16.1 C
Zürich
29 Mai 2020

Chancen des 10. Schuljahrs.

Das Schweizer Bildungssystem ist keine Einbahnstrasse: Nach der obligatorischen Schulzeit stehen einem mehrere Optionen offen. Während die meisten bestens über die Berufslehre und das Gymnasium Bescheid wissen, sieht es beim 10. Schuljahr anders aus. Ein Einblick in das für viele unbekannte Brückenangebot.

Je näher das Ende der obligatorischen Schulzeit rückt, umso häufiger bekommen Schülerinnen und Schüler die eine Frage gestellt. Und, was machst du danach?

Nicht alle können diese Frage mit Leichtigkeit beantworten. Das breite Angebot mit den verschiedensten Berufslehren sowie andere Optionen stellen einen vor die Qual der Wahl. Während viele Schülerinnen und Schüler den Weg ans Gymnasium oder eine Berufslehre wählen, entscheiden sich andere wiederum für eine Zwischenlösung wie ein 10. Schuljahr. Dieses zählt neben dem Au-pair-Sprachaufenthalt und dem «klassischen» Sprachaufenthalt zu den drei beliebtesten Zwischenlösungen in der Schweiz.

Das zehnte Schuljahr als populäres Brückenangebot

Das 10. Schuljahr befindet sich bezüglich der Optionen nach der obligatorischen Schulzeit nicht auf der Spitzenposition. Dennoch entscheiden sich Erhebungen zufolge nicht wenige Schülerinnen und Schülerinnen dafür.

Das bestätigt auch Oswald von Arx, Geschäftsleiter eines Bildungszentrums in Solothurn: «Gemäss dem Bundesamt für Statistik, absolvierten 2017/2018 etwas mehr als 19 000 Jugendliche ein Brückenangebot zwischen der Sekundarschule I und der Sekundarschule II. Diese sogenannten Brückenangebote teilen sich in verschiedene Ausbildungsmassnahmen ein. Dabei haben sich gemäss dem Bundesamt etwas mehr als 5 200 Jugendliche für ein vom Kanton oder privat finanziertes einjähriges Bildungsangebot mit oder ohne Praxisanteil entschieden.»

Gemäss dem Bundesamt für Statistik, absolvierten 2017/2018 etwas mehr als 19 000 Jugendliche ein Brückenangebot zwischen der Sekundarschule I und der Sekundarschule II.

Oswald von Arx

Da sich aber noch immer mehr Jugendliche für das Gymnasium oder eine Berufslehre entscheiden, existieren zum 10. Schuljahr leider noch zahlreiche Defizite bezüglich des Wissens zum Aufbau davon. Auch, für welche Schülerinnen und Schüler es sich am besten eignet.

Aufbau eines zehnten Schuljahrs

Wie die gymnasiale oder berufliche Ausbildung entspricht auch ein zehntes Schuljahr nicht einer starren Schablone. «Ein schulisches Brückenangebot, welches von öffentlichen (kantonalen) oder privaten Anbieter angeboten und durchgeführt wird, kann von Kanton zu Kanton oder von Institution zu Institution sehr unterschiedlich gestaltet sein», weiss Oswald von Arx. «Einige Anbieter richten den Schwerpunkt gezielt auf Deutsch, Mathematik und Allgemeinbildung. Andere wiederum auf die Förderung der handwerklichen, kreativen und sportlichen Kompetenzen.»

Dennoch verfügen die verschiedenen Angebote über ein verbindendes Element, wie der Experte weiter ausführt: «Gemeinsam haben alle Angebote, dass sie die Berufswahl und Laufbahnvorbereitung sowie die Vorbereitung auf Eignungstests für Lehrstellen aller Teilnehmenden fördern. Zudem ist es das längerfristige Ziel aller Anbieter, den Jugendlichen den Übertritt in eine Berufsausbildung, respektive die Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen.»

Für wen eignet sich ein zehntes Schuljahr?

Das Treffen der Entscheidung für den weiteren Ausbildungsweg fällt genau mit der Pubertät zusammen. Ein Alter, welches für Jugendliche schon genug Herausforderungen bereithält. Der Gedanke, sich gefühlt für die gesamte persönliche Zukunft festlegen müssen, kann dabei schnell überfordern. Zwischenlösungen wie ein 10. Schuljahr können dabei eine Hilfe darstellen.

«Schulische Brückenangebote haben unter anderem das Ziel, leistungsschwache Jugendliche und solche mit wenig Kenntnissen der Lokalsprache oder solche mit Motivations- und Entscheidungsproblemen den Übertritt in die Berufswelt zu erleichtern», erläutert Oswald von Arx. «Dabei wird oft bemängelt, dass die Angebote teilweise sehr teuer sind und ihrer eigentlichen Aufgabe der schulischen und sprachlichen Förderung nicht oder nur teilweise gerecht werden. Auch wird sehr oft bemängelt, dass es bessere Massnahmen gäbe, um Jugendliche den Übertritt in die Berufswelt zu erleichtern als weitere zwölf Monate im Klassenzimmer zu verbringen.»

Das Absolvieren alleine reicht noch nicht aus

Egal für welchen Weg man sich nach der obligatorischen Schulzeit entscheidet – keiner geht nur mit Vorteilen einher. Ein 10. Schuljahr allein darf auf keinen Fall als die perfekte Lösung schlechthin gelten. Davor warnt auch der Experte. «Es besteht in einigen Fällen irrtümlich die Vorstellung, dass ein schulisches Brückenangebot, wie es ein zehntes Schuljahr darstellt, in jedem Fall eine geeignete Weiterbildung für alle ermöglicht. Nur durch den Besuch eines zusätzlichen Ausbildungsjahres steigern sich nicht automatisch die Chancen der Teilnehmenden auf eine Anschlusslösung im Interesse der Absolventinnen und Absolventen.»

Was sollten die Absolvierenden laut Oswald von Arx noch mitbringen? «Wichtig ist eine Portion Neugier, der Wille Neues zu lernen sowie das Charisma einer Person, eine geeignete Anschlusslösung zu finden. Oder anders gesagt: Bildung ist das, was übrigbleibt, wenn man alles, was man mal gelernt hat, wieder vergessen hat.»

Erfolgversprechende Zahlen

Doch genau wie die obligatorische Schulzeit geht auch ein 10. Schuljahr einmal zu Ende. Welches sind dabei die zentralen Outputs? «Die Wirksamkeit der Brückenangebote kann unter zwei Perspektiven betrachtet werden. Derjenigen des Anschlusses an Ausbildungs- und Arbeitsstellen und derjenigen der Förderung der Jugendlichen», erklärt Oswald von Arx, «leider bestehen diesbezüglich nur sehr wenige Erkenntnisse.»

Die vorhandenen Erhebungen versprechen aber Erfolg. «Eine Erhebung aus dem Kanton Appenzell 2015 hat diesbezüglich ergeben, dass von 92 Personen, welche im Sommer ein Brückenangebot verlassen haben, 77 Prozent in eine Berufslehre einsteigen und 7 Prozent eine weiterführende Schule besuchen. Nur 16 Prozent hatten noch keine geeignete Anschlusslösung nach dem Abschluss gefunden.»

Wer sich also gegen Ende der obligatorischen Schulzeit aus diversen Gründen noch nicht definitiv für die Zeit danach festlegen kann oder will, aber dennoch einen groben Plan im Hinterkopf hat, ist mit der Entscheidung für ein 10. Schuljahr auf jeden Fall gut beraten.

Text: Lars Gabriel Meier

Lesen Sie mehr.

Ein Cheminée im Niedrigenergiehaus – kein Widerspruch

Mit der Familie vor dem Kamin einen warmen Winterabend in den eigenen vier Wänden geniessen. Beruhigende Stimmung durch das lodernde Feuer und das knisternde Holz. Moment: brennendes Holz? Dafür mussten Bäume gefällt werden? Kann man in einem Niedrigenergiehaus überhaupt ruhigen Gewissens ein klassisches Cheminée platzieren?

Berufswunsch Opernsängerin

Brigitte Tornay brach ihre Ausbildung zur Malerin ab und entschloss sich, Opernsängerin zu werden. Obwohl viele Personen der Meinung waren, Singen sei kein wirklicher Beruf, setzte sich die selbstbewusste junge Dame durch. Sie wollte ihren Traum verwirklichen.

Sprachreisen – eine Lebensschule für jedermann

Sprachreisen sind und bleiben im Trend. Dieses Abenteuer können sich viele Schweizer dank ihres meist guten Lebensstandards leisten. Die Welt entdecken, Sprachen lernen, Kulturen verstehen, Spass haben, sich selbst besser kennenlernen und noch viel mehr packt der Reisende während einem Sprachaufenthalt in seinen Lebensrucksack.

Eine Sauna, die gesund hält

Die feuchte und regnerische Jahreszeit lädt zu einem Besuch in die Sauna ein. Das regelmässige Saunabaden hat positive Auswirkungen auf den Schlaf, die Blutdruckwerte, die persönliche Stimmung und die Leistungsfähigkeit.

Archiv.

Hochzeiten gewinnen an Individualität

Die heutige Zeit wird immer schneller und digitaler. Gerade deswegen vertrauen wir stärker als je zuvor in die Gemeinsamkeit und in die Ehe.