So krempelt KI die Prozesse in deutschen Unternehmen nachhaltig um
Das Gutachten »Wie wird KI die Produktivität in Deutschland verändern?«, welches vom Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft in Auftrag gegeben und 2025 veröffentlicht wurde, zeigt die Zukunft deutscher Unternehmen im KI-Zeitalter auf. Eine Übersicht.
Wenn es um die Einschätzung der Potenziale von KI geht, halten sich pessimistische und optimistische Prognosen meist die Waage. Hier liefert das Gutachten »Wie wird KI die Produktivität in Deutschland verändern?« des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IDW) eine ausgewogene Betrachtung – und bietet sich damit als realistische sowie pragmatische Orientierungshilfe für das KI-Zeitalter an.
Kein Wunder, aber eine Trendwende
In den vergangenen Jahren wirkte die Produktivitätsentwicklung in Deutschland mit einem Zuwachs von lediglich 0,4 Prozent beinahe gelähmt. Genau hier setzt die KI-Integration an: Die Projektionen zeichnen ein Bild moderater, aber stabiler Aufwärtsbewegungen. Für den Zeitraum von 2025 bis 2030 wird ein jährliches Wachstum von 0,9 Prozent prognostiziert, das sich im darauffolgenden Jahrzehnt bis 2040 auf 1,2 Prozent steigern soll. Zwar bleibt damit trotz zunehmender Digitalisierung ein »Produktivitätswunder« aus – die Werte bewegen sich eher auf dem soliden Niveau der 2000er-Jahre –, doch stellt dies eine essenzielle Verbesserung zum Status quo dar. Besonders spannend: Die zunehmende Kapitalintensivierung rührt weniger aus einem massiven Investitionsboom her, sondern ist eine notwendige Antwort auf den demografischen Wandel: Wo Arbeitskräfte fehlen, muss Technologie die Lücke füllen.
Ein zentrales Ergebnis des Gutachtens räumt mit der Angst vor einem massiven Jobverlust durch die flächendeckende Einführung von KI auf. Denn die empirische Evidenz zeigt, dass KI primär als komplementäres Werkzeug fungieren dürfte. Sie ersetzt also nicht die Menschen, sondern erweitert deren Handlungsspielräume.
Eines ist klar: KI spart Zeit und senkt Kosten.
Der Erfolg der Implementierung ist jedoch kein Selbstläufer, sondern hängt massiv von den spezifischen Bedingungen am jeweiligen Arbeitsplatz ab. Es geht also um eine intelligente Arbeitsteilung, bei der die KI repetitive Aufgaben übernimmt und Freiräume für komplexe, wertschöpfende Tätigkeiten durch menschliche Mitarbeitende schafft.
Von der Theorie in die Werkshalle
In der unternehmerischen Praxis ist die Spannweite der Anwendungen beeindruckend. Sie reicht von effizienten Chatbots im Kundenservice bis hin zu hoch spezialisierten KI-Systemen, die Produktionsprozesse in Echtzeit optimieren. Eines ist klar: KI spart Zeit und senkt Kosten. Damit diese Effekte jedoch flächendeckend greifen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Der »EU AI Act« von 2024 bietet hierbei den notwendigen regulatorischen Rahmen, doch die digitale Infrastruktur und die Verfügbarkeit von Fachkräften bleiben die kritischen Nadelöhre für den Standort Deutschland.
Handlungsempfehlungen des IDW
Um die PS der künstlichen Intelligenz tatsächlich »auf die Straße zu bringen«, identifiziert das Gutachten fünf entscheidende Handlungsfelder für Unternehmen:
- Datenmanagement als Fundament: Ohne erstklassige Datenbewirtschaftung bleibt jede KI wirkungslos. Die digitale Transformation gelingt daher nur, wenn Prozesse radikal vereinfacht und Daten strategisch genutzt werden.
- Compliance und Verantwortung: Die rechtskonforme Anwendung ist Pflicht. Führungskräfte müssen geschult werden, um Risikoklassifizierungen und Folgebewertungen sicher zu beherrschen.
- Gezielte Weiterbildung: Statt Gießkannenprinzip ist bedarfsorientierte Qualifizierung gefragt. Die Kompetenzen der Mitarbeitenden müssen exakt auf die neuen betrieblichen Anforderungen zugeschnitten werden.
- Partizipation und Akzeptanz: KI scheitert oft am Widerstand der Belegschaft. Eine frühzeitige Einbindung und transparente Kommunikation sind die Basis für eine nachhaltige Implementierung.
- Agiles Mindset: Technologie ist nur so gut wie die Kultur, in der sie eingesetzt wird. Ein optimistisches Mindset, das Chancen über Risiken stellt, ist der Treibstoff für echte Innovation.
Das Gutachten des IDW legt nahe, dass KI die deutsche Wirtschaft nicht über Nacht neu erfinden wird. Dennoch ist sie der entscheidende Motor, um den drohenden Produktivitätsstillstand zu überwinden. Unternehmen, die jetzt die kulturellen und technischen Grundlagen schaffen, dürften dementsprechend die Gewinner von morgen sein.
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