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30 Mai 2020

Verpackung adé – ein Leben ohne Abfall.

Einwegprodukte wie Papiertaschentücher sowie der Verpackungswahn der Lebensmittelindustrie führen dazu, dass mehr Abfall denn je produziert wird. Der Zero-Waste-Lifestyle wirkt dem entgegen und weist den Weg in eine nachhaltige Zukunft. 

Weniger Flugreisen, kein Fleisch mehr essen und immer brav recyceln. Kleine Anpassungen im Alltag und der Lebensgestaltung machen summiert einen grossen Unterschied. Ein Aspekt findet jedoch noch immer erstaunlich wenig Beachtung: Abfall. Oder besser gesagt, der Überfluss dessen. Laut swissinfo produziert jede*r Schweizer*in jährlich 700 Kilogramm Abfall. Damit gehört die Schweiz europaweit zu den Top 3, wenn es um Abfallproduktion geht. 

Zero Waste

Im Rahmen des Umweltschutzes entstand die Zero-Waste-Philosophie. Zero Waste bedeutet «Null Müll / Verschwendung» und bezeichnet das Ziel, möglichst keinen Abfall zu verursachen. Aber ist es überhaupt möglich, in der Schweiz zu leben, ganz ohne Abfall zu verursachen? «Nein, meiner Meinung nach nicht», stellt Martina Fischli, Botschafterin des Vereins ZeroWaste Switzerland, klar. «Aber mit einigen Umstellungen ist es gut machbar, bis zu 90 Prozent des täglichen Abfalls zu vermeiden.»

Unverpackt shoppen

Fischli ärgerte sich über unnötige Verpackungen von Lebensmitteln und entschied eines Tages, nur noch unverpackte Lebensmittel zu kaufen. Durch einen Unverpackt-Laden erfuhr sie vom Verein ZeroWaste Switzerland, und trat bei. In ihrem Leben hat sich seither einiges geändert: «Ich produzierte fast 35 Liter Müll pro Woche in einem Zweipersonenhaushalt. Mittlerweile sind es noch knapp 17 Liter alle zwei Monate. Wir vermeiden so zu zweit jährlich 1718 Liter Abfall», erzählt sie. 

We’re all in this together

Die Frage drängt sich auf, ob es wirklich die Aufgabe des Konsumenten sein sollte, Abfall zu vermeiden. So sind doch die Firmen, allen voran Lebensmittelkonzerne, die Verursacher. Sollte es dann nicht eher die Aufgabe der Politik sein, diesen Zustand zu ändern? Martina Fischli verneint: «Die nachhaltigste Lösung erreichen wir am besten, wenn alle Akteure ihren Beitrag leisten: Konsumenten, die Ansprüche stellen, Produzenten, welche mit nachhaltigen Lösungen und Alternativen darauf reagieren und die Politik, welche die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schafft.»

Simple Veränderungen, grosser Effekt

Um Zero Waste ins Leben zu lassen, muss man nicht gleich all seine Gewohnheiten auf den Kopf stellen. Es kann schon reichen, mit einem neuen Bewusstsein für Abfall durch den Tag zu gehen. Den Supermarkt sieht man dann plötzlich mit ganz neuen Augen. Auch ist es hilfreich, Schritt für Schritt kleine Änderungen in den Alltag zu bringen, bis sie zur Gewohnheit werden. «Ich gehe nie ohne Wasserflasche, ein paar Stoffsäcken und einem Essensbehälter aus dem Haus. Mit diesem kann ich jederzeit «unverpackt» einkaufen, zum Beispiel ein Stück Apfelwähe beim Beck», berichtet Martina Fischli. 

Für Mutter Erde und das Bankkonto

Zero Waste tut nicht nur der Erde gut, sondern auch dem Geldbeutel. Typische Wegwerfprodukte können durch wiederverwendbare Lösungen ersetzt werden. Auf lange Sicht spart man damit eine Menge Geld. Jeder, der sich regelmässig mit einer Monatsblutung herumschlägt, kennt den lächerlich hohen Preis von Menstruationsprodukten wie Tampons und Binden. Da diese auch noch chemisch gebleicht sind, tun sie der Gesundheit ebenfalls keinen Gefallen. Wer in eine Menstruationstasse investiert, schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. 

Begrenzte Ressourcen

Eines ist klar: Um unsere Erde zu schützen, müssen wir handeln. Es macht schlichtweg keinen Sinn, auf Klimademos zu marschieren und währenddessen den Coffee-to-go aus dem Plastikbecher zu schlürfen. «Es geht um einen umweltbewussten Umgang mit der Natur und unseren begrenzten Ressourcen», stellt Martina Fischli klar. Und das fängt im Kleinen an, bei Baumwoll-Abschminktüchlein und der Thermoskanne. 

Weitere praktische Infos zu Zero Waste in der Schweiz unter www.zerowasteswitzerland.ch

Bea Johnson, Autorin des Buches «Zero Waste Home», stellte die Regeln der 5 Rs auf. Sie dienen zur Orientierung beim Zero-Waste-Lifestyle

1. Refuse
Einfach Nein sagen. Das geht vom Plastiksäckli im Supermarkt, bis zum «Bitte keine Werbung»-Kleber am Briefkasten. Auch vor Kleinigkeiten wie Flyern oder Werbegeschenken sollte man sich allenfalls in Acht nehmen. Braucht man den zwanzigsten Kugelschreiber wirklich, nur weil er gratis ist? Eben.

2. Reduce
Die Anzahl der Sachen, welche man glaubt zu brauchen, können reduziert werden. Beispielsweise bei der Kleidung lässt sich das gut umsetzen. Wer fünfzehn Paar Jeans im Schrank hat, sollte sich fragen, ob diese wirklich alle getragen werden oder ob sie in einem Secondhand-Shop besser aufgehoben wären. Selbiges gilt für spezielle Küchengeräte, sperrige Möbel und Medien aller Art.

3. Reuse
Typische Wegwerfprodukte wie Kaffeekapseln sind zu vermeiden. Vieles lässt sich durch nachhaltige Produkte ersetzen, beispielsweise French Press-Kaffee statt Kapseln, Baumwolltücher statt Wattepads zum Abschminken und zum Backen Muffinförmchen aus Silikon verwenden, statt Papierförmchen. Diese Produkte nicht stets nachkaufen zu müssen, schont auch den Geldbeutel.

4. Recycle
Wenn sich die PET-Flasche mal nicht vermeiden lässt oder an Silvester der Schampus aus der Glasflasche kommt, den Abfall unbedingt korrekt recyceln.

5. Rot
Rot steht im Englischen für Verwesung. Im Alltag heisst das; organische Küchenabfälle kompostieren. Dazu kann im Garten oder sogar auf dem Balkon ein Kompost eingerichtet werden.

Text: Fatima Di Pane

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