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19 Januar 2021

Über 50-Jährige fassen Bildschirme ins Auge.

E-Banking, Online-Verwaltung und Videoanrufe: Technologie hat unseren Alltag gehörig verändert. Dennoch lassen sich die über 50-Jährigen nicht abhängen. Sie experimentieren mit den neuen Technologien und die Anwendungen passen sich ihnen an.

Für die Generation, die in eine Welt mit Bildschirmen hineingeboren wurde, mutet deren Gebrauch natürlich an. Sie bestellen ein Uber anstelle eines Taxis, mieten ein E-Scooter, um nicht laufen zu müssen oder finden nötige Informationen unterwegs auf dem Smartphone. Es wird aber immer wieder davor gewarnt, dass ältere Generationen in dieser Entwicklung abgehängt werden. Nichtsdestotrotz benutzen auch über 50-Jährige diese Technologien, auch wenn sie nicht unbedingt daran gewöhnt sind.

Auch Ältere gehen mit der Zeit

«50-Jährige kaufen für sich selbst, ihre Kinder und sogar ihre Eltern ein», erklärt Geoffroy Van Humbeeck, der mit aSmartWorld ein Start-up gegründet hat, das Smartphones wiederaufbereitet. Ein Konzept, das sich an den Werten der Kreislaufwirtschaft orientiert. «Dieses Alterssegment ist sich offensichtlich der Notwendigkeit von Nachhaltigkeit und Verantwortung bewusst», betont der Gründer des Start-ups, welches vor Kurzem eine Stiftung für digitale Inklusion ins Leben gerufen hat. «Die Stiftung wurde geboren, um eine strukturelle Antwort auf die Probleme der digitalen Inklusion zu geben», sagt Geoffroy Van Humbeeck. Für ihn ist die Kluft zwischen den Generationen während der Digitalisierung vor allem auch ein soziales Problem.

«Die Stiftung für Digitale Inklusion hat einen breiteren Ausblick. Wir wollen nicht nur älteren Menschen helfen, sondern allen den Zugang zu Technologien ermöglichen, unabhängig von Alter oder ihrem sozialen Hintergrund.» Allerdings weist der Gründer auch darauf hin, dass sich nicht alle für den digitalen Weg entscheiden. «Es gibt auch Menschen, die keinen Zugang zu diesen Technologien haben, weil sie die Notwendigkeit davon nicht sehen, sich nicht damit beschäftigen oder niemanden haben, der ihnen hilft». Dennoch erwerben über 50-Jährige Geräte bei aSmartWorld. «Wir führen eine grosse Palette von Smartphones und anderen Geräten, die Grundfunktionalitäten bieten.»

Optimierte Tablets

Gaëtan Del Marmol hat sich eingehend mit Geräten, die Grundfunktionen bieten, beschäftigt. «Einige Menschen um die 55 haben sich so ein Tablet gekauft, gerade weil sie wenig Erfahrung mit elektronischen Geräten haben.» Der Unternehmer vermarktet das «Senior Tab», ein vereinfachtes Tablet, das an Einsteiger und Senioren ausgerichtet ist. «Sie finden das Gerät einfach zu bedienen.» Seine Kundschaft bewegt sich im Alterssegment zwischen 50 und 99 Jahren.

Es ist wichtig, dass Senioren das Tablet einfach lesen können, damit es ein Begleiter in die digitale Welt sein kann.

Gaëtan Del Marmol

Beispielsweise ist in diesem Tablet ein Menü mit den häufigsten Symbolen des Internets zu finden. «Es ist wichtig, dass Senioren das Tablet einfach lesen können, damit es ein Begleiter in die digitale Welt sein kann.» Vom Messaging über Medien hin zu Spielen: Wenn die Bedienung simpel ist, können Anwendungen vielfältig sein und sogar bis zum Online-Shopping reichen. Gaëtan Del Marmol spezifiziert die Käufe im Internet: «Ich sage immer, dass man Jüngere um Hilfe bitten soll». Vermeintliche Unterschiede in digitalen Fähigkeiten können durch gegenseitige Hilfe zum Vehikel für soziale Bindungen zwischen (Gross-)Eltern und Kindern werden.

Die Wahl des Tablets als Gerät ist eine strategische. «Ein Computer ist ein lästiges Ding», meint der Unternehmer, «und Smartphones machen nur fünf Prozent meiner Verkäufe aus. Wir setzen auf den Touchscreen des Tablets, weil es die meistbenutzte Funktionalität ist». Auch die Grösse des Geräts spielt eine wichtige Rolle, denn «je älter man wird, desto schlechter wird die Sicht. Deshalb finde ich das Tablet einen guten Kompromiss.»

Text SMA
Übersetzung aus dem Französischen Kevin Meier

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