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18 Mai 2021

Verantwortungsvolle Lieferketten sind nicht nur Sache der Unternehmen.

Im Meinungsbild der Öffentlichkeit über Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein rückt immer mehr die ganze Lieferkette in das Rampenlicht. Den Zwischenhändlern und Endkonsumierenden kommt dabei auch eine tragende Rolle zu. 

Damit die Schweiz die gesetzten Klimaziele erreicht, erfüllt Nachhaltigkeit einen wichtigen Zweck. Aber nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung, sondern auch die soziale. Zum Beispiel zeigt die Konzernverantwortungsinitiative, dass die Schweizer Kundschaft sich tiefer gehende Gedanken über die Umweltfreundlichkeit und das Verantwortungsbewusstsein von Unternehmen macht – und das über unsere Landesgrenzen hinaus. Die Komplexität des Themas darf dabei aber nicht aus den Augen verloren werden. Nina Bachmann, Leiterin Technologie und Umwelt des Verbands Swiss Textiles, beleuchtet die Angelegenheit am Beispiel der Textilindustrie.

Ein Thema mit vielen Facetten

Eine verantwortungsvolle Wirtschaft ist nicht nur ein einzelnes Thema, sondern eine Zusammenfassung von vielen. Beispielsweise gehören Herausforderungen wie das Chemikalienmanagement, die Wasserverbrauchreduktion und die CO2-Emissionsverringungen in den Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit. Im Bereich des Sozialen drehen sich die Fragen unter anderem um Arbeitsbedingungen und Löhne. In Bezug auf die Textilindustrie stellt Nina Bachmann fest, dass es in den letzten Jahren schon viele Fortschritte gab. Beispielsweise haben technologische Fortschritte bessere Chemikalienmanagementsysteme ermöglicht. Wenn aber eine ganze internationale Lieferkette betroffen ist, sind die Herausforderungen ungleich schwieriger. Vor allem im Bereich der sozialen Verantwortung verkomplizieren die unterschiedlichen rechtlichen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen eine Transformation. Nina Bachmann fügt an: «Es braucht alle Akteure am Tisch und die Kommunikation ist nicht immer einfach. Bei internationalen Lieferketten schnelle Resultate herbeizuführen, ist sehr schwierig.»

Der Zwischenhandel

Zwischenhändler nehmen auf dem Weg zu einer nachhaltigeren und verantwortungsvollen Lieferkette auch eine Rolle ein. Transparenz in der Lieferkette, und somit auch im Zwischenhandel, scheint unabdingbar, um Nachhaltigkeit garantieren zu können. Laut Nina Bachmann ist es aber nicht so geradlinig, man müsse differenzieren: «Es geht vor allem um die Rückverfolgbarkeit innerhalb der Lieferkette.» Schliesslich lebt der Zwischenhandel bis zu einem gewissen Grad von Intransparenz. Das Geschäftsmodell besteht darin, dass der Zwischenhändler über mehr Wissen zu Lieferanten verfügt als der Kunde. Müssten sie vollkommen transparent sein, fiele ihr Nutzen weg. Eine Rückverfolgung zu ermöglichen, ohne den Zwischenhandel auszuhebeln, ist eine Herausforderung, zu der es eine Lösung zu finden gilt, beispielsweise via digitale Technologien. Ohnehin ist der Zwischenhandel nur ein Akteur unter vielen. Nina Bachmann erläutert, dass «sich viele Beteiligte bewegen müssen: Unternehmen, Zwischenhandel, Kunden, Brands, aber auch Regierungen in den Produktionsländern.»

Die Endkonsumierenden

Auch Privatpersonen tragen eine Verantwortung, wenn Lieferketten umwelt- und sozial verträglicher werden sollen. «Die Konsumentinnen und Konsumenten könnten sicher noch mehr Wertschätzung einbringen», glaubt Nina Bachmann. Das oberste Gebot dabei ist die Information. Wenn man weiss, wie beispielsweise ein Textil entsteht und wie komplex gewisse Prozesse sind, entsteht ein Bewusstsein für dessen Wert. Ein zweiter Schritt beinhaltet dann die Interessensbekundung. Nina Bachmann empfiehlt auch, direkt beim Verkaufspersonal nachzufragen, denn so könnte das Interesse für nachhaltige Produkte – auch in höheren Etagen – besser wahrgenommen werden. Zudem kann die Kundschaft auch Unternehmen honorieren, die sich in Bezug auf verantwortungsvolles Wirtschaften beginnen zu bewegen – beispielsweise mittels positiver Feedbacks auf Social Media oder Kundenportalen. Momentan sind nachhaltige Produkte unter anderem aufgrund kleiner Mengen noch teurer. Dieser Aufpreis sollte aber die Sache wert sein.

Definitionen der Nachhaltigkeit

Eine Art, wie sich Privatpersonen, Unternehmen und der Zwischenhandel über die Nachhaltigkeit eines Produkts schlaumachen können, sind Labels und Standards. In der Textilindustrie besteht das Problem nicht darin, dass es zu wenige Standards gibt, sondern darin, dass es zu viele gibt. Nina Bachmann weist darauf hin, dass dies zum Teil daran liege, dass Nachhaltigkeitszertifikate ein lukratives Geschäft sind. Bei der Kundschaft und den Unternehmen sorgt es derweil für einige Verwirrung. So wie das Thema Nachhaltigkeit mehrere Facetten besitzt, gibt es auch unterschiedliche Bedürfnisse von Endkonsumierenden und Unternehmen, welche sie erfüllen möchten. Das richtige Label oder Zertifikat zu finden, ist aber bei dieser Auswahl nicht einfach. Unternehmen können bei Verbänden und Beratern um Hilfe ersuchen. Konsumentinnen und Konsumenten empfiehlt Nina Bachmann, sich online zu informieren. Zum Beispiel gibt es Webseiten wie labelinfo.ch oder siegelklarheit.de, welche die Bedeutung textiler Labels und Zertifikate erläutern.

Hoffnungsträger Innovation

Obwohl die Umstellung schwierig ist, gerade in komplexen Lieferketten, könnte die Forschung neue Wege aufzeigen. «Darin darf man schon grosse Hoffnungen setzen. In der Schweiz sind wir sehr gut unterwegs», erklärt Nina Bachmann. Obwohl die Textilindustrie nach wie vor als besonders umweltschädlich wahrgenommen wird, geschehen darin aktuell viele innovative Fortschritte. Virtuelle Prototypen und 3D-Avatare ermöglichen in Zukunft einen schnelleren Produktionsprozess mit geringem Abfall. Ebenso können neue Textilien aus innovativen Fasern die Nachhaltigkeit einen grossen Schritt vorwärtsbringen. Und auch im Bereich Recycling laufen viele Projekte, die in den nächsten Jahren vom Labor in die Praxis gebracht werden könnten.

Text Kevin Meier

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