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Innovation Digitalisierung

Erfolgsrezept: Digitalisierung

09.12.2021
von Rüdiger Schmidt-Sodingen

So viele Maschinen, so wenig Daten? Gerade produzierende Unternehmen wissen oft nicht, wie sie eine umfassende Digitalisierung angehen sollen. Die verblüffend einfache Antwort lautet: In kleinen Schritten.

»Nein, ich dachte, das geht einfacher.« Oder: »Ja, wir wollen das alles sofort umsetzen.« Beide Sätze kennen Digitalisierungsexperten nur zu gut. Einmal wollen die Chefetagen sofort Ergebnisse sehen, ein andermal komplette Neustrukturierungen mit dem Brecheisen vornehmen. Beides kann nicht gutgehen – denn eine digitale Umstrukturierung braucht vor allem eins: eine umsichtige Planung.

Schritt 1: Vertikale Digitalisierung

Alles gehört auf den Prüfstand – und muss Daten liefern. Nur wer so denkt, wird eine durchgängige und damit erfolgreiche Digitalisierung hinbekommen. Testfrage 1: Werden wirklich alle Komponenten der Produktion mit Daten erfasst – also auch Lieferanten, Kunden, Produzierende? Testfrage 2: Werden auch Bestände, Aspekte der Buchhaltung und Arbeitsplanung, Zulieferbestellungen, Versandprozesse, Feedbacks und alle Kunden- und Servicemeldungen erfasst? Nur wer beide Fragen guten Gewissens mit Ja beantworten kann, ist mit dem Unternehmen auf dem richtigen Weg. Soll heißen: Wirklich jede Abteilung, jede Verwertungs- oder auch Vorbereitungsstufe muss Daten sammeln, weitergeben und analysieren. Vielleicht ist gerade das Wort Abteilung dabei der Hemmschuh. Denn nur die- und derjenige, der bewusst über den Tellerrand oder eben neben die Abteilungswände schauen will, wird die Digitalisierung vorantreiben.
»Das weiß ich nicht. Das macht doch die andere Abteilung.« Wer so denkt und entsprechend arbeitet, kann weder Daten noch Analysen liefern, die erst benachbarte Abteilungen oder Mitarbeitende und dann das gesamte Unternehmen voranbringen. Salopp könnte man sagen: Daten müssen fließen. Wände oder gar Mauern in einen Fluss zu stellen, ist aber kontraproduktiv. Mitarbeitende und ihr »Spirit« sind es, die Prozesse mithilfe umfassender, zielgerichteter Datenauslesungen fließen lassen, und dann, vielleicht sogar noch entscheidender, immer wieder überprüfen und anpassen.

Schritt 2: Ausleuchten bisheriger Prozesse

Natürlich sind Mitarbeitende größtenteils von sich und ihrem Tun überzeugt. Erst recht in den Chefetagen. Nun kommt der zweite, entscheidende Schritt: Daten können auch nur dann fließen, wenn der Untergrund ein Fließen zulässt. So weh es tut, aber alte, liebgewordene Prozesse müssen zwangsläufig auf den Prüfstand. Immer wieder mahnen Berater:innen an, sich zunächst einmal die bisherigen Prozesse im Haus und in der Fabrik vorurteilsfrei anzusehen.
Ganz klar: Das Ausleuchten von Prozessen kann weh tun, denn oft wird ersichtlich, dass einige Faktoren oder Teile der Produktion gar nicht richtig oder wirtschaftlich arbeiten. Oder dass Termine nur dank »Last Minute«-Aktionen einiger weniger, hochengagierter Mitarbeitender eingehalten werden können. Die Digitalisierung von Arbeitsprozessen braucht aber eine Planbarkeit ohne ständiges »Overacting« oder Feuerwehreinsätze einzelner Mitarbeitender. Hier liegt eine große Chance, denn eine umfassende Digitalisierung kann – endlich – Ruhe in bislang chaotische Abläufe bringen.

Potenzial 1: Neue Geschäftsmodelle und Kundenbindungen

Wer nun mit dem gesamten Mitarbeiterstab alle Aspekte der Produktion überprüft und die daraus resultierenden Daten sammelt, merkt schnell, wo die Chancen einer auf gezielter Datensammlung und Datenweitergabe basierenden Digitalisierung liegen. Das Geschäftsmodell verändert und erweitert sich. Abläufe sind plötzlich transparenter und offenbaren das eigentliche Erfolgsgeheimnis der Firma.

Die neue Klarheit lässt plötzlich Rückschlüsse auf ungenutzte Potenziale und Verbesserungen zu. Dem offen gelegten Erfolgsgeheimnis der Vergangenheit folgt also das Erfolgsrezept für die Zukunft. Das Geschäftsmodell kann nachhaltiger werden, die Maschinenwartung proaktiv, die menschliche Arbeit körperlich entlastender und intelligenter.

Potenzial 2: Präzise Daten erfüllen umfassende Verbraucherwünsche

Eine interessante Frage lautet, wie die Digitalisierung die Kundenbeziehungen beeinflusst. Sie wird oft ängstlich gestellt, so, als habe man Angst vor Kund:innen und deren Meinungen. Die Antwort ist jedoch ganz einfach: Wer wirklich genau weiß, was wo und wie im Unternehmen passiert, kann dies besser kommunizieren – gerade auch gegenüber Handelspartnern und Endkunden. Kundenwünsche können schneller überprüft und umgesetzt werden. Und nur eine »gläserne Fabrik« kann überzeugende Antworten zu sämtlichen sozialen und nachhaltigen Aspekten bei der Herstellung liefern.

Zwei Schritte, zwei Potenziale. Mehr braucht es nicht, um in Zukunft nicht nur mikro-erfolgreich im eigenen, engeren Geschäftsbereich zu sein, sondern eben auch makro-erfolgreich, was die gesellschaftlichen Erwartungen hinsichtlich eines nachhaltigen, klimaneutralen Wirtschaftens angeht.

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