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25 Oktober 2020

Privat vorsorgen für den gesicherten Ruhestand.

Das Altersvorsorgesystem der Schweiz lebt seit Jahrzehnten vom Drei-Säulen-Prinzip. Doch das Fundament dieses Systems bröckelt: In einer Zeit, in der staatliche Reformen für die Altersvorsorge dürftig ausfallen, muss man sich mit der privaten Vorsorge befassen. So steht man im fortgeschrittenen Alter nicht mit leeren Taschen da. 

Die private Altersvorsorge beschäftigt viele Schweizerinnen und Schweizer. Individuelles Sparen wird immer wichtiger, denn das Schweizer Altersvorsorgesystem hat Probleme, sich selber zu finanzieren. Wie sorgt man dafür, dass das Kapital auch im Alter gesichert ist?

Altbewährt aber sanierungsbedürftig

Die Schweizer Politik ringt seit Jahren um eine Reform der Altersvorsorge. Die staatliche Vorsorgeversicherung AHV schrieb 2018 Verluste von über 2 Milliarden Franken. Teilerfolge geben wieder Aufwind, wenn auch nur zwischenzeitlich. 2019 nahm das Schweizer Stimmvolk beispielsweise die AHV-Steuervorlage an. Diese vorübergehende Stabilisierung löst aber das Hauptproblem der AHV nicht: Die Zahl an Rentnerinnen und Rentner nimmt im Vergleich zur berufstätigen Generation immer stärker zu. So gibt die AHV mehr Geld für Renten aus, als sie Beiträge von Berufstätigen einnehmen kann. Deswegen sehen Experten schwarz für die Finanzierung der AHV und prognostizieren für 2023 bereits wieder negative Zahlen.

Zeit zu handeln

Das Schweizer Altersvorsorgesystem ist so aufgebaut, dass Auszahlungen aus der ersten und zweiten Säule nach der Pensionierung rund 60 bis 70 Prozent des letzten Lohnes ausmachen. Dieser monatlich ausgezahlte Betrag soll den Pensionierten ermöglichen, ihren Lebensstandard wie gewohnt weiterzuführen. Doch die Praxis zeigt, dass dies für viele schon länger nicht mehr der Realität entspricht: Während die AHV aus erwähnten Gründen einen schweren Stand hat, kürzte die Pensionskasse mehrfach ihre Leistungen und infolgedessen auch Erträge aus der zweiten Säule. Finanzblogger Fabio Marchesin, besser bekannt als FinanzFabio, ist der Meinung, dass sich Arbeitnehmende besonders unter diesen Umständen mit der dritten Säule des Altersvorsorgesystems befassen müssen: «AHV und Pensionskassen können beide ihr Versprechen, die Fortsetzung der gewohnten Lebenserhaltung in angemessener Weise zu ermöglichen, nicht mehr halten. Für sein Geld selbst Verantwortung zu übernehmen, ist heute wichtiger denn je.» 

Das dritte Standbein fürs Alter

Eventuelle Einkommenslücken im Alter können mit Hilfe der Säule 3a geschlossen werden. Sie ist eine von der Verfassung festgelegte Vorsorgeform, welche die Eigenverantwortung ins Zentrum stellt. In der Schweiz dürfen Banken und Versicherungen die Säule 3a zu unterschiedlichen Bedingungen anbieten. Für den Kunden besteht dann die Möglichkeit, jährlich einen Maximalbetrag einzuzahlen, welcher fürs Alter gedacht ist. Dabei muss man beachten, dass die Einzahlungsregelungen auf der Bank anders aussehen als bei einer Versicherung: Die Versicherung sieht die Einzahlung als eine fixe Prämie und verpflichtet den Kunden, diese regelmässig einzuzahlen. Sie bietet dem Kunden aber auch einen Risikoschutz. Bei Erwerbsunfähigkeit übernimmt die Versicherung künftige Einzahlungen, sodass keine Lücke entsteht. Eine Bank hingegen legt keine Betragsgrösse für die Einzahlung fest und überlässt es dem Kunden, wie viel er auf die Seite legen möchte. So können jedoch auch Lücken im Sparverhalten entstehen. 

Die staatliche Vorsorgeversicherung AHV schrieb 2018 Verluste von über 2 Milliarden Franken. Teilerfolge geben wieder Aufwind, wenn auch nur zwischenzeitlich.

«Wer nur Geld sparen will, ist bei der Versicherung fehl am Platz. Wer eine Absicherung für sich und seine Familie braucht, sollte zur Versicherung und eine individuelle Beratung in Anspruch nehmen», meint FinanzFabio. Beide Institutionen bieten zwei verschiedene Sparlösungen an: Das Zinssparen oder Wertschriftensparen. Beim Zinssparen entscheidet man sich für eine sichere Sparlösung mit wenig Rendite. Das Wertschriftensparen ermöglicht in der Regel höhere Renditen, birgt jedoch mit Investitionen in Aktien und Obligationen ein grösseres Risiko für Verluste. 

Nicht nur sparen für die Pensionierung

Erwerbstätige mit Pensionskasse können für das Jahr 2020 höchstens CHF 6 826 einzahlen. Für Arbeitnehmer ohne Pensionskasse und Selbstständige liegt der Höchstbetrag bei CHF 34 128 oder maximal 20 Prozent des Erwerbseinkommens. Dieses Sparen für die Zukunft bringt auch Gutes für die Gegenwart mit sich. Zusätzlich dazu, dass man das verdiente Geld bewusst anlegt, profitiert man nämlich auch von einer tieferen Steuerrechnung. Die im Jahr eingezahlten Beiträge können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Gleichzeitig unterliegen die Zinserträge weder der Einkommens- noch der Verrechnungssteuer. Auch ist die Säule 3a eine Absicherung für die Liebsten: Im Todesfall ist das gesparte Geld nicht verloren, sondern geht an die Erben.

Das angesparte Kapital in der Säule 3a ist grundsätzlich für die Altersvorsorge reserviert. Frühestens fünf Jahre vor der Pensionierung kann dieses ausgezahlt werden. Die Ausnahme ist ein sogenannter Vorbezug, bei dem man das Geld ausserordentlich beziehen kann. Das Gesetz erlaubt es, für die Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit, für die Finanzierung eines Eigenheims und die damit verbundene Hypothek oder für eine Auswanderung das bereits angesparte Kapital auf dem Säule 3a Konto zu beziehen.

Sich über die eigene Vorsorge schlau machen

Sobald man AHV-pflichtig ist und bis zum beruflichen Ruhestand sind Einzahlungen in die dritte Säule möglich. «Wenn man regelmässig Geld verdient, macht es Sinn, eine Säule 3a abzuschliessen», sagt FinanzFabio. Während einer Berufslehre, einem Studium oder sonstigen Erstausbildung ist das Einkommen in der Regel eher knapp. «Doch wer Teilzeit arbeitet, kann auch entsprechend seinem Pensum etwas einzahlen», so der Finanzplaner weiter. Unregelmässige oder tiefe Einkommen begrenzen zwar das Sparpotenzial, jedoch wirkt sich jede Einzahlung positiv auf die Altersvorsorge aus.  Für junge Sparinteressierte hat FinanzFabio noch einen Tipp: «Investiert zuerst in finanzielle Bildung. Lest Bücher, schaut entsprechende Videos und informiert euch über private Finanzen, bevor ihr Geld investiert.»

Text: Dominic Meier

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