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11 April 2021

Die Grundlagen im Dickicht der Finanzierungsmöglichkeiten.

Die Coronapandemie stellt die Welt der Unternehmen auf den Kopf. Besonders für KMU erhält ein allzeit wichtiges Thema zwischen Social Distancing, Schliessungen und Shutdowns erneuten Schub: die Finanzierung.

Das neue Coronavirus hat weitreichende Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft und Wirtschaft. Durch die nötigen Massnahmen, um die Gesundheit aller zu schützen, gehen Umsätze zurück und viele Privatpersonen und Unternehmen stehen vor finanziellen Herausforderungen. Eine Diversifizierung von Finanzierungen kann neben staatlicher Hilfe Existenzen von KMU und deren Mitarbeitenden sichern. Das KMU-Portal des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung bietet umfassende Informationen.

Schwankungen des Finanzbedarfs

Je nach Phase, in der sich das Unternehmen befindet, ergeben andere Finanzierungsmöglichkeiten Sinn. Schliesslich unterscheidet sich der Finanzbedarf zwischen Unternehmen sowie Unternehmungsphasen. Während der Überprüfung der Machbarkeit ist beispielsweise Eigenkapital die Finanzierung erster Wahl. Die Stabilisierung wird dagegen häufig durch traditionelle Kredite finanziert. Unabhängig der Stadien, wirft die derzeitige Gesundheitskrise noch Sand ins Getriebe. So ist der Gewinnrückbehalt als Finanzierungsquelle schwieriger geworden, weil auch die Umsätze teilweise massiv eingebrochen sind. Aussenfinanzierungen oder Fremdkapital können helfen, Krisen im Allgemeinen zu überstehen.

Innen- und Aussenfinanzierung

Die Selbstfinanzierung und Fremdkapital sind in der heutigen Situation beide problembehaftet, da die Krise in gewissem Masse alle Teile der Wirtschaft betrifft. Während die Innenfinanzierung in den Hintergrund gerät, rückt die Aussenfinanzierung ähnlich wie bei Jungunternehmen in den Vordergrund. Eine Möglichkeit ist ein Kredit oder Darlehen von Banken, möglicherweise auch von Privaten. Dabei bestehen die Gläubiger auf eine Bonitätsprüfung, die sich auf einen Businessplan abstützt. Zur Unterstützung von KMU sind in den letzten Jahren auch viele Plattformen für Crowdlending entstanden. Diese spezielle Form eines Kredits läuft nicht wie traditionell über eine Bank, sondern erlaubt einen Gelderhalt von mehreren einzelnen Geldgebenden. Der Prozess gestaltet sich oft unkomplizierter als ein Bankkredit und birgt vor allem für Start-ups einige Vorteile. Kein Wunder also, erfreut sich diese Kreditform zunehmender Beliebtheit.

Eigenkapital durch Beteiligungsfinanzierung

Bei Unternehmensgründung oder einer Kapitalerhöhung kommen oft Beteiligungsfinanzierungen zum Einsatz zur Beschaffung von Eigenkapital. Je nach Vertragsgestaltung und Art der Unternehmung können diese Kapitalüberlassungen lang- oder kurzfristig sein. Bareinlagen, Sacheinlagen oder Rechte dienen dabei als Mittel. Grundsätzlich erhalten die Quellen des Kapitals bei einer Beteiligungsfinanzierung Anspruchsrechte am Gewinn, Vermögen und Liquiditätserlös sowie Rechte an Informationen, Mitsprache und Mitentscheidung. Allerdings müssen sie auch das Unternehmensrisiko mittragen, obwohl dieses je nach Rechtsform eingeschränkt sein kann. Zu beachten ist, dass auch fremdes Geld zum Eigenkapital gehört, solange es sich um Risiko- oder Gesellschaftskapital handelt und der Ertrag vom Unternehmenserfolg abhängt. 

Beispielsweise beteiligen sich sogenannte Business Angels an Finanzierungen. Anders als der Namen suggerieren könnte, handelt es sich hierbei meist um Geschäftsleute, nicht aber um gemeinnützige Organisationen. Business Angels handhaben typischerweise niedrigere Beträge und treten auch als Mentoren auf. Dadurch ergeben sich auch persönlichere Beziehungen und detaillierte Einblicke in den Businessplan. 

Denselben Ansatz verfolgen Venture-Capital-Gesellschaften. Diese sind auf Risikokapital spezialisiert mit Aussicht auf erhebliche Gewinne. Sie operieren mit höheren Beträgen als Business Angels und verzichten in der Regel auf traditionelle Sicherheiten. Trotzdem agieren sie auch wie Begleiter eines Unternehmens, insbesondere junger Unternehmen, die relativ schnell grosse Umsätze erreichen. In der Schweiz sind die
Venture-Capital-Gesellschaften in der Swiss Private Equity & Corporate Finance Association SECA zusammengeschlossen.

Unter Umständen kann eine vorzeitige Auszahlung der Pensionskasse Eigenkapital beschaffen. Für ältere Selbstständigerwerbende ist dies aber hochriskant, da wenig Zeit bleibt, wieder eine Altersvorsorge aufzubauen. Zudem gibt es keine Garantie, dass ein späterer Firmenverkauf die Altersvorsorge abdeckt. Aus diesen Gründen wird dieses Vorgehen nur jüngeren Unternehmenstätigen empfohlen, mit der Bedingung, schnellstmöglich wieder fürs Alter vorzusorgen.

Eigen- und Fremdkapital

Eine ergänzende oder alternative Finanzierungsmöglichkeit besteht aus einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital: das Mezzanine-Kapital. Diese eignet sich für KMU bei einem grösseren Finanzbedarf ab zwei Millionen Franken. Rechtlich gesehen handelt es sich hierbei um Fremdkapital, weshalb Zinsen steuerlich abziehbar sind. Nichtsdestotrotz ist es als eine Mischform von gängigen Krediten zu unterscheiden. Die Quellen des Kapitals – egal ob Banken, Investmentgesellschaften oder Private – engagieren sich bei Mezzanine-Kapital eingehender. Da jedoch ein höheres Risiko besteht als bei traditionellen Krediten, wird das Engagement über eine Beteiligung am Unternehmenserfolg aufgewogen. Die Konditionen unterscheiden sich teilweise stark nach Kapitalquelle. In der Schweiz bieten beispielsweise die UBS, Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank Mezzanine-Darlehen. International sind spezialisierte Fonds und Gesellschaften vorhanden. 

Daneben existieren noch Sonderformen, die für einige KMU auch interessant sein könnten: Verkauf von Forderungen im Factoring; Leasing anstelle von Fremdkapital; Crowdfunding als direkte Finanzierung durch Privatpersonen; oder Kryptowährungen, deren Rechtssicherheit durch erste Anpassungen des Bundesrechts bereits erhöht wurde.

Text SMA

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