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«Das Gesundheitswesen ist ein Zukunftsmarkt»

07.01.2022
von Akvile Arlauskaite

Fabio Blasi, Leiter Sourcing & Employer Branding beim Kantonsspital Aarau, spricht im Interview mit «Fokus» über die aktuellen Herausforderungen und Chancen der Gesundheitsbranche sowie darüber, was eine gute Bewerbung ausmacht.

Fabio Blasi Leiter Sourcing & Employer Branding Kantonsspital Aarau

Fabio Blasi
Leiter Sourcing &
Employer Branding Kantonsspital Aarau

Herr Blasi, Schlagzeilen berichten immer häufiger von einem Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Der Fachkräftemangel ist zurzeit in praktisch allen medizinischen Berufen spürbar. Bei uns sind vor allem die Pflegeberufe davon betroffen. 

Wie wird der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen konkret bekämpft?

Branchenweit ist eine Fluktuation von bis zu 15 Prozent zu spüren. Die Spitäler leisten mit Investitionen in Aus- und Weiterbildung schon heute einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen den Fachkräftemangel, womit die Situation langfristig entschärft werden kann. Zudem erhöhen flexibilisierte und individualisierte Arbeitsmodelle die Attraktivität des Pflegeberufes. Eine wertschätzende Zusammenarbeit und ein partizipativer Führungsstil sind ebenso wichtige Kriterien für die Arbeitgeberwahl und für den Verbleib im Unternehmen.

Ende November zeichnete sich ein Hoffnungsschimmer ab: Die Pflegeinitiative wurde deutlich angenommen. Wie wird dieser Volksentscheid die Situation Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren prägen?

Die Pflegeinitiative wird die Attraktivität des Pflegeberufs und die Arbeitsbedingungen für die Pflegenden verbessern. Daraus wird bestimmt ein positiver Effekt im Kampf gegen den Fachkräftemangel resultieren.

Sie plädieren dafür, den Gesundheitsberuf so attraktiv wie möglich zu gestalten, damit die Fachkräfte die Branche nicht verlassen. Welche Aspekte sind schon heute ansprechend?

Das Gesundheitswesen ist ein Zukunftsmarkt und bietet zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten. Insbesondere werden die Digitalisierung und Standardisierung von Prozessen in den kommenden Jahren wichtige Veränderungen bringen. Hinzu kommt der soziale Bezug: Man leistet einen Beitrag für die Gesellschaft. Der Pflegeberuf ist demnach nicht einfach ein Beruf, sondern eine Berufung. Diese Sinnhaftigkeit ist ein wichtiger Motivationsfaktor und die Covid-Pandemie hat es klar aufgezeigt: Das Gesundheitswesen wird auch in Zukunft an Relevanz gewinnen.

Nach welchen Kriterien suchen Sie als «Personalgewinner» bei Bewerbenden im Gesundheitsbereich?

Die Anforderungen eines Spitals, welches 24-Stunden an 365 Tagen betrieben wird, sind per se hoch. Formale Anforderungen sind geforderte Aus- und Weiterbildungen und Berufserfahrung. Dennoch dürfen die soziale und die menschliche Komponente nicht fehlen. Für viele Funktionen im Gesundheitswesen findet im Rahmen eines Vorstellungsgespräches auch ein Schnuppertag statt, um den Spitalbetrieb hautnah zu vermitteln. 

Welche Kriterien machen Ihrer Meinung nach eine gute Bewerbung aus?

Eine Bewerbung besteht aus einem Bewerbungsschreiben, einem Lebenslauf, Zeugnis- und Diplomkopien. Sind der Lebenslauf und das Bewerbungsschreiben gut gegliedert und formuliert, gewinnt man rasch einen ersten Eindruck der bewerbenden Person. Gelingt es einer Bewerbenden respektive einem Bewerbenden zudem, einen persönlich positiven Eindruck zu vermitteln, hat die Bewerbung gute Chancen. 

Haben Sie schon mal eine Bewerbung erhalten, die Sie besonders beeindruckt hat?

Natürlich! Was immer gut ankommt, ist Individualität. Ob in Form unkonventioneller Einleitungen oder persönlicher Geschichten, beispielsweise dass die bewerbende Person in unserem Spital geboren wurde. Ist man in der Lage, Emotionen und Aufmerksamkeit zu vermitteln, liegt man gut im Rennen.

 

Weitere Antworten zum Fachkräftemangel verschiedener Branchen gibt es hier.

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