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Marco Kunz: «Pasta kochen schaff’ ich gar nicht»

23.01.2021
von Fatima Di Pane

Der Mundartmusiker Marco Kunz verrät im Interview, wieso er ausschliesslich auf Mundart singt. Ebenfalls lässt er uns an seinem typischen Songwriting-Prozess teilhaben und enthüllt sein musikalisches Vorbild.

Marco Kunz, Sie stammen aus einer musikalischen Familie und waren schon als Kind in der Musik aktiv, unter anderem als Jodler. Wollten Sie nie etwas Anderes machen?

Doch doch, früher wollte ich einmal Doktor werden, doch dann habe ich herausgefunden, dass man dafür sehr lange in die Schule gehen muss.

Haben Sie auch mal rebelliert? Wie?

In der Schule habe ich schon Seich gemacht und die Lehrer und meinen Vater zur Weissglut getrieben. Ich habe oft allem widersprochen. Pubertäres rebellieren blieb bei mir jedoch aus.

Ihre Texte sind ausschliesslich auf Mundart. Warum haben Sie sich dazu entschieden?

Weil ich nur auf Mundart meine Gefühle und Meinungen aufs Blatt bringen kann. Ich möchte zudem Menschen erreichen mit meinen Botschaften, und in Mundart fährt das halt schon tiefer rein hier.

Gibt es einen Platz für Mundartmusik ausserhalb der Schweiz?

Wenn es den gibt, sagen sie es mir bitte! (lacht)

Am 12. März erscheint Ihr neues Album «Mai», welches Sie als ein Album voller Positivität beschreiben. Können Sie uns schon etwas mehr darüber erzählen?

Der Mai ist der Monat, in dem es knallt: Es scheint, dass alles spriesst, paart und schöner wird. Besondere Gefühle und Energien sind in der Luft, die einem ein Hochgefühl geben und einen daran erinnern: Ich lebe! Das Album ist sehr lebensbejahend und es wächst mit jedem Hören.

Auf welche Highlights dürfen wir uns freuen?

Es gibt zum ersten Mal ein Duett, auf welches ich mich sehr lange vorbereitet habe und mir genauestens überlegt habe, mit wem ich es singen möchte. Zudem kommt die Geige zurück, und meine Musiker singen wieder viel mehr mit. Das macht das Album sehr erdig, warm und persönlich.

Sie wollen mit dem Album auch für mehr Diversität plädieren. Warum liegt Ihnen dies am Herzen?

Die Welt ist nicht schwarz-weiss, doch wir Menschen neigen dazu, sie so zu unterteilen. Auch behandeln wir die Erde so, als verstünden wir alles und seien Herr der Lage. Diversität muss zurück in unser Leben und Alltag, ohne sie wird die Welt eine schlappe Monokultur, in welcher der Mensch kaum mehr Platz finden wird.

Die Welt ist nicht schwarz-weiss, doch wir Menschen neigen dazu, sie so zu unterteilen. Marco Kunz

Ihr Album ist inspiriert vom Frühling. Hätten Sie den Winter lieber schon hinter sich?

Ich mag eigentlich alle Jahreszeiten sehr! Nur ist der momentane «Winter» wirklich etwas zu lang!

Welche Werte sind Ihnen im Leben besonders wichtig?

Ehrlichkeit, Demut, Freude, Nachhaltigkeit und Grosszügigkeit. An meiner Grosszügigkeit arbeite ich täglich. Und natürlich die Liebe. Am wichtigsten für mich sind soziale Kontakte, Familie und Freunde.

Was war Ihr bisher schönster Moment als Musiker?

Das erste Mal auf dem Heiteren spielen war sehr emotional, da ich seit meinem 15. Lebensjahr immer wieder selbst Gast bin. Und im KKL mit dem Orchester zu spielen. Das waren Träume und Ziele, die in Erfüllung gingen.

Wie sieht Ihr typischer Songwriting-Prozess aus?

Der Startpunkt ist bei mir immer ein kleiner Gedanke, eine Textzeile, Aussage, ein Thema oder einfach ein Fetzen Musik. Wenn ich’s dann schaffe, daraus eine Geschichte zu spinnen oder ein Gefühl zu umschreiben, entstehen mehr Teile mit Musik & Text. Daraus entsteht dann ein Gerüst, welches «vertheben» muss, und grob gesehen schon ein Gefühl für das Lied am Enden haben muss. Wie ein Bauprofil, welches erahnen lässt wo was wie hoch gebaut wird. Das arrangieren mach ich dann mit meiner Band.

Was machen Sie, wenn Sie im Schreibprozess nicht weiterkommen?

Ich mache Sport oder gehe Wandern. Hauptsache raus. Ein Glas Wein hat auch schon geholfen.

Zu wem schauen Sie auf, musikalisch und privat?

Bruce Springsteen find ich schon ziemlich cool. Der steht schon so lange auf der Bühne mit noch immer einer riesigen Ausstrahlung und Energie. Zudem hat diese Musik Herz und Kopf.

Die Coronapandemie macht dem Kulturbetrieb besonders zu schaffen. Wie erleben Sie diese Zeit?

Schwierig. Ich leide natürlich auch, nicht nur finanziell. Am schlimmsten trifft es jedoch die, welche hinter der Bühne arbeiten. Die haben gerade gar nix. Das betrifft auch Leute aus meinem Team. Ich hoffe auf eine baldige Entschärfung.

Mit welchem Song könnte man Sie vertreiben?

Gangster Rap mag ich gar nicht. Da würde ich wohl schon weglaufen.

In welchen kreativen Sparten wollen Sie sich noch ausprobieren?

Backen und Kochen. Und Gärtnern.

«Dorebiisse» und dann an deinem Traum weiter arbeiten. Es kommt schon gut. Marco Kunz

Worin sind Sie richtig schlecht?

Pasta kochen schaff’ ich einfach nicht. Al dente kenne ich nur vom Hörensagen, leider. (lacht)

Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit Ihrem 16-jährigen Ich einen Kaffee trinken gehen. Was raten Sie ihm?

Keine Angst, die Lehre als Maurer war die richtige Entscheidung. Alles braucht Zeit und die hast du. «Dorebiisse» und dann an deinem Traum weiter arbeiten. Es kommt schon gut.

Entweder – oder

Fondue oder Raclette?

Fondue

Skiferien oder Strandurlaub?

Bergferien im Sommer (lacht)

Glühwein oder Punsch?

Glühwein

In der Freizeit: Snowboarden oder Skifahren?

Snowboarden

Einen Schneemann bauen oder einen Schneeengel machen?

Schneemann bauen

Schlittschuhlaufen oder Schlitteln?

Schlitteln

Hotel oder Ferienwohnung?

Ohne Kind das Hotel, mit dem Kind die Ferienwohnung

Interview Fatima Di Pane Headerbild Amanda Nikolic

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