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Innovation

Die wirtschaftliche Attraktivität der Schweiz

29.10.2021
von Lisa Allemann

Mit der beinahe einstimmigen Annahme der OECD-Steuerreform, welche eine globale Steuer von 15 Prozent für internationale Unternehmen unabhängig ihres Firmensitzes fordert, verliert die Schweiz einen wirtschaftlich bedeutenden Wettbewerbsvorteil. Umso mehr gilt es, andere Faktoren zu stärken, um die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Schweiz beibehalten zu können.

Die Schweiz zählt zu den attraktivsten Wirtschaftsstandorten weltweit. Weshalb das so ist, weiss Prof. Dr. Rudolf Minsch, Chefökonom und Leiter allgemeine Wirtschaftspolitik und Bildung bei economiesuisse: «Die Schweiz verfügt über etliche Erfolgsfaktoren, die einen Sitz hierzulande attraktiv machen: Hochstehende Infrastruktur, hohe Lebensqualität, eine liberale Gesellschaft, hohe Verfügbarkeit und Qualität von Fachkräften, ausgezeichnete Hochschulen, guter Zugang zu ausländischen Märkten und generell wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen.»

Geographische Pole-Position

Und das, obwohl die Ausgangslage der Schweiz mit ihren Alpen, der fehlenden Meeranbindung und dem Mangel an natürlichen Ressourcen für den Handel eher ungünstig ist. Trotzdem hat sie es geschafft, ihre geografische Lage in eine Pole-Position umzuwandeln, indem sie in die Infrastruktur investierte. «Die Schweiz konnte jahrhundertelang Nutzen aus der Tatsache ziehen, dass viele Handelswege von Norden nach Süden durch die Schweiz führen. Die gute Verkehrsanbindung ist bis heute ein wichtiger Standortfaktor. Die Lage hilft auch insofern, dass wir von anderen starken Wirtschaftsregionen umgeben sind, die sich gegenseitig befruchten», weiss Minsch.

Die OECD-Steuerreform droht allerdings, den Wettbewerbsvorteil etwas zu reduzieren. Prof. Dr. Rudolf Minsch

Besonders attraktiv ist die Schweiz auch dank ihrer Steuersituation: «Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass die Schweiz glaubwürdig aufzeigen kann, dass die Steuern hierzulande weiterhin moderat gehalten werden können. Denn die öffentlichen Finanzen sind im Lot», erklärt Minsch. Doch er merkt auch an: «Die OECD-Steuerreform droht allerdings, den Wettbewerbsvorteil etwas zu reduzieren. Wichtig ist, dass der Steuerlast gute staatliche Dienstleistungen gegenüberstehen.»

Privileg soll erhalten bleiben

Im internationalen Vergleich hat die Schweiz als Wirtschaftsstandort in den letzten Jahren jedoch an Plätzen verloren. «Eine der grössten Schwachstellen ist das ungeklärte Verhältnis zur EU. Die Unsicherheit über die künftige Qualität des Zugangs zum europäischen Binnenmarkt erschwert Investitionsentscheide. Die grosse Stärke der Schweiz, dass das Stimmvolk gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft unterstützt, scheint ebenfalls zu erodieren, und dies verunsichert viele Wirtschaftsführer», erläutert Minsch.

Laut Minsch ist die Ansässigkeit von internationalen Unternehmen aber als Privileg zu verstehen: «Die multinationalen Unternehmen zahlen grosse Steuerbeträge, schaffen attraktive Jobs und stärken den Forschungsstandort. Davon profitieren alle.» Ein starker Wirtschaftsstandort ist deswegen auch für die Zukunft erstrebenswert.

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