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Zürich
24 September 2020

Gemeinsam für ein nachhaltiges Ernährungssystem.

Klimaschutz, Landwirtschaft, Ernährungsysteme – Fragen rund um folgende Themen wollen das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW und das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau, FiBL, in Zukunft gemeinsam lösen. Isabel Jaisli von der ZHAW Wädenswil und Matthias Stolze vom FiBL im Gespräch.

Frau Jaisli, Herr Stolze: Im Schwerpunkt «Agrofoodsystems» des Masterstudiengangs Umwelt und Natürliche Ressourcen arbeiten beide, ZHAW und FiBL, zukünftig zusammen. Wie sieht diese Zusammenarbeit in der Praxis aus?

Jaisli: Bereits seit mehreren Jahren arbeitet die ZHAW, sowohl in Forschungsprojekten als auch in der Lehre, mit dem FiBL zusammen. Aufgrund der positiven Erfahrungen wollen wir dies nun im neuen Masterstudiengang noch weiter stärken. Ein wichtiges Element ist die Integration in Forschungsgruppen. Die Studierenden haben die Möglichkeit sich in einem bestimmten Fachgebiet zu vertiefen. Neu können sie hierfür auch eine Gruppe des FiBLs wählen. Dadurch können wir das Spektrum der Spezialisierungsmöglichkeiten für unsere Studierenden erweitern. Das FiBL bietet mit seinen vielfältigen nationalen und internationalen Forschungsprojekten hierfür ideale Möglichkeiten.

Stolze: Die Zusammenarbeit umfasst nicht nur die Betreuung von Studierenden in den Forschungsgruppen am FiBL, sondern auch gemeinsames Unterrichten: So behandeln Fachleute des FiBL die Auswirkungen der heutigen Landwirtschaft auf die Umwelt und Tiergesundheit und zeigen wie die Landwirtschaft und unsere Ernährung nachhaltiger gestaltet werden kann. Ausserdem führen wir gemeinsam in Kooperation mit spanischen, slowenischen und ungarischen Universitäten eine Summerschool zum Thema Agrobiodiversität durch.

Wieso kommt diese Kooperation zum jetzigen Zeitpunkt?

Stolze: Die jetzt vereinbarte Zusammenarbeit ist eine logische Weiterentwicklung unserer bisherigen erfolgreichen Zusammenarbeit. So bieten die ZHAW und das FiBL schon seit 2012 im Bachelor für Umweltingenieure die Vertiefungsrichtung «Biologische Landwirtschaft und Hortikultur» an. Ausserdem haben wir in den letzten drei Jahren eine internationale Summerschool zur Nachhaltigkeit von Lebensmittelwertschöpfungsketten durchgeführt, die auf ein grosses Interesse bei Studierenden aus der Schweiz, der EU, Asien und Afrika gestossen ist.

Die Veränderungen des Klimas aber auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen werden die Schweizer Landwirtschaft in Zukunft beeinflussen.

Welche Herausforderungen kommen auf die Schweizer Landwirtschaft zu?

Jaisli: Die Veränderungen des Klimas aber auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen werden die Schweizer Landwirtschaft in Zukunft beeinflussen. Die Konsumenten verlangen zunehmend nach nachhaltig produzierten Lebensmitteln. Gleichzeitig müssen die Landwirte wettbewerbsfähig produzieren können. Es ist daher wichtig, eine innovative und vor allem auch vielfältige Landwirtschaft zu fördern. Dies ist auch im Hinblick auf den Klimawandel enorm wichtig.

Eine nachhaltige Landnutzung und -wirtschaft ist eine der entscheidenden gesellschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Bewegen wir uns in die richtige Richtung?

Jaisli: Wir beobachten Entwicklungen, die in unterschiedliche Richtungen gehen. Der Verzicht auf tierische Produkte liegt aktuell im Trend – dies ist ein entscheidender Schritt hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem. Gleichzeitig nimmt der Konsum von Fleisch, vor allem global, stetig zu. Neben den technischen Lösungen für eine ressourcenschonendere Landwirtschaft ist auch ein Umdenken in der Gesellschaft nötig.

Biodiversitätsverluste und hohe Stickstoffüberschüsse sind noch immer ungelöste Probleme.

Stolze: Leider hat die Agrarpolitik in den letzten 25 Jahren nicht dazu geführt, dass sich die Umweltwirkungen der Landwirtschaft deutlich verbessert haben. Biodiversitätsverluste und hohe Stickstoffüberschüsse sind noch immer ungelöste Probleme. Was mich aber positiv stimmt ist, dass die Gesellschaft immer nachdrücklicher eine klima- und umweltfreundliche Landwirtschaft fordert.

Die Nahrungsmittelproduktion wird immer komplexer. Mit welchen Fragestellungen befassen sich die Studierenden des Master of Science in Umwelt und Natürliche Ressourcen?

Jaisli: Es sind Fragestellungen, die einerseits eine interdisziplinäre Herangehensweise und andererseits den Umgang mit Zielkonflikten erfordern. So analysieren die Studierenden beispielsweise die agronomische Eignung einer Nischenkultur für die Schweiz, und bewerten parallel dazu die Potenziale aus Sicht der Konsumenten. Der Einbezug der verschiedenen Perspektiven und der gesamten Wertschöpfungsketten sind zentral um nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

Stolze: Aber in der Tat, wie Isabel Jaisli ausgeführt hat, sind die Fragen, wie wir uns zukünftig nachhaltig und gesund ernähren nicht mit einfachen Rezepten zu beantworten. Um den Klimawandel zu mindern müssen Experten mit unterschiedlichen Kompetenzen und Fachrichtungen gemeinsam zusammenarbeiten. Sie müssen so ausgebildet werden, dass sie Komplexität managen und Systemwirkungen nutzen können. Genau das ist die Idee des MRUs Agrofoodsystems.

Was genau ist zu verstehen unter Agrofoodsystems?

Jaisli: Es geht dabei um das gesamte Ernährungssystem – von der Landwirtschaft über den Handel bis zum Konsumenten und weiter. Sowohl die Umwelt als auch die Gesellschaft und die Politik sind wichtige Einflussfaktoren. Gleichzeitig gibt es Wechselwirkungen. So ist die Landwirtschaft zum Beispiel selbst ein Verursacher von Treibhausgasemissionen, und gleichzeitig stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. 

Bei allen Lösungen geht es letztendlich darum unser Ernährungssystem nachhaltiger zu gestalten.

An welchen Lösungen arbeiten die Studierenden?

Jaisli: Die Bandbreite ist sehr gross. So gibt es zum Beispiel Studierende, die sich mit der Entwicklung biologischer Massnahmen zum Pflanzenschutz als Alternative zu Pestiziden beschäftigen. Andere Studierende entwickeln Bildungs- und Kommunikationskonzepte um eine nachhaltigere Ernährung zu fördern. Bei allen Lösungen geht es letztendlich darum unser Ernährungssystem nachhaltiger zu gestalten.

Stolze: In den FiBL-Forschungsgruppen beschäftigen sich die Studierenden beispielsweise mit den Themen Agrarökologie und Suffizienz. Dabei geht es darum, Lösungen zu finden wie die Agrarökologie in der Schweiz stärker verankert werden kann und wie das Konsum- und Produktionsniveau von Fleisch in der Schweiz so angepasst werden kann, damit die Belastungsgrenzen unserer Ökosysteme nicht überschritten werden.

Wie unterscheidet sich dieses Masterstudium von anderen ähnlichen Programmen?

Jaisli: Eine Besonderheit ist die Integration in die Forschungsgruppen. Während des gesamten Studiums sind die Studierenden eine Gruppe angegliedert und arbeiten an realen Projekten. Hier bieten sich auch sehr gute Möglichkeiten für eine Vernetzung. Die Studierenden profitieren von der Praxisnähe der ZHAW.

Stolze: Die Mitarbeit in den Forschungsgruppen ermöglicht den Studierenden ihr theoretisches Wissen in einen Kontext zu stellen. Mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des FiBL können sie aus verschiedenen Perspektiven diskutieren. Das ist wirklich einmalig. Ausserdem gibt es in diesem Masterstudium nicht einfach die Sequenz «Vorlesungen, Prüfung, Vorlesung, Prüfung». Im Modul «Agrofoodsystems und Chains» bekommen die Studierenden den Auftrag, das Gelernte im Kontext von konkreten Fällen und mit wissenschaftlicher Literatur zu reflektieren und so Schlussfolgerungen zu ziehen.

Mit welchen Fähigkeiten werden die Studierenden ausgestattet?

Jaisli: Das Themenfeld «Agrofoodsystems» ist geprägt von Zielkonflikten und unterschiedlichen Interessen. Unsere Studierenden sollen die Fähigkeit erwerben diese zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Dies erfordert zum einen ein Verständnis vom gesamten Ernährungssystem und seinen Zusammenhängen. Zum anderen erwerben die Studierenden während des Studiums ein methodisches Repertoire. Sie haben hierbei die Wahl zwischen dem naturwissenschaftlichen Profil und dem sozialwissenschaftlichen und sozioökonomischen Profil. Wir möchten ihnen möglichst praxisrelevante Methoden vermitteln. 

Die Landwirtschaft, unsere Ernährung und somit auch das Ernährungssystem werden sich verändern und daran sollten wir aktiv mitwirken.

Was muss geschehen, damit wir auch in Zukunft auf eine funktionierende nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung zählen können?

Jaisli: Es braucht Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen. Die Politik und Wirtschaft sind hierbei entscheidend, aber auch die Konsumenten tragen eine wichtige Verantwortung. Wir müssen offen sein für Innovationen. Die Landwirtschaft und unsere Ernährung werden sich verändern und daran sollten wir aktiv mitwirken.

Stolze: Wir stehen vor verschiedenen Herausforderungen. Wie ernährt man sich gesund und nachhaltig? Wie können wir den Umwelt- und Klimaschutz gewährleisten? Und wie können Bäuerinnen und Bauern von ihrer Arbeit leben? Diese Themen werden oft separat voneinander diskutiert. Dabei hängen sie alle miteinander zusammen. Für eine erfolgreiche Ernährungspolitik brauchen wir einen neuen gesellschaftlichen Konsens, der Konsum, Umwelt, Gesundheit und landwirtschaftliche Produktion miteinschliesst.

Weitere Informationen unter www.zhaw.ch/iunr/master.

Einen weiteren Artikel zu Nachhaltigkeit lesen Sie hier.

Text: SMA

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