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19 Januar 2021

Wendelins Weihnachten.

Wendelin, das kleine Eichhörnchen erlebt ein Weihnachtsabenteuer. Eine Geschichte zum Vorlesen für die ganze Familie.

Nicht weit weg von hier im Wald lebt ein Eichhörnchen. Es ist noch klein und heisst Wendelin. Gerade ist es auf dem Weg zu seiner Familie im Nest. 

Plötzlich knirscht hinter Wendelin ein Schuh im Schnee. Blitzschnell verkriecht sich das kleine Eichhörnchen in die nächste Tanne. Ängstlich hält sich Wendelin am Stamm fest und wartet. Menschen hat es schon einmal gesehen, da waren aber Mama und Papa dabei. Langsam und laut gingen die Menschen unter ihrem Baum entlang, bis man sie nicht mehr sehen konnte. Mama sagte zu Wendelin, dass er keine Angst haben müsse: «Meistens sehen dich die Menschen nicht. Sie sind laut, aber nur für einen Moment. Dann gehen sie weg, keine Sorge.» 

Wendelin denkt an die Worte seiner Mama und wartet, bis die Menschen weg sind. Auf einmal rüttelt und schüttelt etwas die Tanne. Das kleine Eichhörnchen schliesst die Augen. «Ritsch-ratsch», hört es eine Säge machen, die den Tannenbaum so schrecklich schüttelt. Vor Angst hält sich Wendelin auch noch die Ohren zu. Es hat solche Angst, dass es sich lange nicht traut aufzusehen oder zu hören, ob die Menschen weg sind.

Nach einer langen Zeit spürt Wendelin keine Bewegungen mehr. Langsam öffnet es die Augen. Irgendetwas ist anders an dieser Tanne. Das Eichhörnchen nimmt seine kleinen Pfötchen von den Ohren. Nichts zu hören. Aber alles scheint verändert. Wendelin denkt sich, dass es wohl für eine Weile geschlafen hat. Vorsichtig hangelt es sich an einem Ast vom Baumstamm weg und sieht durch die Nadeln. Es ist in einem Haus! Die Luft ist warm und der Raum in ein goldenes Licht getaucht. Es riecht etwas Leckeres auf dem Tisch auf der anderen Seite des Raumes. Da will es hin, denn Wendelin hat Hunger.

Also klettert das Eichhörnchen vorsichtig an der Tanne runter. Ihm fällt auf, dass der Schnee auf den Ästen seltsam ist: Er liegt nicht locker auf den Nadeln wie im Wald. Und von den Ästchen hängen auch goldene Fäden. «Komisch, dass hier Harz runtertropft», denkt sich Wendelin und klettert weiter. Es ist sehr behutsam, weil jetzt Früchte am Baum hängen. Das kleine Tierchen hat noch nie solche Äpfel an einer Tanne gesehen. Sie glänzen in strahlendem Rot und sind so glatt, dass Wendelin sich selbst darin sehen kann. Das Eichhörnchen findet die glitzernden Äpfel schön, traut sich aber nicht sie anzufassen. 

Von der untersten Reihe Äste lässt sich Wendelin fallen. Es landet aber nicht auf dem Boden, sondern auf einer kleinen Schachtel. Sie ist blau mit gelben Sternen und einer grossen goldenen Schleife. Wendelin schaut sich um. Rund um den Baum stehen grosse und kleine Schachteln in allen erdenklichen Farben. Von Farbe zu Farbe hüpfend nähert sich das Eichhörnchen dem Tisch. Es flitzt über den Teppich und auf einen Stuhl und endlich hoch auf den Tisch. 

In der Mitte des Tisches stehen zwei grosse Schalen. In einer stapeln sich süss riechende Kekse, in der anderen ein grosser Haufen Erdnüsschen und Mandarinen. Die Nüsschen interessieren Wendelin am meisten. Das kleine Eichhörnchen setzt sich mitten auf den Berg von leckeren Erdnüssen und beginnt sie zu begutachten. Die besten steckt es sich in die Wangen, um sie nach Hause zu seinen Eltern zu tragen. 

Plötzlich schreit jemand. Das Eichhörnchen dreht sich blitzschnell um. In der Tür stehen eine Frau und ein kleines Mädchen. Die Frau hat die Augen weit aufgerissen, aber das Mädchen lächelt mit strahlenden Augen. Vor Schreck purzeln ihm alle Nüsschen aus dem Mund. Die Frau beginnt das Eichhörnchen zu jagen und schreit dabei. Wendelin rennt panisch im Kreis, bis es sieht, dass das Mädchen das Fenster offenhält. Flink huscht es nach draussen auf das Sims und das Fenster knallt zu. Verwirrt schaut Wendelin in die dunkle Nacht. Das Eichhörnchen weiss nicht, wo es ist. Einige Male schreit es nach seinen Eltern. Aber niemand kommt. Traurig sitzt er auf dem Sims und wartet. 

Wendelin, das Eichhörnchen schaut wieder ins Haus. Es sieht, wie Schüssel um Schüssel immer mehr Essen auf den Tisch kommt und sich eine Familie für das Festmahl hinsetzt. Das Mädchen schaut hoch und sieht das traurige Eichhörnchen. Sie greift sich heimlich die Schale voller Nüsschen und Mandarinen, öffnet das Fenster und stellt die Schüssel auf den Fenstersims. 

Das kleine Eichhörnchen freut sich über die Nüsschen. Gleichzeitig wünscht es sich, dass seine Eltern auch dabei wären. Aus weiter Ferne hört Wendelin ein Fiepen. Das müssen seine Eltern sein! Vermutlich haben sie seine Rufe doch gehört. Aufgeregt fiept Wendelin also zurück und prompt springen seine Eltern auf das Sims. Ganz schnell erzählt das Eichhörnchen seiner Mama und seinem Papa was für ein Abenteuer es durchgemacht hat. Es erzählt vom grauenvollen Schütteln der Tanne und dem lauten Sägen, von der eigenartigen, aber wunderschönen Verwandlung des Baumes und natürlich von den Nüsschen. Alles sprudelt einfach aus ihm raus. 

Die Eichhörnchen umarmen sich und sind froh, dass alles doch noch gut gekommen ist. Dann machen sie sich gierig über die Nüsschen her. So kommt es, dass Mensch und Tierchen nebeneinander im goldenen Licht von Lämpchen und Kerzen das Weihnachtsmahl geniessen. Beide gönnen sich von Herzen schöne Festtage.

Hier gibt’s noch eine Weihnachtsgeschichte mit der kleinen Katze Mimi.

Text Kevin Meier 

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