13.8 C
Zürich
18 Mai 2021

Erfolgreiches Kaffee-Start-up auf Investorensuche.

Es riecht nach frisch geröstetem Kaffee in den Hallen der Kaffeerösterei Seehallen. Wie jeden Tag, röstet die Kaffeerösterei Seehallen den nachhaltigen Onesto-Kaffee. Aus einem Start-up ist mittlerweile ein kleines KMU geworden und Fox Hardegger, der Gründer und seine rund zwanzig Mitarbeitenden sind stolz darauf, in den Seehallen nur Kaffeebohnen aus nachhaltigem, sprich biologischem Anbau unter Einhaltung der Fairtrade Standards zu rösten. 

«Wir sind die einzige Schweizer Kaffeerösterei, die Spitzenkaffee ausschliesslich aus doppelt zertifizierten Bohnen herstellt», sagt Hardegger. Der Spitzenkaffee, der unter dem Brand Onesto vertrieben wird, wird dabei auch mit 100 Prozent Biogas und somit klimaneutral geröstet. 

«Wir empfinden uns als Tesla der Kaffeebranche», sagt Hardegger. «Tesla hat bewusst kein Öko-Auto gebaut, sondern ein modernes, schnelles Auto. Dass es dabei ökologisch fährt, ist eine Selbstverständlichkeit, kein Kompromiss. Wir sehen uns in derselben Rolle. Wir rösten Spitzenkaffee und selbstverständlich ist er Bio und Fairtrade. Nicht umgekehrt. 

Einen Kaffee zu geniessen, der nicht aus nachhaltigem Anbau kommt, von welchem man weiss, dass die Bäuerinnen und Bauern nicht gut davon leben können, den kann man nicht im Ernst als Genussvoll bezeichnen.» Onesto-Kaffee ist hier ein Vorreiter und hat sich auf die Fahne geschrieben, den Kaffeemarkt in einer Leuchtturm Funktion umzukrempeln. 

«Man stelle sich vor, wie absurd es wäre, wenn man im Coop ein Gestell finden würde, das mit Eiern aus Batteriehühnerhaltung werben würde. Was bei Eiern absurd erscheint, ist leider bei Kaffee immer noch der Standard. Es ist grotesk, vor einer Tasse Kaffee zu sitzen und diese zu geniessen, wissend, dass die Bäuerinnen und Bauern, welche ihn angebaut haben, davon ihre Kinder nicht zur Schule schicken können und ihre Familien dabei hungern müssen.» Solch einen Kaffee zu geniessen und somit Bäuerinnen und Bauern in Drittweltländern jegliche Wertschätzung abzusprechen, ist schon absurd. Denn Genuss darf nie auf Kosten von Dritten stattfinden. Deshalb muss ein Kaffee aus Fairtrade-Anbau stammen und das ist für uns keine Option, sondern einfach eine Selbstverständlichkeit.» 

Den Kaffeemarkt zu modernisieren, ihn mit Markterfolg substanziell unter Druck zu setzen, das ist die Vision von Onesto-Kaffee. 

Ein Start-up, das solch grosse Ambitionen hat, muss sich eine solide Grundlage erarbeiten, eine Struktur legen, auf welcher dann auch eine schweizweite, allenfalls gar eine europaweite Expansion stattfinden kann. Dies benötigt viel Kapital, bevor man aus dem Wachstumspfad in die Gewinnzone kommt. Die Kaffeerösterei Seehallen hat mittlerweile mehrere Investor*innen und ist dank diesen auf einem äusserst erfolgreichen und nachhaltigen Weg.

Kaffee

Interview mit Fox Hardegger, dem Gründer der Seehallen Kaffeerösterei

Fox hardegger
Fox Hardegger
Was ist die Vision mit Onesto-Kaffee? 

Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir nachhaltigen Kaffee als Standard setzten und Bio bei Lebensmittel als Selbstverständlichkeit betrachten. Aus dieser Perspektive ist es für mich einfach schwer zu verstehen, wieso Bio und Fairtrade als Basis für Spitzenkaffee in der Schweiz nicht selbstverständlich sind. Meine Vision ist es, mit Onesto-Kaffee einen solch grossen Erfolg zu haben, dass die kommerziellen Grossröstereien sich gezwungen sehen, ihre Strategie zu überdenken, nachzuziehen und ihre Kaffeeproduktion auf nachhaltige Bio und Fairtrade Bohnen umstellen müssen. 

Wieso tun diese dies aus Ihrer Sicht nicht von selbst? Warum sehen Sie die Kaffeerösterei Seehallen hier als Pionier? 

Sie tun dies nicht, weil es schwierig ist, die gleichen Margen auf nachhaltigem Kaffee zu erzielen, wie sie es aktuell mit Kaffee erreichen, der nur nach kommerziellen Kriterien eingekauft wird. Wir bei Onesto-Kaffee verzichten auf einen Teil der Marge, um so den nachhaltigen Spitzenkaffee für jedermann und jederfrau erschwinglich zu machen. Dies unterscheidet uns auch von den Boutique Röstereien, die teilweise auch sehr grossartige und nachhaltige Kaffee im Angebot haben, aber diese dann zu ganz anderen Preisen. 

Die Pionierarbeit besteht darin, dass wir die kritische Grösse im Absatz erreichen, um trotz der geringeren Marge in die Gewinnzone zu kommen. Dies setzt ein starkes Wachstum voraus und dieses wiederum benötigt eine hohe Fremdfinanzierung bis zum Erreichen des Break Evens. Diese Pionierrolle haben wir bewusst gewählt und gehen damit einen anderen Weg als andere. 

Und warum muss es denn der Massenmarkt sein? Warum machen Sie nicht
einfach alles eine Nummer kleiner? 

Weil wir daran glauben, dass der Markt sich erst bewegt, wenn wir einen kommerziellen Erfolg in einer grösseren Dimension erreichen. Solange die grossen Röstereien mit einem Lächeln auf diese Kleinströstereien mit deren nachhaltigem Kaffee, «runtersehen» können und sich aber weiterhin mit kommerziellen Kaffee eine goldene Nase verdienen, wird sich nichts ändern. Nur wenn wir es schaffen, im Gesamtmarkt eine namhafte Rolle zu spielen, werden sie sich bewegen. Wie oben erwähnt, es ist ein bisschen wie bei Tesla, wo auch alle etablierten Autokonzerne gesagt haben, Elektro geht nicht und macht keinen Sinn und heute, wo ihnen die Felle davon schwimmen, wollen sie alle plötzlich Milliarden investieren und die Ersten sein. Wir hoffen auf den gleichen Effekt mit unserem nachhaltigen Onesto-Kaffee im Schweizer Markt. 

Was brauchen Sie in erster Linie, um dieses visionäre Ziel zu erreichen? 

Kund*innen (lächelt). Wir brauchen in erster Linie die Kund*innen, die bereit sind, pro Tasse 5-10 Rappen mehr für einen Kaffee auszugeben als sie es heute tun. Insbesondere suchen wir auch bewusst nach mittleren und grossen Firmen, da in Büros sehr viel Kaffee getrunken wird. Firmen, die unserer Vision teilen, die bereit sind, Nachhaltigkeit zu leben und ihren Mitarbeitern ein nachhaltiges Spitzenprodukt in der Kaffeepause anbieten wollen. In unseren Augen ist dies der einfachste Beweis von gelebter Nachhaltigkeit. Und wohl trotz des geringen Mehraufwandes, immer noch eine der günstigsten Möglichkeiten eines «internen Marketings», um seinen Mitarbeiter*innen zu zeigen, dass die Firma dieses Thema ernst nimmt und die Mitarbeiter*innen für ihre Leistungen mit einem Spitzenprodukt belohnt. Also nebst den privaten Kund*innen benötigen wir ganz besonders auch Firmenkund*innen, die Onesto-Kaffee im Büro geniessen. Dazu haben wir auch einen eigenen Aussendienst aufgebaut, der speziell auf Office Solutions zugeschnittene Kaffeeangebote, inklusive Kaffeemaschinen anbieten kann.  

Was ist die grösste Herausforderung  für ein nachhaltiges Start-up in der Schweiz? 

Die Finanzierung. Wir haben zwar dank eines Family Offices, welches uns seit Längerem unterstützt, eine gute Finanzierungssituation und konnten bis hierher auch stark und nachhaltig wachsen. Aber einen Markt wie den Kaffeemarkt zu erobern und umzukrempeln, benötigt sehr grosse finanzielle Mittel. Wir sind deshalb eigentlich auch immer auf der Suche nach Investoren, die unsere Vision teilen wollen, die nachhaltig investieren wollen und mit einem nachhaltigen Investment etwas verändern wollen. 

Welche Art Investoren sprechen Sie an? Banken, Private oder wie muss man sich das vorstellen? 

Wir lernen, dass man in der Schweiz von seitens der Banken kein Kapital erhält, wenn man sich in einer Wachstumsphase befindet und keine Sicherheiten vorweisen kann. Unsere Kapitalgeber sind eher aus dem professionellen Investorenumfeld, welche Vermögen Dritter verwalten und für diese nachhaltige Investitionslösungen suchen. Also eher im Bereich Family Offices, Private Equity oder Fonds, die in nachhaltige Produkte investieren. 

Suchen Sie aktuell noch Investoren? 

Ja, wir sind jederzeit ansprechbar. Unserer Reise ist noch lange nicht zu Ende und wir haben noch viel vor. Wir freuen uns auf Gespräche mit potenziellen Kapitalgebern, die unserer Vision und unseren Weg kennenlernen wollen. Auch wir lernen immer wieder aus diesen Gesprächen und finden neue Wege, um unsere Vision eines nachhaltigeren Kaffeekonsums in der Schweiz und hoffentlich eines Tages darüber hinaus, erfolgreich umzusetzen. 

Die Kaffeerösterei Seehallen wurde im Jahr 2017 gegründet und beschäftigt heute rund 20 Mitarbeiter*innen. Sie hat sich verpflichtet, ausschliesslich Kaffee aus zertifizierter Bio und Fairtrade Produktion zu verwenden. Der Kaffee wird unter dem Brand Onesto vertrieben und stammt unter anderem aus Kolumbien, Peru, Honduras, Tansania und Uganda. Alle Kaffees können sowohl einzeln, also als sogenannte Single Origins gekauft werden. Des Weiteren kredenzt die Seehallen Rösterei zwei Hausmischungen. Dies sind die Kapitänsmischung, ein typisch italiensicherer Espresso und die Seehallen Mischung als klassischer Kaffee Crema. Die Kaffees sind sowohl im eigenen Onlinestore (www.onesto.ch) oder unter anderem auf Farmy.ch oder Coop.ch erhältlich. In der Region Zürich kann man den Kaffee auch in ausgewählten Coop-Filialen finden oder direkt im Rösterei-Laden in Horgen kaufen.

www.onesto.ch

Logo

Lesen Sie mehr.

Archiv.

Mut zur Farbe in der Wohnungseinrichtung

Wir kleiden uns bunt, fahren ein Auto in unserem Lieblingsrot und umgeben uns gerne mit fröhlichen Farben – doch beim Wohnen verlassen...