten wir den Kampfgeist schon beibehalten und sind bis zum Schweizermeistertitel durchmarschiert. Andererseits sind wir auch schon gegen den achtplatzierten SC Bern – während wir an der Spitze waren – 4:0 ausgeschieden.

Ich habe viel Liebe für dieses Spiel übrig.

Viele Spieler werden Trainer, Scout oder Berater. Möchten Sie das auch oder «reicht es jetzt einfach» mit dem Eishockey?

«Sag niemals nie!». Ich habe viel Liebe für dieses Spiel übrig, welches mich jetzt so lange begleitet hat. Ich werde nach 20/21 zunächst einfach einen Break benötigen. Damit will ich nicht sagen, «ich verschwinde jetzt und will nie mehr etwas von Hockey hören oder wissen», so ist das nicht. Ich werde aber mein Glück zunächst mit anderen Dingen im Leben probieren.

Was steht nach der Eishockeykarriere an?

Für mich war von Anfang an klar, dass ich keiner der Spieler sein werde, die ewig weiterspielen. Nach 20/21 werde ich 35 Jahre alt sein. Ich habe viele Projekte und Ideen die ich verwirklichen will. Meine ganze Familie ist in der Gastronomie tätig. Das war immer etwas, das mich grundsätzlich interessiert hat. Ich habe mit Kollegen an der Langstrasse die «STUBÄ» Bar eröffnet. Sie ist mittlerweile fünf Jahre alt. Im Sommer habe ich mit meiner Schwester und ihrem Mann «Next Level Escape», eine Escape Room Firma, gegründet. Es macht unglaublich viel Spass, einen Escape Room zu entwerfen, den Leute dann in echt durchspielen können. Es gibt also genug zu tun.

Sie bilden mit den drei Eishockeyprofis Eric Blum, Tim Ramholt und Romano Lemm sowie ihrem Kollegen Fabian Gass die Band «We And The Bulls». Eure erste EP «Circus Mind» habt ihr nun der Öffentlichkeit vorgestellt. Was ist Ihnen wichtiger, das Eishockey oder die Musik?

Beides ist sehr wichtig. Rational betrachtet ist Hockey mein Beruf und dementsprechend wichtiger und Musik ist für mich ein Ausgleich. Musik und Spiel: Das Eine ergänzt das Andere. Mit meiner Gitarre kann ich mich vor Spielen wachrütteln. Ich spiele dann nichts Bestimmtes, eher was mir gerade einfällt. Das Musikmachen hilft auch runterzukommen. Unter Eishockeyspielern kennt man das: Man ist nach einer Doppelrunde todmüde – aber so aufgedreht, dass man trotzdem nicht schlafen kann. Ich bin auch so einer und Musik hilft.

Musik ist für mich ein Ausgleich. Musik und Spiel: Das Eine ergänzt das Andere.

Als We And The Bulls habt ihr jetzt eure erste EP Circus Mind herausgebracht. Wie war das Feedback bisher?

Bisher war das Feedback durchaus positiv. Ich frage die Leute immer nach ihrem Lieblingssong und zum Teil überraschen mich die Antworten total!

Ich frage die Leute immer nach ihrem Lieblingssong. Zum Teil überraschen mich die Antworten total!

Hattet ihr schon immer vor, ein Album aufzunehmen?

Nein, die Band formierte sich mehr aus geteiltem Interesse. Vor zehn Jahren mietete ich mir zusammen mit Eric Blum den ersten Bandraum beim SRF – aus purer Notwendigkeit: Wir hatten eine Nachbarin, welche sich jeden Abend über unser Gitarrenspiel beklagte.

In das Projekt «Circus Mind» sind wird dann quasi reingerutscht: Durch meinen Vater kam ich an die Nummer von Phil Merk, Baschis Geschäftspartner. Innerhalb der Band haben wir zwar oft Witze gerissen, dass wir eine Platte aufnehmen sollten. «Vielleicht nach dem Hockey», war unsere Devise. Phil hat sich aber unsere Lieder angehört und uns sofort ins Rebel-Inc Studio eingeladen, wo wir auch Baschi kennenlernten. Im Studio merkten wir: «Die beiden meinen es ernst!».

Wir hatten anfangs keine Ahnung, was im Entstehungsprozess der Platte alles auf uns zukommen würde.

Inwiefern hatten Baschi und Phil Merk bei der ersten Platte von We and the Bulls mitgewirkt?

Beide waren bei der Entstehung von «Circus Mind» eine Riesenhilfe. Wir hatten anfangs keine Ahnung, was im Entstehungsprozess der Platte alles auf uns zukommen würde. Baschi kümmerte sich um Tim, also um Gesang und Lyrics, und Phil arbeitete mit uns an Bass, Gitarre und Schlagzeug. Sie waren sehr geduldig mit uns: Vier von uns haben während dieser Zeit Hockey gespielt, Tim hat seine Karriere beendet, Eric wurde in dieser Zeit Vater – Playoffs, familiäre Verpflichtungen, Eishockeytraining – dadurch wurde ein Zeitplan mit fixer Veröffentlichungsdeadline unmöglich.

Ich bin den beiden sehr dankbar. Ich habe unzählige Stunden mit Phil im Studio verbracht. Wir haben uns gestritten, uns angebrüllt, wieder versöhnt und gingen dann was trinken. (lacht) Als Band haben wir in den letzten zwei Jahren unglaublich viel gelernt; wir würden mittlerweile auch Vieles anders machen.

Wir haben uns gestritten, uns angebrüllt, wieder versöhnt und gingen dann was trinken.

Mit Lyrics hatten Sie also nichts zu tun?

Nicht viel, ich persönlich habe mich mehr aufs Komponieren, als auf die Texte konzentriert. Wenn eine Melodie eingängig ist, ist mir egal in welcher Sprache gesungen wird. Die Lyrics sind fast alle von Tim Ramholt. Ich weiss: Zum Teil sind unsere englischen Ausdrücke nicht makellos. Manchmal trifft Tim vielleicht den Ton nicht perfekt. Ich finde: Was soll’s, niemand ist perfekt! Was mir an Tim so sehr gefällt, ist, dass er so singt wie er auch ist: echt und unglaublich authentisch. Meiner Meinung nach hat Tim etwas von einem zerstreuten Künstler – mit einer guten Portion Genie.

Was mir an Tim so sehr gefällt, ist, dass er so singt wie er auch ist: echt und unglaublich authentisch.

Ihr habt das Angebot, bei den Swiss Ice Hockey Awards aufzutreten, ausgeschlagen. Warum?

Das ist schon länger her. Generell erhalten wir sehr viele Anfragen. Immerhin steht fest, dass wir im Sommer mindestens einen Live-Auftritt spielen werden. Immerhin gehört das zu einem Albumrelease dazu. Allerdings wollen wir uns darauf aber ordentlich vorbereiten; Studioaufnahmen und Liveauftritte sind nicht dasselbe. Wir haben besseres Equipment gekauft, damit wir auf einem qualitativ höheren Level proben können. Jetzt geht es wiederum auf die Playoffs zu und wir schaffen es kaum, uns einmal pro Woche zum Üben zu treffen.

Jetzt geht es wiederum auf die Playoffs zu und wir schaffen es kaum, uns einmal pro Woche zum Üben zu treffen.

Wen würden Sie sich dann im Publikum wünschen?

Unser ideales Publikum bestünde aus unseren Freunden, deren Freunden und wiederum deren Kollegen – aus all den Leuten, die unsere Musik unterstützen. Wie wir auf dem Album Circus Mind auch geschrieben haben: «From Friends, for Friends». Eine Award-Zeremonie mit so Journalisten – nichts für ungut – …

Das geht schon in Ordnung …

… das ist so gar nicht unser Ding. Es wäre mein persönlicher Wunsch, das Album lieber live zuerst unseren Kollegen und dem weiteren Bekanntenkreis vorzulegen und später allen anderen.

Es ist sehr schwierig, uns in eine Schublade zu stecken.

«We and the Bulls» spielt modernen Bluesrock mit psychedelischen Elementen. Passt dieses Genre?

Es ist sehr schwierig, uns in eine Schublade zu stecken. Muss denn immer alles in eine Schublade passen? Die Leute sähen das zum Teil gerne, aber solche Jungs sind wir nicht. Unterbewusste musikalische Einflüsse gibt es bei unseren Liedern aber viele. Erst wenn ein Lied fertig ist, realisieren wir jeweils: Es hat sich zu einer Hommage an diese oder jene Lieblingskünstler gemausert. Bei «You» gibt es Stellen die nach Jimi Hendrix tönen. «Cruiser» hingegen veränderte sich im Entstehungsprozess in ein regelrechtes Rolling Stones-Lied. Wir finden die Stones alle super, daher «nothing wrong with that».

Hockeyprofi, Musiker – Gibt es überhaupt Dinge, in denen du eine komplette Niete bist?

(lacht) Ja, mega viele! Ich bin in IT-Dingen nicht so begabt und ich wünschte mir, ich wäre ein besserer Koch. Über Schwächen reden die Meisten einfach nicht so oft wie über Stärken.

Interview: Jo Widmer, Bilder: NIC Fotografie, nicolasbruni.com

Blitzschnelle Fragerunde mit Roman Wick:

Ich denke oft an… meine Freundin.
Ich kann nicht leben ohne… Musik.
Mein Freundeskreis ist… vielfältig und besteht keineswegs nur aus Sportlern.
Ich ärgere mich am meisten über… Besserwisser und Veränderungsresistente
Das Leben ist zu kurz um… ständig am Natel zu hängen.
Ich wollte schon immer… einen warmen Kontinenten bereisen. Eis hat mein Leben lange dominiert, darum finde ich die Vorstellung von Wärme ansprechend. Beispielweise Afrika interessiert mich, auch einer längeren Reise wäre ich nicht abgeneigt.
Ich würde niemals… lebenslang am selben Fleck Erde verweilen.
Ich schöpfe Kraft aus… der Liebe, Familie und aus allem, was ich leidenschaftlich tue.
Die schwierigste Hürde bisher war… hockeytechnisch der Wechsel von Kloten nach Zürich. Schwierig war damals nicht nur der Wechsel selbst, sondern alles was dahintersteckte. Dinge die viele gar nie erfahren haben. Es war eine Hürde was es mit mir gemacht hat, wie die Leute darauf reagiert haben. Das war hart, aber mittlerweile ist es Schnee von gestern. Jetzt fühle ich mich pudelwohl beim ZSC.
An der Welt verändern würde ich… mich selbst. Wer die Welt verändern will, muss bei sich selbst anfangen.

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