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11 April 2021

Die 50er Jahre – das Leben noch halb voll oder schon halb leer…?.

Christoph Adrian Schneider
Präsident des Schweizerischen
Berufsverbands für Angewandte Psychologie

Mit Blick in das Internet wird schnell klar, das Leben nach der magischen Grenze von 50 Jahren wird als «die besten Jahre», «jetzt fängt das Leben so richtig an» oder «als die genussvollen Jahre» betitelt und beworben. Eine Vielfalt von Angeboten «50plus» sind spezielle für diese Altersgruppe vorgesehen. Glückliche Menschen, Paare und Gruppen lächeln in die Kamera und scheinen mit sich, dem Leben und der Welt im Guten und versprühen Lebensfreude.

Was steckt hinter dieser Zuversicht, die Menschen nach einem halben Jahrhundert so glücklich erscheinen lässt?

Als Psychologe, Lebensberater und Coach fragt man mich oft, was aus psychologischer Sicht ein glückliches Leben ausmacht. Ich antworte immer gleich. Es betrifft Menschen, die ihr Leben in grossen Zügen selbst bestimmen können, Nähe und Distanz mit sich und der Umwelt im hohen Masse steuern können, Lustempfinden steigern können (und die Unlust so gut es geht vermeiden) und das eigene Tun, Handeln und Verarbeiten im Erleben einen gewissen Grad an Selbstverwirklichung trägt.

Gesundheitszustand, Wohlstand und Familienverhältnisse

Wie verhält sich diese Prämissen nun mit dem Älterwerden, konkret auf die Lebensphase der 50er Jahre? Die Sicht zu vereinheitlichen scheitert natürlich schon im Ansatz. Wir sind alle Individuen, so sind die Erlebnisse und Erfahrungen der ersten 50 Jahre mitentscheidend, wie psychologisch gesehen, jemand mit 50 Jahren an die «Startlinie» der nächsten 10 Jahre geht. Gesundheitszustand, Wohlstand und Familienverhältnisse sind wichtige Indikatoren, wie subjektiv eine Lebensphase erlebt wird. Subjektiv darum, weil Erfahrungen in vergangenen Lebensphase – die zum damaligen Zeitpunkt als schwierig erlebt wurden, z.B. durch eine längere Krankheit – Jahre später zu wichtigen Ressourcen führen können. Diese Erlebnisse können nach 50 die Früchte tragen, um Veränderungen im Alltag anders zu meistern (Resilienz).

Sein und Haben

Bewältigen von Krisen können zu mehr Lebenszufriedenheit führen, müssen aber nicht. Viel wichtiger und nachhaltiger scheint, wenn die eigenen Erwartungen an das Lebensalter angepasst werden und die eigenen Werte überprüft werden. Hier geht es darum die Buchhaltung zwischen «Sein und Haben» einem persönlichen Test zu unterziehen. Was habe ich bereits alles erreicht, was möchte ich noch erleben. In unseren Breitengraden findet diese «Berechnung» oft bei Begrifflichkeiten wie «Tun» (Job, Sport, Ausgang etc.) und «Haben» (Geld, Status, Anerkennung etc.) statt. Was ist aber mit dem allem was das «Sein» umgibt? Viele Studien zeigen, dass gerade im erweiterten Alter dieses Sein, verbunden mit dem Empfinden wie Glücklichsein, Gesundsein, Zufriedensein etc. viel wichtiger werden. Menschen, die im schlichten Dasein ihre Zufriedenheit gefunden haben, scheinen sich unabhängiger vom Geschehen im Aussen zu zeigen.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit kann mit 50 Jahren zu einer spannenden Reise werden. Es gilt, alte Muster und Glaubenssätze zu erkennen und diese mit neuen Impulsen und Überzeugungen anzureichern. Die innere Beweglichkeit und Selbstreflexion sind dabei ganz wichtige Werkzeuge. Humor und Gelassenheit können dabei als Schmierseife unterstützend wirken. Manchmal reicht es aber auch nur, die persönliche (Be-)Wertung des Alltags und des Erlebens zu reduzieren, um dem Schönen und Wertvollen mehr Bedeutung zu schenken, um so Schritt für Schritt die neuen Lebensdekaden bewusst anzugehen.

Ich wünsche Ihnen viele frohe und glückliche Lebensjahre.

Text Christoph Adrian Schneider

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